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Autotelefone für Anspruchsvolle

Moderne Telekommunikation Autotelefone für Anspruchsvolle

Mikrofone, Sensoren, Autotelefone – ist solche Kommunikationstechnologie heute überhaupt noch etwas Besonderes? Unbedingt! Ein Blick in die Entwicklungs- und Produktionsabteilung der Teltower Firma pei tel zeigt, wie viel Knowhow in solcher Technik stecken kann. Die Firma bedient mit ihren auf den Kunden zugeschnittenen Produkten eine weltweite Nachfrage.

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Nachrichtentechniker Ralf Romatowski entwickelt für pei tel verschiedene Systeme – hier Bedienungselemente für ein Polizeifunkgerät.

Quelle: Rüdiger Braun

Potsdam. Ralf Romatowski sitzt vor seinem Bildschirm und studiert Logiktabellen. Auf dem Tisch liegt ein schwarzes Funkgerät und daneben eine kleine Platine. Der Nachrichtentechniker Romatowski, der einst in Krefeld studierte, tüftelt in seinem Entwicklerbüro im dritten Stock eines Neubaus für die Teltower Firma pei tel Lösungen aus. Im Augenblick geht es darum, eine Bedienungsscheibe – die noch unfertige Platine – auf die Frequenzen des Funkgerätes einzustellen. Der Auftrag kommt von der amerikanischen Polizei. pei tel Geschäftsführer Thomas Martin erklärt, wie das Produkt einmal aussehen soll: „Der Polizist hat den Bedienungsschalter oben an der Schulter, das Funkgerät selbst hängt an seinem Gürtel.“ pei tel entwickelt sowohl Hard- als auch Software für das Element. Seit Anfang des Jahres arbeitet Romatowski daran. „Die Kunden haben aber noch Extrawünsche“, sagt er. Die Polizei will jetzt noch eigene Tools vom Computer auf die Anlage laden können. Diesen Extrawunsch einzubauen, wird noch etwas mehr Zeit brauchen.

Von der Blechdose zu Bluetooth

Pei tel ist eine selbstständige Firma innerhalb der großen Unternehmensgruppe Peiker. Peiker wirbt auf seiner Seite mit der kuriosen Geschichte, dass Heinrich Peiker und sein Schwiegervater Paul Beerwald 1946 in einer kleinen Werkstatt in Bad Homburg begannen, aus Blechdosen die ersten Mikrofone herzustellen. Die Bastelei hat sich gelohnt. Die „Peiker acustic & Co. KG“ hat heute ihren Stammsitz in Friedrichsdorf im Taunus. Niederlassungen gibt es auch in Frankreich, den USA und Mexiko.

Das Kerngeschäft ist immer noch die Akustik. Peiker stellt Mikrofone und Freisprechanlagen her, die sowohl in Behörden- und Rettungsfahrzeugen als auch im öffentlichen Verkehr ihren Einsatz finden. Mikrofone sind bei der Teltower Firma pei tel ein wesentlicher Geschäftszweig. pei tel setzt auf robuste und zugleich akustisch hervorragende Geräte. Daneben hat die Formengruppe aber auch aktuelle Geschäftsfelder wie iPod Integration oder den Einsatz von Bluetooth, also der Datenübertragung per Funk.

Seit fast 25 Jahre entwickelt und baut die zur Peiker-Gruppe gehörende Firma in Teltow erfolgreich auf zwei Stockwerken und rund 1300 Quadratmetern Mikrofone, Freisprechanlagen, Autotelefonanlagen und Sensoren. Man könnte sagen: Aufträge, die Nokia und Motorola zu klein sind, werden von pei tel übernommen – und das weltweit. Das Friedrichsdorfer Mutterhaus nahe Frankfurt am Main hat vor 25 Jahren bewusst Teltow als Standort gewählt. Die kleine Stadt liegt nicht nur bei Berlin, hier gab es zum Beispiel wegen des früheren Gerätereglerwerks auch viele kompetente Nachrichtentechniker. Auch heute hat die Firma keine Sorgen wegen des Nachwuchses. Sie rekrutiert junge Leute von der Technischen Universität und von der Beuth-Hochschule in Berlin. Das fähige Personal ist mit ein Grund für Umsätze von 8,5 Millionen Euro im Jahr.

