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Tsunami in der Ägäis

Beben im Mittelmeer Tsunami in der Ägäis

Die Erdbeben-Gefahr im östlichen Mittelmeer ist größer als bislang gedacht. Historisch hat es mehr Beben gegeben, als vermutet. Das haben Potsdamer Geoforscher herausgefunden. Nicht nur das: Geologische Erschütterungen könnten in Folge auftreten. Die Wissenschaftler plädieren für Frühwarnsysteme.

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Kretas Küstenlinie veränderte sich mit den Beben (Pfeile).

Quelle: gfz

Potsdam. Nahezu jeder wird sich noch an den katastrophalen Tsunami in Südostasien Weihnachten 2004 erinnern. Die Katastrophe mit 230 000 Opfern spielte sich damals in rund 10 000 Kilometern Entfernung ab. In den diesjährigen Adventstagen warnen Potsdamer Erdbebenforscher des Geoforschungszentrums (GFZ) nun vor den Gefahren quasi vor der Haustür im östlichen Mittelmeer. Das seismische Risiko für einen großen Tsunami müsse höher als bisher bekannt angesetzt werden, sagt Vasiliki Mouslopoulou, Leit-Autorin einer entsprechenden Studie mit Kollegen in Neuseeland.

Anlass des Warnrufs: Die Anzahl der Erdbeben- und Tsunamiquellen im östlichen Mittelmeer ist viel höher als bisher gedacht. Zudem kommen die Beben offenbar geballt daher, also mehrere in relativ kurzer Abfolge. Gewaltige geologische Eruptionen hatten hier vor 3600 Jahren das Ende der Ära der Minoer, der ersten europäischen Hochkultur überhaupt, eingeläutet. Damals standen aber vulkanische Aktivitäten im Vordergrund.

Die Fachleute um die GFZ-Geologin Vasiliki Mouslopoulou stellten im Rahmen einer Studie fest, dass die seit Äonen währende Kollision der Afrikanischen mit der Eurasischen Kontinentalplatte im östlichen Mittelmeer den Boden in ein Puzzle kleinerer tektonischer Fragmente zerbrochen hat – mit der Folge einer hohen Erdbebenwahrscheinlichkeit. So gab es 365 und 1303 unserer Zeitrechnung schwere Seebeben in den Anrainer-Regionen des östlichen Mittelmeers mit jeweils Tausenden Toten.

Die Forscher haben die Konfrontationszone der beiden Kontinentalplatten südlich Kretas wesentlich genauer unter die Lupe genommen als bisher, um die Entstehung von Eruptionen und ihre Wiederholungsintervalle besser zu verstehen. „Bei der Untersuchung des Hellenischen Bogens gehen wir 50 000 Jahre zurück“, sagt Mouslopoulou. Erstmals überhaupt wurden das zeitliche und räumliche Verteilungsmuster kartiert, mit denen Mega-Beben mit der Folge von Tsunamis die Region immer wieder erschüttern.

Dazu verbanden die Geowissenschaftler Studien vor Ort mit Modellrechnungen. Dabei fanden sie frühere Küstenlinien, die sich heute infolge der früheren geologischen Eruptionen bis zu 23 Meter über dem heutigen Meeresspiegel befinden. Anhand von Fossilien der damaligen Meeresfauna konnten die Wissenschaftler erkennen, dass während der vergangenen 50 000 Jahre Kreta durch mindestens 40 starke Erdbeben um etwa 100 Meter angehoben wurde.

Die Berechnung der Wiederholungszeiten starker Erdbeben gestaltet sich trotz der erhöhten Wachsamkeit als schwierig. Daher plädieren die Forscher für intensivere Vorbeugungsmaßnahmen wie verlässliche Tsunami-Frühwarnsysteme und erdbebensicheres Bauen, um der erhöhten Gefährdungsberechnung künftig gerecht zu werden.

Von Gerald Dietz

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