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US-Botschafter Emerson setzt auf private Klimaschützer

Pariser Klima-Vertrag US-Botschafter Emerson setzt auf private Klimaschützer

In seinem Referat, das er im Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (Pik) hielt, nannte US-Botschafter John B. Emerson das Paris-Abkommen von 195 Staaten zur Minderung klimaschädlicher Treibhausgase einen Vertrag von historischer Dimension. Er setzt auf die Wirtschaft, bereits 150 US- Unternehmen hätten eine Vereinbarung zum Klimaschutz unterzeichnet.

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Proteste von Umweltschützern in Berlin im Vorfeld der UN-Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015.

Quelle: dpa

Potsdam. Bevor der Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland, John B. Emerson, in der Vortragskuppel des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Pik) mit seinen Grundatzreferat über das von 195 Staaten ausgehandelte Paris-Abkommen zur Minderung klimaschädlicher Treibhausgase vom 12. Dezember 2015 starten konnte, drückte ihm Pik-Direktor Hans Joachim Schellnhuber noch schnell sein jüngst veröffentlichtes Buch „Selbstverbrennung“ in die Hand. So viel Ermahnung war gar nicht notwendig. Denn in Sachen Klimaschutz passt eigentlich kein Blatt zwischen Schellnhuber und dem ehemaligen Berater des früheren US-Präsidenten Bill Clinton eigentlich kein Blatt.

Ein Vertrag von historischen Dimensionen nennt Emerson das Pariser-Abkommen, eine Art Maschinerie zur Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen. Hätten sich entwickelte und Schwellenländerfrüher unversöhnlich gegenübergestanden, zögen jetzt alle an einem Strang. Der Klimaschutz stünde in den USA zumindest unter Obama ganz oben auf der Agenda. „Erneuerbare Energien dienen nicht nur dem Umweltschutz, sondern auch der globalen Sicherheit.“ Wenn Länder nicht mehr ständig um Ressourcen stritten, schaffe das Stabilität, etwas an dem die vielfach engagierten Amerikaner natürlich sehr interessiert seien. Aber auch ihr eigenes Land hätte etwas vom Klimaschutz. 160 Milliarden Dollar hätten die USA in den vergangenen Jahren investieren müssen, um die Folgen extremer Wetterereignisse wie Hurrikan Sandy zu reparieren.

IT-Giganten wie Facebook und Microsoft waren in Paris

Als US-Amerikaner und früherer Investmentbanker setzt Emerson besonders stark auf den privaten Sektor. Ihn freut, dass IT-Giganten wie Facebook und Microsoft sich in Paris blicken ließen und ihren Beitrag leisten wollen. Noch mehr werde auf mittlere Ebene geschehen. „Der globale Energiemarkt ist der größte der Welt. Die erneuerbaren Energien sind eine der größten Chancen, die es gibt.“ Investitionen in diesen Sektor würden zur Geld- und Jobmaschine werden, denn – ihre Folgekosten eingerechnet – Öl und Kohle seien die weitaus teuersten Energieformen.

Emerson nennt die Zahl von 150 amerikanischen Unternehmen, die schon eine Vereinbarung zum Klimaschutz unterzeichnet hätten. Auch untergeordnete Behörden und die Öffentlichkeit hätten inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt. Emersons frühere Heimatstadt Los Angeles, einst eine Smog-Moloch, habe dank harter Maßnahmen dieses Problem besiegt, Kalifornien insgesamt habe die härtesten Abgasstandards für Autos in den USA.

Das einst ölverliebte Texas hat den größten Windpark der USA

Auch den überraschenden Umstand, dass ausgerechnet das einst erdölverliebte Texas den größten Windpark der USA aufzubieten habe, kann Emerson vermelden. Ihn irritiert auch später nicht der Einwand eines Zuhörers, die wichtigsten energiewirtschaftlichen Investitionen kämen bislang noch von Regierungen. Sei der politische Druck erst einmal da, argumentiert Emerson, zöge auch die Wirtschaft mit. Hier stimmt ihm auch Pik-Direktor Schellnhuber zu, der von einer „Implosion es erdölbasierten Wirtschaftssystems“ spricht. Nur die Schockwellen, die daraufhin politisch vom mittleren Osten ausgingen, fürchtet Schellnhuber noch.

In diesem Zusammenhang kann sich Botschafter Emerson schließlich auch einen Seitenhieb gegen die T-TIP-Angst der Deutschen nicht verkneifen. Von dem Freihandelsabkommen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten verspricht sich Emerson nämlich Wohltaten für beide Seiten und keineswegs Senkung der Umweltstandards. Die Diskussion darüber nennt er sogar „dumm“. Tatsächlich würden zum Beispiel, meint er, aktuell viele deutsche Kraftwerke an harten US-Umweltschutzauflagen scheitern.

Insgesamt macht sich Emerson selbst im Falle einer konservativen Wende in den USA keine Sorgen um das Klimaschutzabkommen. Die institutionellen Hürden, die dort vereinbarten Zusagen zurückzuschrauben, seien einfach zu hoch. Selbst einem künftigen US-Präsidenten Donald Trump – dessen tatsächlichen Erfolg Emerson für sehr unwahrscheinlich hält - dürfe das nur schwer gelingen. Emerson ist sicher: „Unsere Generation wird einige Vorzüge von sauberer Energie erleben, aber für die nächste Generation wird der Planet in viel besserer Verfassung sein.“

Von Rüdiger Braun

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