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Ein Flachländer auf dem Dach der Welt

Vom Posaunist zum Gipfelstürmer aus Caputh Ein Flachländer auf dem Dach der Welt

Das Kapitel Posaunist hat der Caputher Hans-Joachim Ohnesorge mit dem Ende der DDR abgeschlossen. Heute kann für den 70-jährigen Senior kein Berg zu hoch sein. Nach dem Kilimandscharo, der Umrundung des Annapurna-Massivs in Nepal musste es in diesem Sommer wieder mindestens 5000 Meter bergauf gehen – bis zum Erfolg auf dem biblischen Berg Ararat in der Türkei.

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Bergsteiger Hans-Joachim Ohnesorge, hinter seinem Rücken thront der Mount Everest.

Quelle: privat

Caputh . Der 70-jährige Gipfelstürmer sitzt braun gebrannt und gut trainiert in seinem Caputher Garten. „Meine Frau badet gerade mit den Enkelkindern in der Ostsee, und ich hüte das Haus und gieße die Blumen“, sagt Hans-Joachim Ohnesorge. „Aber das mache ich gerne, denn es bleibt genug Zeit, mich an mein letztes großes Bergabenteuer in diesem Juni zu erinnern.“ Und der Aufstieg zum 5137 Meter hohen Ararat, wo die biblische Arche Noah nach der Sintflut gestrandet sein soll, hatte es wieder mal in sich.

Doch für den Caputher ging es beim Meistern auch dieser Tour auf dem ruhenden Vulkan in erster Linie darum, den Aufstieg zu bewältigen ohne seine körperlichen Grenzen zu überschreiten. „Dabei bin ich nie allein unterwegs, immer mit Führern eines Veranstalters für Aktivreisen. Und weil meine vielen Bergtouren seit 2008 so gut geklappt haben, gehöre ich wohl schon zu den Stammkunden“, sagt Ohnesorge. Er ist nicht der Mann der großen Worte. Auf Berichte von Aufstiegen voller Qualen und Leiden um mehr Bewunderung beim Zuhörer rauszukitzeln kann man lange warten. „Mein Geheimnis auf den anstrengenden Touren zu den Gipfeln war wohl immer, dass ich es verstanden habe, mir die Zeit gut einzuteilen. Denn wer zu schnell aufsteigt, nicht auf seinen Körper hört, muss dafür oft schmerzhaft büßen, im schlimmsten Fall kann falscher Ehrgeiz sogar den Tod bedeuten“, sagt der einstige Musiker.

Die Zeit als Posaunist hat der leidenschaftliche Bergsteiger mit dem Ende der DDR begraben. Sein Können als Musiker sei nach der Wende nicht mehr gefragt gewesen. Er war sich aber nicht zu schade, nach Jobsuche als Angestellter der Stadt Potsdam und Hallenwart die Sporthalle in der Heinrich-Mann-Allee zu betreuen.

Als er in Rente ging, war an Müßiggang nicht zu denken. Der Freizeitsportler lief und lief, nicht nur um den Caputher See, sondern startete zehnmal beim Rennsteiglauf in Thüringen. Er fand keine Ruhe, bis er nicht auch beim Berlin-Marathon dabei war. „Mit den Läufen habe ich mich konditionell auf die Bergtouren vorbereitet. Aber wie mein Körper auf die Höhen reagiert, habe ich erst 2008 auf dem höchsten Berg Afrikas, dem Kilimandscharo, erfahren. Und weil alles so gut lief, habe ich bei der Rückkehr für den nächsten Gipfel geplant.“

Ein Jahr später nahm Ohnesorge die Annapurna-Runde in Angriff. Die Wanderungen auf dem Dach der Welt, dem Himalaya, bis auf 5410 Meter hat dem Mann aus dem Flachland alles abverlangt. „Sechs Kilo habe ich bei der Tour verloren, die eine große Herausforderung war. Aber ich hatte auch diesmal Glück mit dem Führer, der Gruppe und dem Wetter.“ Die Sucht nach den Bergen und den Ausblick vom Gipfel nach höchsten Anstrengungen nahm ihren Lauf. „Sicher habe ich vor Rührung auf der Bergspitze auch mal geweint, aber nicht bei jedem Gipfelsturm“, sagt der Mann, der bald für Georgien seine Koffer packt. Und auch diesmal ist sein Ziel mindestens 5000 Meter über dem Meeresspiegel. Ein Gang durch das Haus der Familie auf märkischem Sand ist wie eine Tour durch die schönsten Bergwelten der Erde. „Meine Frau freut sich, wenn ich mit Fotos von spektakulären Aussichten wieder nach Hause komme. Und weil ich nie leichtsinnig war, gibt es keinen Grund, sich unnötig Sorgen zu machen“, sagt Ohnesorge, während schon der nächste Aufstieg durch seinen Kopf spukt.

Von Regine Greiner

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