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Neuruppin: Parzival sucht Eigentümer

Herrenloses Kunstwerk am Seeufer Neuruppin: Parzival sucht Eigentümer

Er ist schwer zu übersehen mit seinen 17 Metern, steht seit 15 Jahren als Touristenattraktion am Neuruppiner Bollwerk und doch weiß offenbar keiner, wem er eigentlich gehört: Der Parzival am Ruppiner See ist offenbar herrenlos. Der Künstler Matthias Zágon Hohl-Stein hatte die Skulptur 1998 geschaffen, finanziert von vielen Sponsoren.

Neuruppin, Fischbänkenstraße 52.923548533955 12.813320159912
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Parzival blickt vom Bollwerk aus der Zukunft entgegen.

Quelle: Reyk Grunow

Neuruppin. Die Stadt Neuruppin will sich Kunst aneignen. In einer Art Gnadenakt könnte Neuruppin das Eigentum an dem 17 Meter hohen Parzival am Bollwerk übernehmen. Einfach, weil die 4,5 Tonnen schwer Skulptur aus 406 Edelstahlplatte sonst keinen Eigentümer hat. Zumindest schlägt das Neuruppiner Bauamt vor, die Stadt möge deshalb jetzt in die Bresche springen.

1998 hatten die Stadtverordneten zugestimmt, dass der Künstler Matthias Zágon Hohl-Stein seine Parzival-Figur am Ufer des Ruppiner Sees aufstellen darf. Damals waren alle davon ausgegangen, dass Neuruppin keinerlei Kosten tragen muss. 50 Sponsoren – allen voran bekannte Unternehmer der Fontanestadt – gaben das Geld; der Verkehrsverein Ruppiner Schweiz wurden Eigentümer des Kunstwerks.

Die Parzival-Skulptur war von Anfang an umstritten

Die riesige Skulptur war von Anfang heftig umstritten. Passt so etwas wirklich an den See? Was hat das überhaupt mit Neuruppin zu tun? Viele Leute wissen gar nicht, dass Parzival eine der wichtigsten literarischen Gestalten des deutschen Mittelalters ist, sagt Matthias Zágon Hohl-Stein: „Parzival ist eine schöne Metapher für den irrenden, suchenden Menschen.“ Er muss sein Kunstwerk bis heute verteidigen, dabei ist Parzival beliebt oder nicht – längst zu einer Art Wahrzeichen der Fontanestadt Neuruppin geworden. Zu einem herrenlosen allerdings.

Den Verkehrsverein gibt es nicht mehr. Wem das Kunstwerk nach der Insolvenz gehört, ist unklar, heißt es aus dem Rathaus. Viele Bürger glauben dagegen, Parzival gehöre der Stadt. Die will das jetzt per Beschluss offiziell machen.

Bauamt fordert sofort 20 000 Euro für die dringendsten Arbeiten

Nachteil: Eigentum verpflichtet. Die Stadt müsste künftig für alle Kosten aufkommen, die mit dem Kunstwerk verbunden sind. Das Bauamt rechnet mit rund 1000 Euro für den laufenden Unterhalt pro Jahr und rund 3000 Euro alle drei Jahre für die Sicherheitsüberprüfungen. Für Fundademente, Reparaturen am Windrad und die Beschichtung des Betonsockels wären laut Bauamt weitere 20 000 Euro nötig. Und dieses Geld „ist sofort bereitzustellen“, falls die Stadtverordneten zustimmen, dass der Parzival künftig Neuruppin gehören soll.

Dass sofort so viel Geld nötig wäre, um die Skulptur zu sichern, glaubt Zágon Hohl-Stein nicht. „Der steht ganz fest“, sagt der Künstler. Nur fertiggebaut wurde das Werk leider nie. Eigentlich sollte es noch einen Rundgang geben, auf dem Besucher einmal um die Sagengestalt herumwandeln können. Und eine Fontäne war ebenfalls geplant. Doch Hohl-Stein schätzt die Finanzlage der Stadt realistisch ein: „Das wird wohl nichts mehr.“ Er wäre schon froh, wenn Parzival wieder offiziell einen Eigentümer hätte.

Von Reyk Grunow

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