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Endlich: Park Sanssouci jugendfrei

Skulpturen werden eingehaust Endlich: Park Sanssouci jugendfrei

Wüste Keilereien, blanke Brüste, göttliche Orgien – welch Sündenpfuhl mitten in Potsdam. Doch jetzt ist erst mal Schluss mit den Exzessen vor und hinter den Hecken im Park Sanssouci. Jupiter, Venus und Mars verschwinden für die nächsten Monate hinterm Bretterverschlag und der Park ist bis zum Frühling jugendfrei.

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Anfassen ist bei den Skulpturen sowieso nicht erlaubt, aber jetzt kann man sie nicht mal mehr anschauen.

Quelle: Peter Degener

Park Sanssouci. Wüste Keilereien, blanke Brüste, göttliche Orgien - welch Sündenpfuhl mitten in Potsdam. Doch jetzt ist erst mal Schluss mit den Exzessen vor und hinter den Hecken im Park Sanssouci. Jupiter, Venus und Mars verschwinden für die nächsten Monate hinterm Bretterverschlag und der Park ist bis zum Frühling jugendfrei.

Doch was genau verbirgt die Winterbehausung vor den neugierigen Blicken der Parkbesucher aus aller Welt? Bei einem kleinen Rundgang unterhalb des Schlosses kann man das Who-is-Who der Schwerenöter des Olymp finden. Sie sind herabgestiegen und haben sich rund um die große Fontäne versammelt. Dort herrscht Ringelpiez mit und ohne Anfassen.

Bis zum Frühling werden die Schweinereien aus Carrara-Marmor aber erst einmal züchtig verdeckt. Offiziell heißt es bei der Stiftung, dass die Skulpturen vor dem Frost geschützt werden. Mindesten seit dem ersten Winter nach dem Tod Friedrichs II. 1786 ist diese schamhafte Tradition verbürgt. Heute ist die Prüderie ungleich größer: Neben dem frivolen französischen Rondell werden rund 250 weitere Figuren in den Schlossparks von Potsdam und Berlin, sowie auf rund um Friedrichs Kronprinzenschloss in Rheinsberg mit einem hölzernen Mantel vor Kälte und heißen Blicken gleichermaßen geschützt.

Jupiter wird beim Seitensprung erwischt

Jupiter (gr. Zeus): Er sitzt seiner Gattin Juno gegenüber. Doch die Zweisamkeit trügt. Der Haussegen hängt - mal wieder - schief. So missmutig, wie der Göttervater dreinblickt, hält ihm die Angetraute gerade eine Standpauke. Er versucht sich mit einem Trick zu retten. Seine Affäre Io verwandelt er kurzerhand in in weißes Kälbchen. Doch die Gattin durchschaut ihn. Es ist ja nicht seine erster Seitensprung. Aber was die können, kann Juno schon lange! Oder weshalb hat sich die hohe Dame schon mal frei gemacht? Ehestreit - und Versöhnung - auf göttlichem Niveau.

Juno rächt sich an ihrem Mann für die Affäre

Juno (gr. Hera): Heute kommt die Ehefrau des Göttervaters Zeus früher nach Hause und prompt erwischt sie ihren Mann im olympischen Ehebett mit einer anderen. Bestraft wird vor allem das junge Ding. Juno jagt die zur Kuh verwandelte Konkurrentin durch die ganze Welt. Doch da Io schwanger geworden ist, hatte Juno als Göttin der Geburt erbarmen. Weil sie auch für den Schutz der Ehe steht, weiß sie, dass ihr Gatte am Ende immer wieder zu ihr unter die Bettdecke zurückkehren wird.

Apollon geilt sich an einem Mord auf

Apollon (gr. Apollo): Er hat das schönste Haar im Kreis der Marmorgötter. Doch unter der Lockenpracht verbirgt sich nicht nur der Gott des Lichts und der Künste. Er sitzt gerade auf dem Drachen Python und zeigt stolz auf das Tier, das er soeben mit dem Bogen erlegt hat. Da wird sich seine Mutter Juno ärgern, denn die Schlange sollte doch ein anderes Monster bewachen, das sie selbst gezeugt hatte: Typhon. Damit wird Apollon zum Brudermörder. Und dann ist da noch dieser sehnsüchtige Blick hinüber zu seiner Zwillingsschwester Diana, die sich gerade badet.

