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Rheinsberg: Kurtaxe auch für Rollstuhlfahrer

Tourismusbeirat befürwortet Gleichbehandlung Rheinsberg: Kurtaxe auch für Rollstuhlfahrer

So kann Gleichbehandlung auch aussehen: In Rheinsberg sollen auch Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Behinderungen die volle Kurtaxe bezahlen. Das Argument: Touristen, egal ob eingeschränkt oder nicht, sollen in Rheinsberg gleich behandelt werden - dazu gehört in Rheinsberg eben auch die volle Kurtaxe. Dabei gibt es für Behinderte einige Hürden in Rheinsberg.

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Das Schloss Rheinsberg ist einer der Besuchermagneten der Stadt

Quelle: MAZ

Rheinsberg. Der Tourismuswirtschaftsbeirat der Stadt Rheinsberg spricht sich weiterhin dagegen aus, Menschen mit Behinderungen von der Kurtaxe zu befreien. Das berichtet der Beiratsvorsitzende Steffen Jakuttek. Das Hauptargument: Diese Touristengruppe solle in der Prinzenstadt einen möglichst normalen Urlaub verbringen – und dazu gehöre unter anderem, dass diese Gäste die Kurtaxe in voller Höhe bezahlen.

Einmal wie ein Vogel durch die Luft fliegen - MAZ-Reporter Jürgen Rammelt weiß, wie sich das anfühlt. Er flog mit einem Motorsegler über Rheinsberg und die hielt die Stadt für die MAZ aus der Vogelperspektive fest.

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Barrierefreies Hotel spricht sich für Befreiung aus

Die Meinung, dass Menschen mit Behinderungen nicht von der Kurtaxe befreit werden sollen, hat der Beirat vom Haus Rheinsberg übernommen. Das Haus Rheinsberg ist mit etwa 40.000 Übernachtungen pro Jahr als Deutschlands größtes barrierefreies Hotel gilt. Der Entschluss war vor einigen Jahren im Zuge einer umfangreichen Diskussion über die Kurtaxe gefallen. Die heutige Führung des Hauses sieht die Sache allerdings anders: Sie will eine Sonderregelung zugunsten ihrer Gäste. „Es wäre super, wenn die Befreiung käme“, sagt Hoteldirektor Tobias Brönstrup. Denn die Reisenden mit Beeinträchtigungen werden oft doppelt bestraft. Zum einen, weil die Infrastruktur der Stadt noch nicht barrierefrei ist. Zum anderen, weil diese Gäste oft nur mit Begleitung reisen können. „Für die nicht ganz so gut betuchten Urlauber ist das ein Problem“, sagt Brönstrup und plädiert sogar dafür, auch die Begleitperson finanziell zu entlasten.

Rheinsberg ist einer der wenigen Orten, in denen Behinderte Kurtaxe zahlen

Dieser Sichtweise schließt sich Dieter Engler an, der kommunale Behindertenbeauftragte von Rheinsberg. Er hat schon im Februar die Stadtverordneten darauf aufmerksam gemacht, dass Rheinsberg wohl nur einer von ganz wenigen Orten in Deutschland ist, die Menschen mit Behinderungen in diesem Punkt nicht entlasten. Unpassenderweise, da die Prinzenstadt als Urlaubsmagnet für diese Personengruppe gilt und deshalb immer wieder Beschwerden der betroffenen Reisenden einstecken muss. Dass der Fachbeirat in der erneuten Debatte zur Kurtaxe auf der bisherigen Regelung besteht, findet Engler „nicht akzeptabel“. „Diese Gäste können zum Beispiel viele Veranstaltungen in Rheinsberg nicht besuchen, weil der Zugang zu ihnen nicht barrierefrei ist“, so Engler. Deswegen sollte die Stadt zumindest über einen Nachlass bei der Kurtaxe nachdenken, über die dieses Angebot mitfinanziert wird. „Wenn die Stadt im Jahr 2025 barrierefrei ist und alle Menschen sich in Rheinsberg frei bewegen können, dann sieht die Welt sicher wieder anders aus. Dann können wir darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, die volle Beitragshöhe von allen zu verlangen.“

Stadt argumentiert, dass Kurtaxe auch für Entlastung der Rollstuhlfahrer eingesetzt wird

Rheinsbergs Kämmerer Andreas Neubert kontert. Er sei froh, dass der Beirat die Sonderregelung nicht befürwortet. Schließlich müsse die Stadt für die Summe einspringen, um Touristen mit Handicap zu entlasten. Das wäre im Falle Rheinsbergs ein ganz erheblicher Posten. Die Stadt trage ohnehin viel zur Kurtaxe bei. So sei etwa im Jahr 2014 lediglich die Hälfte der Gesamtsumme von den Gästen erhoben worden. Der Rest – rund 500.000 Euro – sei aus der Stadtkasse auf das Kurbeitragskonto überwiesen worden.

Anders verhalte es sich mit Tagungsgästen. Neubert begrüßt die Entscheidung des Beirats, der für eine Befreiung von der Kurtaxe in diesem Bereich eintritt. Und zwar deshalb, weil die Zahl der Tagungsteilnehmer vielfach geringer ist und deshalb die Stadtkasse nicht so stark belastet, so Neubert.

Auch Bürgermeister Jan-Pieter Rau ist ein Freund der Kurtaxenbefreiung für berufliche Fortbildungen. „Für manche Veranstalter ist es ein K.o.-Kriterium, wenn die Teilnehmer Kurtaxe zahlen müssen.“ Rau befürchtet, dass sie allein deswegen auf andere Standorte ausweichen könnten und den Rheinsbergern eine Einnahmequelle wegbricht. Ein gefährlicher Trend, zumal wenn irgendwann der BER-Flughafen im Süden eröffnet wird und der Tegeler schließt. „Dann sind wir echt weit ab vom Schuss“, sagt Rau. Die Anbieter in der Region hätten es dann schwer, zwei Fahrstunden vom Flughafen entfernt Tagungsorganisatoren anzulocken. Rheinsbergs Bürgermeister spekuliert zudem darauf, dass Tagungsgäste Lust auf mehr von der Stadt entwickeln und als Urlauber wiederkommen.

Von Celina Aniol

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