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42 Millionen Euro für Schloss Rheinsberg

Aufwändige Restaurierung 42 Millionen Euro für Schloss Rheinsberg

Vom Diabetiker-Sanatorium zum Schlossmuseum ist es ein weiter Weg: Rund 42 Millionen Euro sind bisher in die Sanierung der Rheinsberger Schlossanlage geflossen, schätzt Kustos Detlef Fuchs. Der Bund hat gerade weitere 400 Millionen Euro für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Aussicht gestellt. Fuchs hofft, dass auch Rheinsberg davon profitieren kann. Für wichtige Sanierungen fehlte bisher das Geld.

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Vom Kustos Detlef Fuchs (l.) ließ sich Sebastian Steineke die Sanierung des Schlosses Rheinsberg erklären, auch die des Muschelsaals.

Quelle: Reyk Grunow

Rheinsberg. Detlef Fuchs kann sich noch an die ersten Tage erinnern: Damals, in der Wende, übernahm er als Kustos die Verantwortung für das Schloss in Rheinsberg. Im Sommer ist es noch Sanatorium, im Winter 1990 steht es leer. Keiner wusste, was aus dem einstigen Musenhof des Prinzen Heinrich werden soll. Eine große Hotelkette wollte das Haus am Grienericksee gern übernehmen. Unsicherheit herrschte. Bis Brandenburgs damalige Sozialministerin Regine Hildebrand entschied, das Sanatorium ans Kulturressort abzugeben.

Kulturminister Hinrich Enderlein legte schließlich fest, dass Schloss Rheinsberg an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten geht. Von da an ging alles schnell. Im Frühjahr 1991 meldete sich Hans-Joachim Giersberg, der Generaldirektor der Schlösserstiftung, bei Detlef Fuchs mit einer eindeutigen Aufgabe: Fünf Wochen hatte er Zeit, dann musste Schloss Rheinsberg öffentlich vorzeigbar sein. „Ich wusste nicht, wie das gehen soll“, sagt Fuchs: „Ich hatte hier eine totale Infrastruktur für 150 Patienten, aber überhaupt keine Infrastruktur für ein Museum.“

Noch 1990 war das Schloss in Rheinsberg komplett als Sanatorium für Diabetiker eingerichtet

Noch 1990 war das Schloss in Rheinsberg komplett als Sanatorium für Diabetiker eingerichtet. Seit den 50er Jahren wurde es so genutzt.

Quelle: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten/Wolfgang Bittner

Labor, Röntgenabteilung, Patientenzimmer mit Betten, Toiletten, Nachttischen – das ganze Schloss war ein Krankenhaus, nur ohne Patienten. Und doch hat es Detlef Fuchs mit Helfern geschafft: Sie haben in einigen Räumen das alte Linoleum herausgerissen, historische Holzfußböden freigelegt, Waschbecken von den Wänden geschraubt, alte Wandverkleidungen und verloren geglaubte Türen zusammengesucht. Die Eröffnung von Schloss Rheinsberg wurde ein riesiger Erfolg. 100 000 Besucher kamen im ersten Jahr.

Rund 60 000 Gäste hat das Schloss noch heute jährlich. Den meisten dürfte es schwer fallen, sich den katastrophalen Zustand vorzustellen, der sich Denkmalpflegern vor 25 Jahren dort bot.

Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region

Sebastian Steineke war am Donnerstag jedenfalls beeindruckt, als ihn Detlef Fuchs durch die Räume führte, eine Mappe mit alten Fotos unterm Arm. Der CDU-Bundestagsabgeordnete wollte sich zusammen mit seinem Parteikollegen und Kreistagsmitglied Erich Kuhne ein möglichst genaues Bild machen. „Schloss Rheinsberg ist eindeutig das wichtigste Kulturdenkmal in der gesamten Region“, sagt Steineke.

Es ist nicht nur ein Haus voller Kultur und Geschichte. „Es ist ein Wirtschaftsfaktor“, das sieht auch Fuchs so. Als Kustos der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg ist er für alle märkische Schlösser zuständig, aber auch für Häuser in Berlin. Fuchs begleitet die Fassadensanierung des Schlosses Charlottenburg genauso wie er die Arbeiten in Rheinsberg begleitet.

