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Peter Joseph Lenné – Gärtner der Könige

150. Todestag Peter Joseph Lenné – Gärtner der Könige

Er war ein Doppeltalent: Planer und Organisator, gleichzeitig Künstler und Zeichner. Peter Joseph Lenné (1789-1866), der am 23. Januar vor 150 Jahren in Potsdam gestorben ist, zählt zu den renommiertesten deutschen Gartengestaltern. Er schuf mehr als 100 Parks und prägte die Potsdamer Kulturlandschaft. Eine Würdigung.

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DAuch den Tiergarten in Berlin hat Peter Joseph Lenné umgestaltet.

Quelle: epd

Potsdam. Mit dem alten Preußen verbinden viele ein zackiges, kantiges und karges Land. Doch der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné (1789-1866) überformte diesen Ruf im 19. Jahrhundert nachhaltig. Seine Parks und Anlagen leben von geschwungenen Wegen, geschmeidigen Linien und exotischen Pflanzungen. Gegen die strenge Geometrie barocker Anlagen setzte der gebürtige Rheinländer eine scheinbar zwanglose Ideallandschaft, die vom Geist der Romantik erfüllt war. Dem Vormarsch der Zivilisation setzte er ein „Zurück zur Natur“ entgegen.

Peter Josph Lenné hat in Deutschland viele Spuren hinterlassen

Peter Josph Lenné hat in Deutschland viele Spuren hinterlassen.

Quelle: epd

Interview mit Biograf: Diese Fehler stehen im Lenné-Wikipedia-Eintrag

Lennés Pfade durften sich niemals im rechten Winkel kreuzen. Seine kurvenreichen Visionen kamen aber nicht ganz ohne gerade Linien aus. Lenné dachte immer an Schneisen für die Augen. Der Landschaftsplaner ließ sogar Bäume im großen Stile abholzen, um Fußgängern überraschende Ausblicke zu bieten. Hinter jeder Biegung oder hinter jedem Busch konnte sich ein Pavillon, ein Denkmal oder eine Turmspitze auftun. Er forcierte das Wechselspiel zwischen Enge und Weite.

Spitzname: „der Buddelpeter“

Im Volk hieß Lenné „der Buddelpeter“. Wo seine Landschaftsplanungen umgesetzt wurden, mussten Heerscharen von Tagelöhnern das Gelände modellieren. Bewegungen im Boden, Schattenkanten und auch die Illusion von Berg und Tal gehörten zu seiner Dramaturgie. Wasserläufe und buchtenreiche Seen wurden künstlich angelegt, Ufer umgestaltet, Inseln aufgeschüttet. Im Wasser lag für Lenné die „Seele des Gartens“ oder das „Auge der Landschaft“. In seinem letzten Lebensjahrzehnt ließ Lenné auch Blumenornamente und Rabatten in seinen Naturgärten zu.

Der Park rund um das Schloss Fürstlich Drehna ist von Lenné angelegt worden

Der Park rund um das Schloss Fürstlich Drehna ist von Lenné angelegt worden.

Quelle: epd

Viele Lorbeeren

Die zentrale Hauptachse im Park Sanssouci wollte Lenné zupflanzen. Statt einer barocken Hauptallee plante er viele geschlängelte Wege und ein seitliches Wiesental mit einer Sicht zum Neuen Palais. König Friedrich Wilhelm III. verwarf den Plan.

Die Familie Lenné hieß ursprünglich Le nain, was so viel wie „zwergenhaft“ heißt. Der Urgroßvater war aus der Gegend um Lüttich ins Rheinland eingewandert und soll die Namensänderung vorgenommen haben.

Der Potsdamer Gartendirektor blieb ein bekennender Rheinländer. Lenné ließ sich stets guten Wein aus Koblenz liefern und vermachte der in Potsdam geplanten katholischen Kirche 1000 Taler für ein Altarbild.

