Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Familie Robinson sticht in Alt Ruppin in See

Unterwegs auf einem Floß Familie Robinson sticht in Alt Ruppin in See

Phantasie statt Kreditkarte: Urlaub auf dem Wasser muss nicht teuer sein. Ein paar Fässer, Seile, Bretter und ein Akkuschrauber ergeben ein schwimmendes Eigenheim auf Zeit. Derzeit ist es zwischen Alt Ruppin und Lindow unterwegs – sehr langsam und sehr schön anzuschauen.

Voriger Artikel
Volles Gutshaus in Gantikow
Nächster Artikel
Die größte Wüste Brandenburgs

Ben und Catrina haben den Kindern einen Wunsch erfüllt: Urlaub auf dem Wasser mit einem selbst gebauten schwimmenden Haus. Quelle: Christian Schmettow.

Alt Ruppin. Urlaub auf dem Wasser ist möglich – auch ohne Boot. Ein paar Plastikfässer ins Auto geladen, Bretter und Kanthölzer von einem Freund geliehen, alte Fenster und eine Bastmatte besorgt – und der Urlaub ist gesichert. Seit Mittwoch treiben Catrina Steffen, Benjamin Löffler und die Kinder Raban (13) und Raja (9) mit den Wellen zwischen Alt Ruppin und Lindow herum. Das Gewässer erscheint unendlich groß wie ein Ozean – vielleicht auch, weil das Gefährt der Familie so langsam ist.

12 Kilometer pro Stunde darf man auf den Seen fahren, vier im Kanal. Nicht mal die Wasserschutzpolizei hält sich daran, geschweige denn die meisten Motorbootkapitäne. „Wir sind da wohl noch im Limit“, sagt Ben. Denn einen Motor hat das Floß der Familie nicht. Es wird gestakt und gepaddelt, wie es sich für ein Floß gehört. Fußgänger am Ufer sind meist schneller, erleben aber nicht so viel. Raja, Raban, Catrina und Ben haben zum Beispiel den Biber schwimmen sehen, der bei Molchow seine Burg hat. Der zeigt sich meist erst abends und schwimmt dann sein Revier ab.

Floß erinnert an eine schwimmende Bauernkate

Auf die Idee, ein Floß zu mieten, ist Benjamin Löffler nicht gekommen: „Das Bauen ist doch das Tolle!“, sagt der 39-Jährige. Mit Raja hatte Ben in Potsdam am Wasser gesessen. Dort hat die Neunjährige beschlossen: „Wir müssen ein Floß bauen“. Die Idee zum Familienurlaub auf den Ruppiner Gewässern war geboren – denn Rajas Mutter Catrina stammt aus Neuruppin. Immer wieder trat sie dort mit dem Zirkus auf, ebenso wie Ben. Die beiden sind langjährige Freunde von Manfred Neumann. In dessen Kornspeicher in Neumühle war Ben zuletzt beim Weihnachtsmarkt zu erleben, als er immer wieder aus einem Kleiderschrank sprang und dadaistische Gedichte rezitierte.

Entsprechend phantasievoll sieht nun auch sein Floß aus: wie eine schwimmende Bauernkate. Es hat echte alte Sprossenfenster an den Seiten, ein reetgedecktes Giebeldach (zumindest wirkt es reetgedeckt, dank der Bastmatten) und wallende Vorhänge als Eingangstüren.

Zwei Tage lang haben die vier bei Manfred Neumann in Neumühle an dem Floß gebaut. Am Mittwoch wurde Proviant gebunkert. Dann lief das Gefährt vom Stapel. Seitdem schwimmt es und hält Kurs auf den Tornowsee – dort hat man Ruhe vor den Motorbooten. Langweilig wird es den Vieren nicht bei der Entdeckung der Langsamkeit. Baden bietet sich derzeit an als Freizeitbeschäftigung. Ab und zu legen sie an, um bei einem Campingplatz etwas zu essen zu kaufen oder einen Kaffee zu trinken. Abends lesen sie sich gegenseitig Robinson Crusoe vor.

Am Ende der Fahrt genügen „drei Stunden und ein voll geladener Akku-Schrauber, um das Floß wieder in seine Einzelteile zu zerlegen“, sagt Ben. Dann könnte man es wieder in den Bus packen und mitnehmen fürs nächste Jahr – ein echtes Faltboot, also. Man könnte die Bretter aber auch bei Manfred Neumann lassen. Der könnte daraus dann ein Regal tischlern. Eins, das sich schon mit allen Wassern gewaschen hat.

Von Christian Schmettow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Tourismus & Reisen
Aktuelle Reisekataloge
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg