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Die „tiefste Provinz“ begeistert Künstler

10 Jahre Theater in Kremmen Die „tiefste Provinz“ begeistert Künstler

Seit zehn Jahren behauptet sich im historischen Scheunenviertel von Kremmen (Oberhavel) das kleine Theater „Tiefste Provinz“. Mittlerweile finden auch die Kremmener den Namen witzig. Theaterchef Andreas Dalibor erzählt im Interview über die Anfänge und darüber, wie er an bekannte Künstler herangekommen ist.

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Andreas Dalibor vor seinem Theater im Kremmener Scheunenviertel.

Quelle: ENRICO KUGLER

Kremmen. Er ist selbst erstaunt, dass das von ihm gegründete Theater „Tiefste Provinz“ in Kremmen nun schon zehn Jahre existiert. Andreas Dalibor erzählt von den Anfängen und von seinen Plänen.

Was haben Sie denn zum Zehnjährigen am 13. April geplant?

Andreas Dalibor: Wir veranstalten eine Gala. Martin Buchholz, Kabarett-Urgestein aus Berlin, wird dabei sein. Dann noch ein Gitarrist, eine gute bunte zweistündige Mischung an Unterhaltung. Die Noch-Kulturministerin, Landrat und Bürgermeister werden kommen. Nach der Gala gibt es ein Büfett.

Gibt es noch Karten?

Dalibor: Nein alle Karten sind weg. Die Veranstaltung hatte sich unter unseren Stammgästen schnell herumgesprochen.

Wie kam es eigentlich zur Gründung des Theaters?

Dalibor: Anfangs waren die Scheunen günstig zu kaufen. Ich suchte einen Übungsraum für unsere Band. In der Stadtverwaltung Kremmen sagte man mir, ich würde Fördergelder erhalten, wenn ich eine Bühne einbauen und einen öffentlichen Veranstaltungsraum schaffen würde. Reporter Dietmar Ringel von Inforadio rückte mit dem Übertragungswagen an und berichtete dadrüber. Kurz darauf rief die Liedermacherin Barbara Thalheim an und wollte auftreten. Sie war echt die Geburtshelferin. Von da ab war das Theater ein Selbstläufer. Die Thalheim kommt natürlich auch zur Gala am 13. April.

Kommen auch Einheimische in die Vorstellungen?

Dalibor: Ja, klar, das musste sich entwickeln, doch es wurden immer mehr. Ein Landwirt sagte mal zu mir: „Ich war bei dir zur Lesung. So schlimm war das gar nicht.“ Das ist für Kremmen das größte Lob.

Gab es anfangs Vorbehalte bei den Betreibern der anderen Scheunen im Viertel?

Dalibor: Ja, einige wollten erst keine Plakate von uns aufhängen. Aber dann erkannten sie sehr schnell, dass sie vom Theater profitieren können. Die Besucher gehen vor der Vorstellung irgendwo essen, manche übernachten auch im Hotel in Sommerfeld.

Wie kam der Name „Tiefste Provinz“ an?

Dalibor: Zuerst fanden das die Leute in Kremmen nicht so toll. Der Name rührt daher, dass meine Kumpels in Berlin gesagt hatten, „Mensch, du ziehst ja in die tiefste Provinz“. Doch jetzt wird der Name auch in Kremmen als witzig empfunden.

Sie sind Sozialpädagoge und betreuen Jugendliche. Wie kamen Sie eigentlich mal nach Kremmen?

Dalibor: Als Berliner hatte ich vor 20 Jahren im Umland einen Hof gesucht, wo wir Musik machen und feiern konnten. Oft halfen die Jugendlichen aus den Wohngruppen. Die konnten sich so richtig auspowern und fühlten sich wohl. Wir bauten dann einen ehemaligen Kuhstall zum Wohnhaus für die Erziehungswohngruppe aus. Ich betreibe dieses Projekt in Kremmen für maximal fünf Jugendliche.

Ist das Ihr hauptsächliches wirtschaftliches Standbein?

