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Hotpants sind zu heiß für diesen Sommer

Schule verbietet aufreizende Kleidung Hotpants sind zu heiß für diesen Sommer

Zu heiß für diesen Sommer: Kurze Höschen sind an einer Schule in Baden-Württemberg künftig verboten. Wer zu aufreizend gekleidet ist, darf sich ein langes Schlabbershirt überstreifen. Die Schulleitung möchte damit gesellschaftliche und soziale Werte fördern. In sozialen Netzwerken kochen die Emotionen hoch.

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An einer Schule in Baden-Württemberg dürfen Mädchen künftig keine freizügige Kleidung mehr tragen.

Quelle: dpa

Horb am Neckar. In diesen Tagen heißt es: Schwitzen! Kaum ein Lüftchen weht, wenn die Sonne am wolkenlosen Himmel auf die Erde strahlt und die Temperaturen in die Höhe schießen lässt. Doch zum Glück können wir uns an das Wetter anpassen. Kurze Hosen, luftige Shirts oder Flip Flops machen die Hitze erträglich. In Horb am Neckar gibt es für knappe Kleidung allerdings seit Montag ein Verbot. Mädchen müssen sich dort an einer Werkrealschule verhüllt zeigen.

Aus der Hose ist an der Realschule in Horb am Neckar nach Ansicht der Schulleitung inzwischen ein heißes Höschen geworden – und mit denen kann die Schule rein gar nichts anfangen. „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants...), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss“, heißt es in einem Brief an die Eltern. Die Regel ist klar: Raus aus den kurzen Klamotten, rein ins Schlabbershirt.

Fragt sich nur, für wen aufreizend und warum: „In letzter Zeit müssen wir gehäuft feststellen, dass Mädchen der Werkrealschule sehr aufreizend gekleidet sind. Diese Entwicklung stimmt uns nachdenklich und wir haben beschlossen, dass wir an unserer Schule keine aufreizende Kleidung dulden wollen“, schreibt Schulleiterin Bianca Brissaud in dem Elternbrief. Deshalb müsse die angeordnete Regel, keine entsprechende Kleidung zu tragen, in die Hausordnung aufgenommen werden. Es solle nicht um die „Unterdrückung der Individualität“ gehen, als vielmehr um einen Beitrag zum Schulklima, in dem sich „alle wohlfühlen und in dem die gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden.“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus kann die Beweggründe nachvollziehen. Er meint, man müsse sich nur einmal in die heranwachsenden Männer hineindenken. „Da geht mit dem einen oder anderen das Kopfkino durch“, so Kraus. Die Ablenkung im Unterricht sei vorprogrammiert. Außerdem sei die Schule kein Laufsteg. Dennoch sieht er den Appell für weniger luftige Bekleidung kritisch, da viele Eltern auf die Persönlichkeitsrechte ihrer Kinder pochten. Außerdem neigen Jugendliche zu Trotzreaktionen. „Man kann als staatliche Schule eine dezentere Kleidung genauso wenig anordnen wie eine Schuluniform“, erklärt der Präsident des Lehrerverbandes.
Ähnlich sieht es auch das Kulturministerium in Baden-Württemberg. Die Schule sei nicht berechtigt, eigene Moralvorstellungen um Gradmesser für angemessene Kleidung zu machen, heißt es. Kleiderordnung? Nein, danke? Nicht ganz, denn wenn Hotpants den Schulfrieden gefährden, könnten die Schulleiter eingreifen.

 

Doch die Werkrealschule steht mit ihrer Entscheidung nicht allein. Am Stuttgarter Heidehof-Gymnasium etwa, einer evangelischen Privatschule, liegen XXL-T-Shirts bereit. Sie sollen unziemliche Blößen bedecken.
In den Sozialen Netzwerken hat die Horber Schulleiterin Bianca Brissaud einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Initiatorin der Twitterkampagne „Aufschrei“, Anne Wizorek, prägte den Hashtag #hotpantsverbot, unter dem sich nun Nutzer empören. Eine Userin spottet, dass Mädchen bald in Ganzkörperkondomen rumlaufen sollen, „damit das andere Geschlecht auf ja keine falschen Gedanken kommt“. Ein anderer fürchtet, dass es nun mit „Volldampf zurück in die 50er Jahre“ geht. Einige wenige finden die Aufregung um das #hotpantsverbot übertrieben. „Ich darf auf Arbeit nur lange Hosen tragen. Bei 34 Grad. Also heult nicht rum“, schreibt eine Twitter-Nutzerin. Im Hashtag #victimblaming (Opferbeschuldigung) kritisieren einige, durch das Verbot kurzer Kleidung werde Mädchen suggeriert, für sexuelle Belästigung selbst verantwortlich zu sein.

Ähnlich argumentiert der Schülerbeirat Baden-Württemberg. Ein Pauschalverbot sei der falsche Weg, meint Vize-Chef Felix Walz. Denn: „Hier werden Jungs unter sexistischen Generalverdacht gestellt und ein falsches Rollenbild vermittelt.“
Der Chef des Landeselternbeirates Baden-Württemberg, Carsten Rees, findet hingegen, dass auch an der Schule grundsätzliche Formen des Anstands zu wahren sind. Das Thema angemessene Kleidung betreffe aber alle: Denn die Jungen mit ihren Skater-Hosen, die den Blick auf das mehr oder weniger bedeckte Hinterteil freigeben, seien nicht immer ein Augenschmaus. Rees betont: „In der Pubertät wollen junge Menschen provozieren und Grenzen verletzen. Das Schlimmste, was wir tun können, ist, nicht einzugreifen und diese Provokationen ins Leere laufen zu lassen.“ Im Stuttgarter Heidehof-Gymnasium hat man diese Grenzen bereits gesetzt: Die Riesen-Shirts sind bislang erst zwei Mal verteilt worden - und zwar an zwei Jungen mit Hänge-Hosen.

Von MAZonline

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