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Neuruppin: Biber nagt am Seedamm

Naturschutz und Sicherheit Neuruppin: Biber nagt am Seedamm

Wer muss eigentlich für die Sicherheit sorgen, wenn ein Biber einen Baum so annagt, dass der auf einen Weg zu fallen droht? In Neuruppin stellt sich gerade diese Frage. Nur der Biber gibt sich unbeeindruckt und nagt am Fuße des Seedamms einfach weiter.

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Der angenagte Baum steht an einem Weg am Ufer des Sees und könnte demnächst umstürzen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Ein Biber sorgt gerade für Zwist zwischen zwei Behörden. Der Gewässerunterhaltungsverband Oberer Rhin/Temnitz und die Fontanestadt Neuruppin diskutieren, wer auf dem Weg am Fuße des Seedamms für die Sicherheit der Passanten sorgen muss. Ein Biber hat sich ausgerechnet dort einen Baum ausgesucht, um sich neue Nahrungsreserven für den Winter zu erschließen. Inzwischen hat er einen Stamm soweit durchgenagt, dass der Baum demnächst umstürzen könnte.

„Da ist Gefahr im Verzug“, sagt Holger Lettow, der Geschäftsführer des Gewässerunterhaltungsverbandes. Der Verband ist im Auftrag des Landes für den Ruppiner See und die umliegenden Gewässer zuständig, von Lindow bis ins Luch. Mit Bibern kennt sich Verbandschef Lettow aus: „Biber haben wir hier flächendeckend überall.“ Auch am Ruppiner See beobachten er und seine Kollegen die großen Nager immer wieder. Vor allem aber deren Folgen.

Mehr Tiere machen auch mehr Probleme

Jahrhundertelang wurden Biber derart gejagt, dass sie fast ausgestorben schienen. Heute stehen Biber unter strengem Schutz. Das hat dazu geführt, dass sich der Bestand erholt. Mit der Zahl der Tiere nehmen aber auch die Probleme zu.

Biber bauen aus Ästen und jungen Bäumen Burgen, in denen sie wohnen. Zur eigenen Sicherheit sorgen die Tiere dafür, dass der Eingang der Burg stets unter Wasser liegt – notfalls stauen sie das Wasser mit einem Damm so an, dass es nicht abfließt. Auch die Dämme sind streng geschützt und dürfen nicht beseitigt werden. Immer wieder kommt es vor, dass sich Landwirte beklagen, weil ein Acker durch einen Biberdamm überflutet wird. Nur mit Erlaubnis der Naturschutzbehörde dürfen Holger Lettow und seine Kollegen dann eingreifen und vielleicht ein Rohr durch den Damm legen, damit das Wasser dort hindurchfließen kann – bis der Biber auch diesen Abfluss wieder verstopft.

Immer wieder Biberdämme in Kanälen und Fließen

Dass ein Biber die Durchfahrten am Seedamm verbarrikadiert, hält Lettow eher für unwahrscheinlich. „Am Ruppiner See werden sie sicher keine Dämme bauen“, sagt der Verbandschef. Problematischer ist das in den Kanälen in Richtung Lindow oder im Fehrbelliner Bereich. Was Biber aber nicht davon abhält, einzelne Bäume am Ruppiner See zu fällen. Die Tiere tun das, weil sie anders nicht an die Rinde der Stämme gelangen können, die sie im Winter als Nahrung brauchen.

Der angenagte Baum am Seedamm macht Lettow so viele Sorgen, dass er die Stadt Neuruppin gebeten hat, ihn fällen zu lassen, bevor er vielleicht noch jemandem auf den Kopf fällt. Die Stadt freilich hat das zunächst abgelehnt – angeblich, weil der Baum gar nicht auf ihrem Grundstück steht, sondern auf einem des Landes. In diesem Fall wäre der Verband fürs Fällen zuständig. Das wiederum lehnt Holger Lettow ab. Für ihn gehört das Ufer eindeutig der Stadt. Die Diskussion ging hin und her, derweil der Biber unbeeindruckt sein Werk fortsetzt.

Die Fontanestadt musste noch keinen Baum wegen eines Bibers fällen

Jetzt lenkt Neuruppin ein. Für diesen Baum sei eindeutig die Stadt zuständig, teilt Rathaussprecherin Michaela Ott auf Nachfrage mit: „Der Baum wurde bereits begutachtet und eine Fällung beauftragt.“ Tatsächlich sei die Standsicherheit des Baumes inzwischen in Gefahr. „Allerdings ist uns mit Blick auf die letzten Jahre kein anderer Fall bekannt, bei welchem ein Baum aufgrund von Biberaktivitäten gefällt werden musste“, sagt Michaela Ott.

Von Reyk Grunow

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