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Als Wirtschaftsfaktor unterschätzt

Kinder- und Jugenderholung im Dahmeland Als Wirtschaftsfaktor unterschätzt

Mehr als ein Viertel aller Übernachtungen entfallen im Dahme-Seengebiet auf den Bereich der Kinder- und Jugenderholung. Als Wirtschaftsfaktor wird dieses touristische Segment aber oft noch unterschätzt. Hier ist so manches Geschäftsfeld noch nicht erschlossen.

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Der Spaß beim Paddeln regiert in diesen Tagen im Kinder- und Jugenderholungszentrum am Hölzernen See.

Quelle: Franziska Mohr

Gräbendorf. Die meisten Dahmeländer denken bei Jugendfreizeiten zuerst an Schwimmen, Wandern, zugenähte Schlafanzüge oder möglicherweise auch den ersten Kuss. Dass der Bereich der Kinder- und Jugenderholung in der Region aber zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden ist, erschließt sich vielen erst auf den zweiten Blick. Im Dahme-Seengebiet entfällt mehr als ein Viertel aller Übernachtungen auf Kinder und Jugendliche.

Allein die beiden Kieze am Frauensee und am Hölzernen See realisierten im vergangenen Jahr mit 118 207 Übernachtungen einen Umsatz von 3,1 Millionen Euro. Und sie sind längst nicht die Einzigen, die in der Region auf diesem Markt präsent sind (siehe Kasten). Auch als Arbeitgeber hat dieser Bereich durchaus einen Namen. Am Frauensee sowie am Hölzernen See verdienen in der Saison 80 Frauen und Männer ihr Geld. Nicht zu unterschätzen sind diesbezüglich auch die Arbeitsplätze, die bei den Kooperationspartnern gesichert werden. „Wir benötigen jetzt täglich für unsere Gäste allein 1500 frische Schrippen, 250 Körnerbrötchen, zwölf Misch-, acht Weiß- und vier Körnerbrote, die uns eine Bäckerei aus Bestensee liefert“, sagt Geschäftsführerin Christine Schilling. Für das Frikassee zum Mittag werden 80 Kilogramm Hühnerfleisch und als Nachtisch 120 Kilogramm Bananen benötigt, die auch in der Region gekauft wurden.

Hintergrund

Mehr als ein Viertel der Gesamtübernachtungen im Dahme-Seengebiet entfallen auf den Kinder- und Jugendbereich. Insgesamt werden allein in diesem touristischen Segment jährlich etwa eine Viertel Million Übernachtungen registriert.

In der Gemeinde Heidesee entfallen sogar 85 Prozent aller Übernachtungen auf Kinder- und Jugendliche.

Den Löwenanteil daran haben die beiden Kieze am Frauensee und am Hölzernen See. Dort wurden im vorigen Jahr insgesamt 118 207 Übernachtungen registriert.

Im Jugendbildungszentrum Blossin waren es insgesamt 55 800.

Bei der Kinder-, Jugend und Familiennaherholung Prieros gGmbH (KJF) registrierte man 21 000 Übernachtungen.

In der Jugendherberge Köthen und Klein Köris waren es 34 000.

Weitere Einrichtungen: Der Pfauenhof Kolberg registrierte etwa 5000 Übernachtungen, der Kinderbauernhof Gussow 700. Im FFZ Blossin waren es rund 4000, im Fuchsbau Prieros rund 200, im CVJM-Heim Gussow knapp 10 000 Übernachtungen. Tagungshaus Wernsdorf registriert 250 Übernachtungen von Kindern, in der Feriensiedlung und Reiterhof Neuendorf etwa 250. (Quelle: Verein Kinder- und Jugenderholung Dubrow-Dahmetal)

Ganz abgesehen von zahlreichen Aufträgen für Busunternehmen sowie dem damit verbundenen Gästepotenzial für andere touristischen Dienstleister in der Region wie dem „Haus des Waldes“ , dem Biogarten in Prieros oder der Germanischen Siedlung in Klein Köris. Aber auch Spielgeräte, Betten, Matratzen, Schränke und Sanitärkeramik sowie jede Menge Dienstleistungen vom Dachdecker über den Tischler bis zum Glaser werden beinahe tagtäglich in den Kinder- und Jugendeinrichtungen benötigt. Von großen Investitionen wie 2013 in das „Haus des Wassers“ mit dem dazugehörigen Wasserspielplatz am Hölzernen See im Gesamtwert von 400 000  Euro oder das im Vorjahr eröffnete Floriansdorf am Frauensee für mehr als 650 000 Euro ganz abgesehen.

„Die hiesigen Angebote der Kinder- und Jugenderholung machen die Region in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt“, sagt Schilling. Kindern, denen die vielen Seen und Wälder gefallen haben, kämen später als Touristen oft wieder. Schilling bewertet es als bedauerlich, dass dieser Schatz in der Region bisher kaum gehoben wird. Noch immer würden beim Bau von Radwegen die Bedürfnisse der Jugendeinrichtungen kaum berücksichtigt. So sei die Durchfahrt durch die Ortslage Gräbendorf für Kindergruppen nach wie vor gefährlich. Unverständlich ist den Mitarbeitern der Kieze auch, warum es ihnen in einer Region mit zahlreichen Pferdehöfen bisher nicht gelang, einen stabilen Partner für die Arbeit mit Kindern zu finden. „Überall entstehen Hochseilgärten, nur hier, wo die Jugendlichen derart konzentriert sind, traut sich kein Unternehmer an ein solches Vorhaben“, bedauert Schilling. Stattdessen fielen immer mehr Angebote wie das Kutschen-Museum in Köris oder die von den Kindern geliebten Dampfer-Rundfahrten mit Manfred Wunsch weg, weil die Betreiber in Rente gehen.

Von Franziska Mohr

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