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Märkische Verstrickungen

Mein Fach Märkische Verstrickungen

Professor Iwan-Michelangelo D’Aprile lehrt im Studiengang „Kulturelle Begegnungsräume der Frühen Neuzeit“ an der Universität Potsdam. Der seit 2010 existierende Masterstudiengang ist einzigartig in der Region und wird von allen Fächern der Philosophischen Fakultät getragen.

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Professor Iwan-Michelangelo D’Aprile.

Quelle: Uni Potsdam/Karla Fritze

Potsdam. Der Alte Fritz ist bis heute vor allem für sein frankophiles Wesen bekannt. Weniger vertraut ist, dass sich Preußenkönig Friedrich II. auch zu China hingezogen fühlte. Zwischen 1750 und 1757 gab es die Königlich Preußische Asiatische Kompanie in Emden mit Handelsbeziehungen nach China. Etabliert werden sollte die Einfuhr von Porzellan und anderen Luxusgütern. Eine „marktfähige Konkurrenz“ konnte sich jedoch nicht durchsetzen, zumal das Porzellan vor allem für den Königshof geliefert wurde, sagt Iwan-Michelangelo D’Aprile (47), kürzlich ernannter Professor für Kulturen der Aufklärung an der Uni Potsdam. Preußen hinkte modernen Ländern wie Holland und England hinterher. Die gegründete Preußische Aktiengesellschaft erfüllte nicht ihren Zweck. Die Aktien konnten nicht von Kaufleuten erworben werden, sondern wurden an Vertraute des Hofs verschenkt – beispielsweise an Friedrichs Freund Voltaire.

Außerdem mit den Brandenburgisch-Preußischen „Kolonialaktivitäten“ befassen sich D’Aprile und seine Studenten im interdisziplinären Masterstudiengang „Kulturelle Begegnungsräume der frühen Neuzeit“ an der Uni Potsdam. Zwischen 1682 und 1717 bestand die Brandenburgisch Africanische Compagnie sowie die Brandenburgisch Africanisch-Americanische Compagnie mit der Kolonie „Fort Groß Friedrichsburg“ an der westafrikanischen Goldküste (heute Ghana) – gegründet von Kurfürst Friedrich Wilhelm I. Man beteiligte sich am Sklavenhandel. Aber auch hier sei Brandenburg gegenüber anderen Ländern nicht konkurrenzfähig gewesen. „Die Häfen lagen zu fernab, es hat sich schlicht nicht rentiert“, so D’Aprile. Märkische Verstrickungen in den Sklavenhandel – ein brisantes Thema, das bislang nicht im Zentrum in der Geschichtsforschung stand und dem man künftig viel Aufmerksamkeit wünscht.

Der seit 2010 existierende Masterstudiengang „Kulturelle Begegnungsräume der Frühen Neuzeit“ – einzigartig in der Region – wird von allen Fächern der Philosophischen Fakultät getragen. Vermittelt werden Kenntnisse in Geschichte, Literatur, Sprache, Kunst und Philosophie der vom 15. bis zum 18. Jahrhundert reichenden Epoche. Die Hälfte der Studenten kommt von der Uni Potsdam, der „Rest“ aus anderen Bundesländern.

Das obligatorische Praxissemester kann in einer der Partnereinrichtungen wie dem Potsdam-Museum absolviert werden. Die Absolventen können anschließend in der Forschung, in Museen, Archiven und Bibliotheken, im Verlags- und Stiftungswesen oder im Fachjournalismus arbeiten.

Von Ricarda Nowak

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