Dalibor: Ja, das Theater läuft nebenbei.

Kann man mit einem solchen Theater eigentlich Geld verdienen?

Dalibor: Das Theater ist in der Regel dreimal im Monat offen. Von zehn Jahren waren acht ein Minusgeschäft. Ich musste so um die 3000 Euro im Jahr reinbuttern. Auch das Finanzamt hat kapiert, dass ich nur Ausgaben, aber kaum Einnahmen habe. Ich bin froh, wenn die Jahresbilanz eine Null ausweist. Von einer Spende hatte ich ein Klavier und Lautsprecherboxen gekauft, vom Kulturförderpreis des Landkreises kaufte ich gebrauchte Stühle. Zwei Studenten haben mir ein Online-Ticket-System erarbeitet, seitdem ist ein bisschen Geld übrig geblieben. Davon habe ich ein Mischpult angeschafft.

Wie sieht es mit ehrenamtlichen Helfern aus?

Dalibor: Ohne die ginge es nicht. Frank Linke aus Kremmen sowie Ute und Matthias Witkowsky aus Beetz stehen mir stets zur Seite. Wir schmieren Brötchen, bedienen die Technik und besetzen die Kasse. Natürlich sind die Jungs aus der Wohngruppe zur Stelle, wenn was geräumt oder gebaut werden muss.

Warum machen die Jugendlichen aus der Wohngruppe mit?

Dalibor: Wenn sie was arbeiten, kriegen sie Taschengeld dafür. Das ist ein Ansporn. Ich übertrage ihnen Dinge, die mir selber Spaß machen. Dadurch haben die selbst Bock, was mitzumachen. Als die Kaffeetanten im Oranienwerk etwas mit uns machen wollten, habe ich das für die Jungs gleich als Praktikum genutzt. Ich weiß, wie die Jungs ticken. Alles ist verzahnt.

Wie sind Sie an die Künstler herangekommen?

Dalibor: Manche habe ich einfach frech angerufen, wie zum Beispiel Cindy aus Marzahn. Die fand ich echt schräg. Sie rief dann zurück. Sie trat dann bei uns auf und war ganz gerührt, dass einer der Jungs einen Kuchen für sie gebacken hatte. Jetzt ist der Kontakt abgerissen, sie zieht jetzt doch die großen Bühnen vor, denke ich. Aber viele Künstler sind begeistert, so nah am Publikum zu sein. Außer Heinz Rudolf Kunze, der hat gegrummelt, weil wir keinen Künstlereingang haben.

Haben Sie Lieblingsakteure?

Dalibor: Den Liedermacher Manred Maurenbrecher finde ich klasse. Richtig ablachen kann ich bei Frau Emmi und Herrn Willnowsky. Super ist auch Schneewittchen alias Marianne Iser, die Lieder zwischen Rosenstolz und Nina Hagen singt.

Sie haben auch den AckerBurger neben dem Theater in Kremmen und in Oranienburg im Oranienwerk ins Leben gerufen. Was ist das?

Dalibor: Das sind Kneipen, die mit Theater zu tun haben. Hier können Musiker oder Autoren aus der Nachbarschaft auf kleinen Bühnen etwas präsentieren. Die Leute kriegen Salat und Burger oder Steak. Das Kneipenfeeling kommt gut an.

Sie sind ja selbst Künstler, was machen Sie?

Dalibor: Ich habe Kunst und Musik studiert, wollte mal Lehrer werden. Seit fünf Jahren sind wir mit sechs Musikern in der Dalibors Road Show unterwegs, spielen deutschen Rock, wechseln die Klamotten und machen Show. Eine CD haben wir rausgebracht und arbeiten an der 2. CD.

Anfangs sind Sie mit Ihrem Theaterprojekt ausgelacht worden. Hat Ihnen das nichts ausgemacht?

Dalibor: Ich wirke als Typ nach außen chaotisch. Aber ich gehe nur Dinge an, die ich auch stemmen kann.

Von Marion Bergsdorf

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