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Hightechcamping in Potsdam der letzte Schrei

Dauercamper auf dem Rückzug Hightechcamping in Potsdam der letzte Schrei

Es gibt die Idylle der Dauercamper noch, doch Gast-Camper mit hochpreisigen Wohnmobilen drängen immer stärker auf die Campingplätze an der Havel. Das Angebot auf den Plätzen wird immer besser und hat zuweilen schon Hotelniveau erreicht. Nicht allen Campern sagt das zu.

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Erste Dauercamper-Reihe auf dem „königlichen“ Campingplatz Sanssouci-Gaisberg.

Quelle: Rainer Schüler

Potsdam / Werder .
Campen mit Rucksack und Zelt – das ist selten geworden, eine Randerscheinung. Was zu DDR-Zeiten noch extrem beliebt war vor allem bei der Jugend, ist inzwischen nur noch in Ferienzeiten zu erleben. Die Komfortbedürfnisse der Touristen sind heute so hoch, dass es mindestens ein Auto braucht für die Ausrüstung, besser noch: einen Mini-Bus. Die beliebten VW-Modelle der T-Serie etwa tauchen immer öfter auf den Campingplätzen auf, weiß Dieter Lübberding, Geschäftsführer des mehrfach preisgekrönten „königlichen Campingparkes Sanssouci“ in der Pirschheide. Der Vorteil solcher Gefährte ist ihre geringe Größe; sie sind auch im Stadtverkehr wie ein Pkw fahr- und parkbar, und die älteren Modell gelten als erschwinglich. „Nicht jeder hat über 50000 Euro für ein richtiges Wohnmobil“, sagt Lübberding. Und wer mit einem einfachen Kleinbus kommt, findet auf dem Platz jeden erdenklichen Service und eine Ausstattung auf Hotelniveau.

Die freilich brauchen immer mehr touristische Camper gar nicht, denn die Zahl der sehr teuren Anhänger und Wohnmobile nimmt nach Lübberdings Angaben deutlich zu. Es wächst der Ausstattungsgrad der Fahrzeuge, die seinen technischen Service mit Strom, Wasser und Abwasser am Stellplatz nicht wirklich benötigen, weil sie Wasser, Abwasser und Heizung haben und bis zu 20 Grad minus aushalten. Etwas aus dieser Champions-League der Camper-Gespanne steht in diesen Tagen bei Lübberding direkt am Ufer des Templiner Sees: ein Porsche Cayenne (ab 70 000 Euro) mit einem über zehn Meter langen Luxus-Wohnwagen am Haken, etwa so teuer wie das Auto.

Ein Wohnbus aus der Schweiz fährt in den Campingpark Sanssouci ein

Ein Wohnbus aus der Schweiz fährt in den Campingpark Sanssouci ein. Rund 250000 Euro kostet so ein Fahrzeug nach Angaben von Platzbetreiber Lübberding.

Quelle: Schüler

Aber auch der Wohnbus aus der Schweiz, der Montagmittag das mächtige Haupttor des Edel-Campingplatzes passierte, dürfte es nach Lübberdings Schätzung auf 250000 Euro bringen. „Es gibt eben Leute, die sich das leisten können, die unabhängig in ihrer Reiseroute sein wollen und Wochen oder Monate unterwegs sind.“ Den Altersschnitt der Gastcamper beziffert Lübberding auf 50+, in den Ferienzeiten ist das Publikum weit jünger: Kinder drücken dann den Schnitt.

Anmelden braucht sich keiner auf dem Edel-Campingplatz, und die meisten machen hier auch nur für ein paar Tage Station, wollen Berlin und das Umland erleben, aber nächtigen in der Natur. „Ohne Berlin“, sagt Lübberding, „würde das hier gar nicht laufen.“ 80 Prozent der Gäste sind eigentlich wegen Berlin hier.

In Reih und Glied stehen die Gast-Wohnmobile auf dem Sanssouci-Platz, neben sich Anschlüsse für Strom, Wasser und Abwasser

In Reih und Glied stehen die Gast-Wohnmobile auf dem Sanssouci-Platz, neben sich Anschlüsse für Strom, Wasser und Abwasser.

Quelle: Schüler

„Das hier“ fängt bei einer weiten Rezeption an, streift einen Einkaufs- und Souvenirladen, eine vielfältige Wassersportstation. Es gibt ein Restaurant mit Spitzenköchen, regionalem Essen und selbst gebackenem Kuchen, Ferienwohnungen, Duschen mit Männernamen für Frauen und Frauennamen für Männer, Miet- und Familienbäder; ein Hundebadesalon ist gerade im Bau. Eine Holz- und Keramikwerkstatt gibt es, ein Heimschießkino, Bogenschießen aus dem Haus heraus, in dem Bäume durch das Dach wachsen.