Lenné spekulierte höchst erfolgreich mit Eisenbahnaktien. Die 15.000 Taler (zirka 500.000 Euro), die er 1845 eingesetzt hat, sollen am Ende 36.000 Taler abgeworfen haben.

Eine Nachbarin von Lenné bezeugte, dass Lenné ein intriganter und schlechter Mensch war. Karoline Schulze (1794-1881), die Autorin der 600 handgeschriebenen Seiten, fühlte sich offenbar von Lenné verschmäht. Sie war die Tochter des Gartendirektors Johann Gottlob Schulze, den Lenné in den 1820er Jahren aus Amt und Wohnung wegmobbte. Bis dahin war es durchaus üblich, dass ein Gartendirektor-Nachfolger die Tochter des Vorgängers ehelicht.

Bereits seit 1839 gab es in Berlin eine Lenné-Straße. In Haus Nummer eins unterhielt Lenné eine Stadtresidenz, hielt sich aber lieber in Potsdam auf.

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848 enthüllte König Friedrich-Wilhelm IV. eine Lenné-Büste im Park Sanssouci. Lenné soll seine Besucher stets als erstes dorthin geführt haben.

In Kollegialität und Missgunst waren Lenné und der vier Jahre ältere Hermann von Pückler-Muskau einander zeitlebens verbunden. Am Ende ließ sich Pückler von Lenné aber wilden Wein schicken, der heute noch seine Grabpyramide in Branitz berankt.

Lenné starb mit 77 – knapp vier Wochen vor seinem 50-jährigen Dienstjubiläum. Den bereits hergestellten Lorbeerkranz trug die Beerdigungsgesellschaft am 23. Januar 1866 auf dem Bornstädter Friedhof voran.

Geboren wurde Lenné in Bonn 1789, also in einem einschneidenden Revolutionsjahr. Doch der Sprössling aus einer Gärtnerdynastie wurde Zeit seines Lebens ein besonders Königstreuer. Er nahm 1816 in Potsdam eine Stelle als Gärtnergehilfe an, obwohl er bereits Garteningenieur war, denn er sah den „Verschönerungsbedarf“ und startete eine beispiellose Karriere. Seine vorherrschenden Eigenschaften waren Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen und Weitblick. Weit mehr als 100 Garten- und Parkanlagen in ganz Deutschland gehen auf seine Planung und sein Organisationsgeschick zurück. Das Potsdamer Weltkulturerbe ist ohne seine Handschrift kaum vorstellbar. Der Neue Garten, Petzow und der Charlottenhofer Parkteil in Sanssouci, der Pfingstberg, die Pfaueninsel und Sacrow gehen auf Lenné zurück. Aber auch weiter entfernte Anlagen wie der Kurpark in Bad Homburg, die Roseninsel im Starnberger See oder der Schlosspark Schildau im Hirschberger Tal (Schlesien) zählen zu seinen Werken. Nach dem Tod von Karl Friedrich Schinkel wurde Lenné auch als Stadtplaner in Berlin tätig.

Viele von Lennés angelegten Gärten und Wege können heute erkundet werden

Viele von Lennés angelegten Gärten und Wege können heute erkundet werden.

Quelle: MAZ

Da sein Nachlass im Zweiten Weltkrieg verbrannte, ist sein persönlicher Anteil bei den Arbeiten oft nicht mehr auszumachen. Am 23. Januar vor 150 Jahren starb Joseph Peter Lenné in Potsdam. Das Land Berlin feiert den Gartenkünstler und sein Einstandswerk, den Park Glienicke, mit vielen Festveranstaltungen. „In Brandenburg ist durch die vielen Lenné-Parks jedes Jahr eine einzige, große Lenné-Ausstellung“, beteuert Frank Kallensee von der Stiftung Schlösser und Gärten.

Doch dank dieses Workaholics fühlen sich Müßiggänger heute immer noch reichlich belohnt. Dass der Weg das Ziel ist, das lässt sich in seinen Gärten eindrucksvoll lernen.

Von Karim Saab

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