Geschätzte 42 Millionen Euro wurden bisher in die Rheinsberger Schlossanlage samt Theater und Kavalierhaus investiert, sagt er und erinnert sich noch an andere Zahlen: „Es gab früher einmal eine Schätzung, dass etwa 35 Millionen D-Mark nötig sind.“ Eine Illusion.

Vom Wasserschloss zum Musenhof


das Schloss Rheinsberg steht, gab es bereits im Mittelalter eine Wasserburg.

Über mehrere Besitzerwechsel und nach etlichen Umbauten wechselte das Schloss 1734 in den Besitz des Königs Friedrich Wilhelm I., der es seinem Sohn Friedrich schenkte.

Als Kronprinz lebte Friedrich von 1736 bis zu seiner Thronbesteigung als Preußens König 1740 in Rheinsberg.


Friedrich ließ das Schloss aufwändig um- und ausbauen und schenkte es seinem Bruder Heinrich. Der zog 1752 mit seiner Gemahlin nach Rheinsberg und lebte dort bis zu seinem Tode im Jahr 1802.

In diesen 50 Jahren baute Prinz Heinrich das Schloss zu einem Zentrum der Kultur aus und holte immer wieder berühmte Musiker, Komponisten und andere Künstler dorthin. Rheinsberg wurde Heinrichs Musenhof.

Nach dem Tode Heinrichs blieb es bis 1945 im Besitz der Familie Hohenzollern und wurde dann zu Volkseigentum erklärt.

Seit den 90er Jahren gehört Schloss Rheinsberg mit Park, Schlosstheater und Kavalierhaus der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Gerade sind Handwerker dabei, im Bacchus-Kabinett hinter dem Spiegelsaal wieder die historische Kaminverkleidung aus grauem Stein zu installieren. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Kamine im Schloss herausgerissen worden. Die Steine landeten überall: als Uferbefestigung, als Verstärkung in Betonfundamenten. Manche Umfassung blieb in einem Stück, andere wurden zerschlagen. Nach und nach setzen die Denkmalpfleger die Bruchstücke wieder zusammen, wenn sie welche finden können. Für das Bacchus-Kabinett musste einige Teile nachgearbeitet werden.

„Das Sanatorium war für das Schloss ein Segen“, sagt Fuchs heute und meint: Es hätte viel schlimmer kommen können. So gab es nach dem Krieg auch Pläne, das Schloss zu einer Polizeischule zu machen. Kaum auszudenken, wie wenig dann noch von der historischen Substanz noch zu retten wäre. Das Gesundheitswesen der DDR hat – vielleicht aus Geldmangel – vieles erhalten. Mehr oder weniger jedenfalls.

Viel Geld floss in den Wiederaufbau des Schlosstheaters, das seit dem Tod des Prinzen Heinrich  quasi leer stand und im Zweiten Weltkrieg teilwei

Viel Geld floss in den Wiederaufbau des Schlosstheaters, das seit dem Tod des Prinzen Heinrich quasi leer stand und im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört wurde. 1999 konnte das Theater wiedereröffnet werden

Quelle: Peter Geisler

Mehr als 50 Räume sind inzwischen restauriert, aber längst nicht alle. Ende 2015 hat der Bund ein neues Sonderprogramm für die Schlösserstiftung zugesagt. Insgesamt sind das 400 Millionen Euro in Zusammenarbeit mit den Ländern Berlin und Brandenburg. Fuchs hofft, dass Rheinsberg davon profitieren kann. Für die Schlossgärtnerei wird dringend Geld gebraucht und für den zweiten Flügel des Kavalierhauses, in dem die Musikakademie ihren Sitz hat. Schon vor Jahren hatte die Stiftung vor, den Flügel zu sanieren, doch dann kam das damals erhoffte Geld doch nicht.

Steineke sagte seine Unterstützung zu: „Ohne Das Schloss wäre das alles hier nichts.“ Er will sich bei Kulturstaatsministerin Monika Grütters dafür stark machen. Sie liebt Rheinsberg ohnehin.

Jubiläum:

Von Reyk Grunow

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