Zwei Personen können in einem „Weinfass“ schlafen, auf manchen Plätzen mit Strom, auf manchen ohne

Zwei Personen können in einem „Weinfass“ schlafen, auf manchen Plätzen mit Strom, auf manchen ohne.

Quelle: Schüler

Wer ohne fahrbares Haus anrückt, kann kuschel-eng im Weinfass schlafen oder komfortabel in preiswerten Ferienwohnungen oder einem Ferienhaus. An alles hat das Team von Lübberding gedacht, der immer scharf ist auf die Meinung seiner Gäste: „Könnte ja sein, das gibt eine neue Idee her oder einen Tipp, was wir noch besser machen können.“ Und besser hat halt seinen Preis, extra berechnet nach Wohnwagen, Auto und übernachtenden Personen. In der Hauptsaison zahlt ein Elternpaar mit Kind ab 44 Euro, auf dem „königlichen XXL-Stellplatz“ fast einen Hunderter. Es gibt Rabatte und Sonderangebote.

Der Platz hat soeben seinen 60. Geburtstag gefeiert; zu DDR-Zeiten war er fest in der Hand der Dauercamper. Heute sind das nur noch 70, Tendenz der letzten Jahre: sinkend, der Pachtzins stetig steigend, 1800 Euro im Jahr in Reihe 1. 240 Stellplätze gibt es insgesamt. „Ein Drittel Langzeiturlauber, zwei Drittel Gäste – das ist ein guter Mix“, sagt Lübberding.

Dauercamper unter Bäumen auf dem Himmelreich-Platz in Caputh

Dauercamper unter Bäumen auf dem Himmelreich-Platz in Caputh.

Quelle: Schüler

500 Meter Luftlinie weiter in Richtung Werder sieht man das ganz anders. Auf dem Caputher Naturcampingplatz „Himmelreich“ setzt Inhaber Roger Groß seit Jahren auf Halb und Halb. Seinen Dauercampern setzt der Chef nur sanfte Grenzen beim Bau von Wohnwagendächern und Nebengelass, bei der Pflanzung von Sträuchern und Hecken. Während Gastcamper bei Lübberding eingewiesen werden und stehen in Reih und Glied wie preußische Soldaten, können Gäste sich im Himmelreich ihr Plätzchen unter Bäumen suchen, dann freilich ohne Wasser- und Abwasser gleich am „rollenden Heim“. Manchem Gast wird auf Wunsch ein Weg gewiesen, doch die meisten parken selber ein, am liebsten auf der „Spitze“, wie die Halbinsel mit drei Seiten Wasserblick genannt wird.

Mit der Medienerschließung für seine Dauercamper hat Groß erst vor ein paar Jahren engefangen; vorher gab es nur das zentrale Dusch- und Toilettenhaus, inzwischen ergänzt um einen Neubau. Das alte Haus wird demnächst saniert und aufgestockt, das Restaurant sogar fast völlig neu gebaut. Stromverteilkästen für die Gastcamper gibt es überall. Nach W-Lan, wie das am Sanssouci-Platz üblich ist, frage mancher, sagt Groß, doch weil es das nicht flächendeckend gibt, tut es eben auch das Smartphone-Handy.

Die „Spitze“ ist bei Gastcampern der beliebteste Stellplatz des Campingplatzes „Himmelreich“ in Caputh

Die „Spitze“ ist bei Gastcampern der beliebteste Stellplatz des Campingplatzes „Himmelreich“ in Caputh: Hier gibt es Wasserblick nach drei Seiten.

Quelle: Schüler

Auch Groß hat einen Trend bemerkt zu immer hochwertigeren Wohnmobilen und Anhängern. „Das ist für viele Familien eben deutlich billiger als ein Hotelurlaub“, sagt er. Die kleineren Campingbusse stehen ebenso auf seinem Platz wie normale Pkw’s mit der Campingausrüstung im Kofferraum. Und bei ihm kommen viele immer wieder und bleiben der guten Preise wegen auch recht lange, manche sogar einen ganzen Monat. Derzeit etwa steht der halbe Gästeplatz voll mit belgischen Campern, die einem Club angehören und ein paar Wochen bleiben. Bei einem Schnitt von 30 Euro pro Nacht bleibt noch was übrig in der Urlaubskasse. Auch bei Jugendgruppen ist der Platz beliebt und im Herbst auch bei zahllosen Camper-Muffeln, die zum Oktoberfest strömen. Feste außerhalb der Camp-Saison sind ein Weg, das Team des Platzes möglichst lange im Dienst zu halten.

Die Neu- und Ausbauten auf dem Platz kosten natürlich Geld, bis zu einer Million Euro bis 2020. Und weil sie laut Groß den Gästen und den Dauercampern nützen, kommen zu einem gewissen Teil auch die Dauercamper dafür auf: Die Pachten werden steigen, nicht schleichend wie bei Lübberding, sondern in einem Ruck nach preisstabilen Jahren.