Diana provoziert mit einem öffentlichen Bad

Diana (gr. Artemis): Eigentlich gilt die unverheiratete Göttin der Jagd als besonders keusches Wesen, sowie Beschützerin der Frauen und Mädchen. Doch an diesem Tag provoziert sie die geilen Satyren und Pane, indem sie sich vor aller Augen in einem kleinen Teich wäscht. Mit einem Tuch trocknet sie sich die Brust, mit einem Schwamm fährt sie den Knöchel entlang. Ein Jäger beobachtet sie beim Baden und wird dafür hart von ihr bestraft. Sie verwandelt ihn in einen Hirschen, worauf er von seinen eigenen Jagdhunden zerfleischt wird. Diese Szene findet sich auf dem Jägertor wieder.

Minerva bleibt unantastbar und verhüllt

Minerva (gr. Athene): Einen sittlichen Lichtblick im Rondell bildet Minerva, die Schutzgöttin Athens und eine Tochter des Zeus. Sie gilt Taktikerin, die leicht gekränkt ist und außerdem jungfräulich sein soll. Tatsächlich zeigt sie kein Fleisch und schützt ihren Körper mit Rüstung und Helm. Selbst die Knöchel sind von ihrem Mantel bedeckt. Gerade schleudert sie einen Stein gegen ihren erbittertsten Gegner, den Kriegsgott Mars. Auch hierbei handelt es sich um eine Familienangelegenheit, denn Mars ist ihr Halbbruder.

Mars ist als Sexgott das Sinnbild männlicher Kraft

Mars (gr. Ares): Der Kriegsgott Mars ist das Sinnbild männlicher Kraft und Schönheit. Nicht einmal die verheiratete Liebesgöttin Venus, die er von seiner Position im Rondell bestens im Blick hat, kann sich dem Potenzprotz entziehen. Sie zeugen zusammen den Liebesgott Amor. Im Moment ist an Sex nicht zu denken: Wütend schleudert Mars seinen Speer gegen seine Halbschwester Minerva. Mars und seine Waffe wurden buchstäblich zum Sexsymbol: Das heutige Zeichen für das männliche Geschlecht stand im Altertum für diesen Gott.

Merkur ist eifersüchtig auf seine Frau

Merkur (gr. Hermes): Der Götterbote kennt all die schmutzigen Geheimnisse auf dem Olymp, doch sein geflügelter Botenstab ist ein Zeichen von Diskretion – und Fruchtbarkeit. Als Gott der Diebe hat Merkur selbst unzähligen Damen ihr Herz gestohlen, nachdem sie seinem süßen Flötenspiel erlegen sind. Zieht er sich die Sandalen gerade aus, um die nackte Venus zu erobern, die ihn gegenüber anlächelt, oder verlässt er bereits den Hort der Liebe nach vollbrachtem Akt? Auf jeden Fall steht dieser junge Gott allzeit für delikate Aufträge bereit.

Venus ist als Liebesgöttin sexuell überaus aktiv

Venus (gr. Aphrodite): Die Liebesgöttin steht für Schönheit und erotisches Verlangen gleichermaßen. Da wundert es nicht, dass auch sie selbst die fleischlichen Freuden genießt. Der Sexgott Mars hat bereits eine Kissenschlacht mit Venus geschlagen – gemeinsam haben sie Amor gezeugt. Die Turteltauben neben ihr verraten, dass die kaum verhüllte Göttin schon wieder flirtet. Diesmal bahnt sich ein Schäferstündchen mit Merkur an, der sich gegenüber bereit zu machen scheint. Ihr Ehemann Vulkan muss auf der anderen Seite des Rondells im Element Feuer alles mitansehen.

Von Peter Degener

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