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Sagenumwobener Ort mit neuem Wanderpfad

In Beelitz-Heilstätten eröffnet Baumkronenpfad Sagenumwobener Ort mit neuem Wanderpfad

Beelitz-Heilstätten gilt als einer der geheimnisvollsten Orte Brandenburgs. Die Heilstätten-Ruine zieht viele Besucher an. Nun hat dieser magische Ort eine neue Attraktion – Brandenburgs ersten Baumkronenpfad. Eröffnung ist am heutigen Freitag. Die MAZ war schon dort und zeigt, welche fantastischen Aussichten man genießen kann.

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 Im Baumwipfelpfad von Beelitz-Heilstätten bieten sich den Besuchern phantastische Aussichten.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Beelitz.  Umrankt von Efeu und dicht bewachsen von Sträuchern und Bäumen wirkt die leerstehende Wäscherei in den Beelitzer Heilstätten (Potsdam-Mittelmark) wie im Dornröschenschlaf. Ein paar Schritte weiter steht Georg Hoffmann, Investor und Projektentwickler, mitten auf seiner Baustelle. Dort, wo vor hundert Jahren lungenkranke Frauen in Liegehallen Erholung an der frischen Luft suchten, wird heute gehämmert und geschraubt. Das Projekt „Baum und Zeit“ – ein Baumwipfelpfad hoch über dem Heilstättenpark, soll am heutigen Freitag um 11 Uhr eröffnet werden.

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Am 11. September um Punkt 11 Uhr öffnet der erste Teilabschnitt des Baumkronenpfads hoch über dem Beelitzer Heilstättenpark seine Tore. Highlight des Pfades ist die Aussichtsplattform in 40 Metern Höhe. Bei gutem Wetter kann man von dort sogar den Berliner Fernsehturm sehen – und auch sonst hat der neu gestaltete Park einiges zu bieten.

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Biergarten soll auch noch kommen

In den Liegehallen, deren altes Stahlgerüst noch deutlich erkennbar ist, entsteht ein Eingangsbereich mit drei Kassen und einer Wartezone. Georg Hoffmann, der das Projekt in Beelitz leitet, blickt über den Akkuschrauber und das Chaos der umgepflügten Umgebung hinweg, als wären sie gar nicht da. Er sieht die Zukunft: „Hier soll ein Biergarten hin und in der anderen Liegehalle bringen wir Gastronomie unter.“ Auch der Heilstättenpark kann mit einer Eintrittskarte für den Baumwipfelpfad besichtigt werden. Nur die alten und stark verfallenen Heilstätten-Gebäude sind umzäunt und teilweise einsturzgefährdet – wie die Ruine, deren Dach nach einem Bombenangriff 1945 zuerst völlig zerstört und mittlerweile dicht bewachsen ist. Dieses ehemalige Sanatorium von oben zu sehen, ist laut Hoffmann eines der Höhepunkte.

Die Eintrittspreise

Erwachsene zahlen für einen Rundgang durch und über den Heilstättenpark 9,50 Euro. Kinder bis 6 Jahre kommen kostenlos hinter die Tore, 7 bis 16-Jährige erhalten zwei Euro Rabatt.

Ermäßigungen gibt es außerdem für Rentner, Studenten, Menschen mit Behinderung und Schüler, jeweils nach Vorlage eines Ausweises.

Jahreskarten für Erwachsene, Kinder und Familien werden ebenfalls angeboten, sie kosten 50, 30 und 120 Euro.

Weitere Informationen finden Sie unter www.baumundzeit.de

Highlight ist ein 40 Meter hoher Turm

Doch wer diese Attraktion sehen will, muss zuerst einmal hoch hinaus. Ein paar Schritte vom Eingangsbereich entfernt, ragt ein 40 Meter hoher Turm in die Luft. Noch ist das Gelände hügelig und die Baustelle deutlich erkennbar. Unzählige silberne Stufen führen nach ganz oben, der Weg ist zweifelsfrei beschwerlich. Aber es geht auch bequemer, denn speziell für Rollstuhlfahrer, ältere Leute mit Rollator oder Kinder im Buggy ließ Hoffmann einen Fahrstuhl bauen. „Das komplette Areal soll barrierefrei begehbar sein.“ Doch noch funktioniert der Lift nicht, er muss erst durch den TÜV. Hoffmann rechnet damit, dass der Fahrstuhl in acht bis zehn Tagen in Betrieb genommen werden kann. Solange haben alle Menschen, die auf den Lift angewiesen sind, freien Eintritt.

Der Hochbau begann erst am 1. Juni

Die Beine werden langsam weich und das Herz schlägt fast hörbar. Aber Georg Hoffmann nimmt auch die letzten Stufen leicht. Zwischenstopp ist auf der dritten Plattform, von der das erste Teilstück des Baumwipfelpfads, ein Holzweg auf einer Stahlkonstruktion, abgeht. Er grüßt seine Arbeiter, die in den letzten acht Wochen eine „unglaubliche Leistung abgeliefert haben“, so der Investor. Sie grüßen zurück und berichten ihrem Chef, was noch zu tun ist.