Fanny Kinkel leitet den Platz „Blütencamping Riegelspitze“ am Rand von Werder

Fanny Kinkel leitet den Platz „Blütencamping Riegelspitze“ am Rand von Werder

Quelle: Schüler

So wie Lübberding und Groß profitiert auch Fanny Kinkel vom Blütencamping Riegelspitze von der direkten Wasserlage. Nach ein paar Jahren sinkenden Interesses am Dauercamping gibt es wieder rege Nachfrage, vor allem von jungen Familien. 130 Touristenplätze gibt es und 120 Dauerstellplätze, von denen 20 mit den Jahren umgewandelt werden in Gästeplätze. Die besten Dauerplätze liegen auf der Halbinsel im Glindower See, die meisten aber im östlichen Geländeteil. Das Durchschnittsalter der Dauercamper liegt bei stolzen 70 Jahren.

Auf dem Blütencamping-Platz sind alte Ferienhäuser aus DDR-Zeiten ausgebaut werden, teils für Gäste, teils von den Hauseigentümern

Auf dem Blütencamping-Platz sind alte Ferienhäuser aus DDR-Zeiten ausgebaut werden, teils für Gäste, teils von den Hauseigentümern.

Quelle: Schüler

Der in eine parkartige Landschaft gebettete Campingplatz mit einem kleinen Berg mittendrin ist sichtbar ein Relikt aus DDR-Zeiten, nicht nur der Dauercamper wegen. Es gibt 30 alte, inzwischen aber umgebaute Ferienhäuser, die einst von volkseigenen Betrieben an ihre Belegschaften vergeben wurden. Manche haben keinen Sanitärteil, andere dagegen schon. Bis zu drei Schlafräume haben die Bungalows, ein Doppelbett die Wohnfässer, die auch in der Pirschheide stehen.

Die hölzerne Lounge für Gäste hat Weitblick übers Wasser

Die hölzerne Lounge für Gäste hat Weitblick übers Wasser.

Quelle: Schüler
Der Zirkuswagen am See ist zum Schlafen da

Der Zirkuswagen am See ist zum Schlafen da.

Quelle: Schüler
Doppelbett mit Kinderbett darüber im „Zirkuswagen“, den Platzpächterin Fanny Kinkel bei einer Messe gekauft hat

Doppelbett mit Kinderbett darüber im „Zirkuswagen“, den Platzpächterin Fanny Kinkel bei einer Messe gekauft hat. Zehn Tage dauerte vor Ort der Aufbau aus Einzelteilen.

Quelle: Schüler

Die urigste Objekte jedoch sind die hölzerne Lounge mit Fernblick vom Riegelberg und der Zirkuswagen direkt am See. „Zu uns kommen die Leute mit dem kleineren Geldbeutel und die, die länger bleiben wollen“, sagt Fanny Kinkel, die den Platz 1993 von ihrer Mutter übernommen hat; die ihn seit 1972 verwaltete. Weil An- und Umbauungen der Dauercamperwagen unüblich sind, wirkt alles bodenständig einfach und naturbelassen.

Viel Phantasie hat dieser Dauercamper walten lassen

Viel Phantasie hat dieser Dauercamper walten lassen.

Quelle: Schüler

Gelobt wird der Platz für die auffallende Freundlichkeit des Teams, das den Platz im Winter schließt, „um alles wieder schick zu machen“, wie Fanny Kinkel sagt. Dann sind sogar die Dauercamper außen vor, die beim Sanssouci-Platz trotz Winterpause Zutrittsrechte haben und im Himmelreich das ganze Jahr über glücklich werden können.

Campen einst und heute

Gecampt wurde schon zu fernen DDR-Zeiten. Auch damals gab es schon kleinere Wohnwagen, außerdem Zelte, die man aus Kastenanhängern ausklappte oder auf dem Autodach ausgefaltete.

Bis vor 25 Jahren war Campen aber vor allem Zelten; die Gäste kamen mit Zug und Fahrrad, manche mit dem Auto.

Heutzutage ist das technische und Ausstattungsniveau der Plätze und der Wohnfahrzeuge unvergleichlich höher und kostenintensiver.

Im Land Brandenburg gibt es einen Verband für Camping- und Wohnmobiltourismus, gegründet im Oktober 1990 auf Initiative von Campingunternehmern. Heute sind im Verband 54 Campingunternehmen mit 61 Plätzen und 12 Fördermitglieder vertreten.

Im westlichen Brandenburg liegen die Campingplätze Sanssouci-Gaisberg (Potsdam), Himmelreich (Caputh), Riegelspitze (Werder), Neue Scheune (Ferch), Schwielowsee (Ferch), Glindowsee (Glindow), Icanos (Seddiner See), Zeestow-Havelkanal (Brieselang), An der Havel (Ketzin) und Fläming-Camping (Oehna.)

 

 

Von Rainer Schüler

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