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Der Teufelswald an der Großen Freiheit

Wanderung durch das Naturschutzgebiet Zarth Der Teufelswald an der Großen Freiheit

Die Renaturierungsarbeiten im Treuenbrietzener Naturschutzgebiet Zarth sind abgeschlossen worden. Aus Mitteln der EU wurden die Revitalisierung des Moor- und Feuchtwaldkomplexes in diesem Teil des Naturparks „Nuthe-Nieplitz” gefördert. Ein Gedenkstein erinnert an den Naturschützer Eduard Prinke.

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Auf den Gewässern im Zarth fühlen sich auch Schwäne wohl. Kleine Inseln bereichern das verträumte Bild.

Quelle: Gertraud Behrendt (6)

Treuenbrietzen. Die „Große Freiheit“ verbindet fast jeder mit Hamburg. Doch so weit muss niemand fahren, um die Große und die Kleine Freiheit zu sehen. Dunkle Gestalten gibt es nicht, aber dunkles Licht unter dem dichten Laubdach, von dem aus die Freiheiten, so heißen die alten Torfstiche im Treuenbrietzener Naturschutzgebiet Zarth, zu sehen sind. Dort hat sich in jüngster Zeit viel verändert.

Der Abschnitt gehört zu den schönsten Bereichen des Fläming-Walk-Netzes. Der Zarth ist Teil der 33,4 Kilometer langen Landschaftstour. Die Stadtinformation bietet einen Flyer für eine gleichnamige Tour an, die nur 20 Kilometer lang ist. In der längeren Route wird der Zarth laut Karte auf dem Rückweg passiert. Dafür sollte man sich aber noch Aufmerksamkeit bewahren.

Gedenkstein für Eduard Prinke

Gedenkstein für Eduard Prinke.

Quelle: Gerraud Behrendt

Sowohl Radfahrer als auch Wanderer genießen eine Tour durch den Zarth. Es gibt einen Radweg zwischen Bardenitz und Treuenbrietzen. Dennoch radeln viele lieber durch den Zarth. Erst im Mai wurde ein Gedenkstein für Eduard Prinke am Eingang auf der Treuenbrietzener Seite aufgestellt und damit zugleich das Ende der Arbeiten am Moorprojekt verkündet. Prinke war nicht nur stellvertretender Amtsleiter Naturschutz in der Kreisverwaltung Jüterbog. Er wirkte in vielen Gremien ehrenamtlich für den Schutz von Flora und Fauna mit. Auch daran, dass der Zarth unter Naturschutz gestellt und Totalreservat wurde, hat er eine große Aktie.

Andere erinnern sich an den unscheinbaren Mann als Pilz-Experten. Wie hat er sich immer gefreut, wenn er Auskunft zu den seltsamsten Exemplaren geben konnte. Über die Lebensweise von Laubfrosch und Rotbauchunke konnte er sicher im Schlaf referieren. Erzählt hat er mit großer Leidenschaft, aber nie überheblich. Der Stein unter der Flatterulme mit den schlichten Lebensdaten für den Vater des Zarths (1939-2013), der zwei Jahre nach Prinkes Tod aufgestellt wurde, ist gerechtfertigt.

Einige Meter weiter geben einige Info-Tafeln Auskunft. Sie berichten über die EU-Förderung der Revitalisierung des Moor- und Feuchtwaldkomplexes durch Grabenverfüllung, den Bau von Stützschwellen, Rückstau von Überfahrten, Gewässerfurten, Sohlgleiten und Brücken in diesem Teil des Naturparks Nuthe-Nieplitz. Da die im Sommer 2014 begonnenen Arbeiten in diesem Jahr beendet worden sind, ist die Neugier der Anwohner verständlich. Viel mehr Leute als früher sind dort unterwegs. Das dürfte sich in einigen Jahren wieder gelegt haben. Jetzt ergeben sich nette Gespräche. Eine Radlerin berichtete, den Zarth habe ein „Privater“ gekauft. Das dürfte das Vogelschutz-Komitee sein, es ist seit 2007 Eigentümer und hat im Rahmen des Projektes weitere Flächen im Zarth für den Naturschutz erworben.

Ziemlich überflüssig sind die Schilder, den Weg nicht zu verlassen. Denn das wäre auf weiten Strecken mit Einsinken im Morast verbunden. Das große Gewässer, das vor zehn Jahren erst nach einem Abzweig nach links zu sehen war, hat sich jetzt fast bis ans Eingangstor ausgedehnt. Schwäne ziehen darauf ihre Runden. Libellen umschwirren den Wanderer in großer Zahl. Eine Galerie umgefallener Bäume bietet ein imposantes Bild, ebenso die stufenweise gewachsenen Porlinge und der Teil des dunklen Waldes. Auch an sonnigen Tagen wird dort die Einbildungskraft befördert. Vielleicht sind die verkrümmten Äste verwunschene Wesen aus einem Märchen? „Zarth“ soll vom slawischen Wort für Teufel kommen, und an dem Abschnitt drängt sich der Begriff Teufelswald einfach auf.

Stege führen neuerdings  über die Bachläufe, die den Wanderweg kreuzen

Stege führen neuerdings über die Bachläufe, die den Wanderweg kreuzen.

Quelle: Gertraud Behrendt

Weicher ist das Bild, das der Pappelsamen bietet. Er flockt um diese Jahreszeit aus. In einigen Büschen hängt er und sieht fast aus wie Baumwolle, den Boden bedeckt er mit Pappelwolle wie mit blütenweißem Schnee. Der Weg, der früher besonders im letzten Teil recht moddrig war, ist nun gut zu begehen, eingeengt nur an den Wasserläufen, über die nun Brücken führen. Das 260 Hektar große Zarth-Gebiet ist auf jeden Fall einen Besuch wert, auch wenn das Betreten der abzweigenden Wege und der Wiesen verboten ist.

Wer sein Auto am Zugang in Bardenitz stehenlässt, durch den Zarth nach Treuenbrietzen wandert, dort einkehrt und wieder zurückläuft, entdeckt garantiert etwas, das beim Hinweg übersehen wurde oder etwas, das ihm schon da besonders gefallen hat. Die restliche Route über Brachwitz und Niebel nach Niebelhorst kann für eine neue Wanderung bleiben.

Von Gertraud Behrendt

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