23 Baumkronenpfade weltweit

 
Der älteste Baumkronenpfad in Deutschland ist der am 26. Juli 2003 eröffnete Baumwipfelpfad Fischbach im Pfälzer Wald (Rheinland-Pfalz). Er ist 270 Meter lang und 18 Meter hoch.

Der wohl bekannteste Baumkronenpfad Deutschlands wurde am 26. August 2005 im Hainich bei Bad Langensalza (Thüringen) eröffnet, ist 546 Meter lang und erreicht 44 Meter Höhe.

Zu den längsten Pfaden weltweit zählen der Pfad bei Prora auf Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) und der Baumwipfelpfad Schwarzwald bei Bad Wildbad (Baden-Württemberg), die beide 1250 Meter messen. Damit sind sie nur 50 Meter kürzer als der Rekordhalter bei Neuschönau (Bayern).

Erst am 1. Juni begann der Hochbau, erzählt er und blickt über die Wipfel der Bäume hinweg. Wer glaubt, eine karge und eintönige Kiefernlandschaft zu sehen, liegt jedoch falsch. „Es gibt hier über 40 Baumarten, sonst sind drei bis vier üblich. Wegen der vielen Grüntöne ist der Pfad gerade in Beelitz sinnvoll“, sagt Hoffmann. Noch nicht einmal eröffnet, sei er bereits jetzt zum schönsten Deutschlands ernannt worden.

Der erste Kletterabschnitt kostete rund 7 Millionen Euro

Vorbei an Bauarbeitern, die auf Knien die letzten Bretter montieren, geht es vorerst zum Ende des Baumwipfelpfads. Er führt über das Dach der bewachsenen Ruine. „70 Jahre wurde das Gebäude sich selbst überlassen. Mittlerweile hat sich in luftiger Höhe ein Waldboden gebildet“, sagt Hoffmann. Die Besucher kommen von dort aus über eine Treppe wieder in den Park. Wegen des hohen Sanierungsaufwandes wird das Gebäude der alten Chirurgie, ein schlossähnliches Gebäude, das im Jahr 1930 erbaut wurde, erst in der nächsten Ausbaustufe genau an dieser Stelle an den Pfad angebunden. Der erste Teilabschnitt kostete nach Abgaben des Tourismusverbands Fläming fast sieben Millionen Euro.

Auf dem Aussichtsturm gab es bereits den ersten Heiratsantrag

Hauptattraktion des Baumwipfelpfads ist die oberste aller Aussichtsplattformen in 40 Metern Höhe. „Natürlich wegen der Aussicht“, schwärmt Hoffmann. „Bei gutem Wetter kann man sogar den Berliner Fernsehturm sehen.“ Aber nicht nur das. Obwohl das Gebiet rund um Beelitz als dicht besiedelt gilt, ist weit und breit kein Haus oder gar ein Spargelfeld zu sehen. Die Baumkronen bilden einen grünen Teppich. Einzig lugen die Türme der ehemaligen Heilstättengebäude hervor. „Das ist ein magischer Ort“, schwärmt Hoffmann. So magisch, dass es auf dem Turm bereits den ersten Heiratsantrag gab. Einer der Arbeiter habe seine Freundin im Sonnenaufgang überrascht. Die habe gar nichts anderes als Ja sagen können, erzählt Hoffmann und glaubt, dass diesem Antrag noch viele folgen werden. Dass es künftig auch Trauungen auf dem Höhenpfad geben wird, hänge im Grunde nur noch von einer Genehmigung der Stadt ab.

Investor hofft auf 200.000 Besucher im Jahr

Nach Beelitz kam der aus der Eifel stammende Projektentwickler durch einen Zufall, wie er sagt. 2006 wurden ihm die hiesigen Waldflächen zum Kauf angeboten. „Ich fand es schade, dass hier alles so verwildert.“ Bei einem Besuch des Baumkronenpfads im Nationalpark Hainich (Thüringen) kam ihm dann die Idee. Gemeinsam mit seiner Frau Beate Hoffmann plante er das Beelitzer Projekt sieben Jahre lang. Drei Millionen Euro hat das Paar mit seiner gemeinsamen Firma HPG Projektentwicklung bisher investiert. Offiziell rechnen sie mit mindestens 200.000 Besuchern jährlich. Die Infrastruktur sei dafür perfekt, so Hoffmann. Unweit der Autobahnabfahrt der A 9 Beelitz-Heilstätten hat der Unternehmer einen eigenen Kreisverkehr bauen lassen, der die Besucher direkt zum neuen Parkplatz führt. Bahnfahrer nehmen die Linie 7 und können vom Bahnhof bequem laufen. Auch für Fahrräder gibt es genügend Unterstellplätze.

 Für die Eröffnung am heutigen Freitag ruft Hoffman die Besucher allerdings dazu auf, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Der Parkplatz sei noch nicht komplett benutzbar.

Von Luise Fröhlich

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