„Wir sind sehr individuell“, sagt Geschäftsführer Martin. Das ist Herausforderung und Stärke der Teltower Firma zugleich, die rund 50 Beschäftigte hat. Von der Entwicklung, über den Bau und den Test der Geräte bis hin zum Betrieb: Alles findet unter einem Dach mit 50 Beschäftigten statt. Sogar die Prüfgeräte für ihre Autotelefone baut die Firma selber. Der Grund: Ein Dienstleister hätte kaum die Apparaturen, um die Sonderanfertigungen des Hauses angemessen zu testen.

Zum Brot-und-Butter-Geschäft der Firma gehören die Freisprechanlagen und Mikrofone, die zum Beispiel auf deutschen Bahnhöfen zu finden sind. Diese sind schon anspruchsvoll. „Wir müssen viele Normen erfüllen“, sagt Martin, „die Geräte müssen robust sein.“ Weder dürfen sie bei häufigem Hin- und Herbiegen abbrechen, noch dürfen sie leicht entflammbar sein. Es ist deutsche Wertarbeit, die im Teltower Haus entwickelt und gebaut wird. Bis zu 25 000 Stück im Jahr. Das hat seinen Preis. Aber viele Kunden zahlen gern.

Das Geschäft, mit denen sich pei tel weltweit immer neue Marktnischen erobert, sind Innovationen wie neue Generationen von Autotelefonen. „Irgendwie haben die Speditionen gemerkt, das es mit Bluetooth doch nicht so geht“, erläutert Thomas Martins Sohn Christian, der in dem Betrieb die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Wenn Speditionen oder Vertriebsleiter vor allem damit befasst wären, sich zwischen Knistern, Rauschen und Funklöchern zu verständigen, wäre das schlecht fürs Geschäft. Also kommt das alte Autotelefon wieder in Mode. Autotelefone von Format sind eine der Innovationen, mit denen sich pei tel Renommee verschafft.

In der Verpackungsabteilung stapeln sich zum Beispiel gerade Kartons voller „PT Car Phones 3“ „Die gehen alle nach England“, sagt eine Mitarbeiterin und legt eine weitere Schutzhülle über. Es seien noch die Telefone der älteren Generation, meint Geschäftsführer Martin. Die fünfte Generation kommt demnächst auf den Markt. Die neue Generation der Telefone hat zum Beispiel noch mehr Speicherplätze für Kontakte.

„Eine Betriebsfunkanlage reicht vielleicht über 20 Kilometer“, sagt Martin. „Ein Autotelefon reicht praktisch um die ganze Welt.“ Hat eine Flotte die selbe Telefonanlage, fallen Service und Wartung leichter. Nicht zuletzt können die Teltower raffinierte Anwendungen einbauen. Die Zentrale kann zum Beispiel die Kontrolle über wählbaren Nummern behalten, um Privatgespräche zu unterbinden. Vorteile, die offenbar auch die Stadtreinigung Hamburg überzeugten. Auch sie hat die Teltower Telefone in ihren Fahrzeugen.

Eine weitere Neuerung ist Ecobart. Das Plastikschächtelchen ist ein Bewegungssensor. In Lkw mahnt es Fahrer per Piepston oder Stimme, sanfter in die Kurve zu fahren oder Kavaliersstarts zu vermeiden. „Der Effekt ist nicht nur, dass so mehr Diesel gespart wird“, sagt Martin, „auch der Reifenverschleiß geht zurück.“ Mehrere tausend Stück hat pei tel an einen Schweizer Abnehmer verkauft.

Von Rüdiger Braun

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