Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Streit um Neuruppins Parzival

Kunstwerk spaltet den Bauausschuss Streit um Neuruppins Parzival

Ist er Kunst oder soll er weg? Der Neuruppiner Bauausschuss war sich am Donnerstag nicht schlüssig, wie es mit dem 17 Meter hohen Parzival am Ruppiner See weitergehen kann. Soll Neuruppin die Skulptur aus Edelstahl in ihr Eigentum übernehmen und damit alle Kosten für Pflege und Reparaturen? Oder wäre der Abriss vielleicht billiger?

Neuruppin, Seeufer 52.923217097693 12.813497855664
Google Map of 52.923217097693,12.813497855664
Neuruppin, Seeufer Mehr Infos
Nächster Artikel
Rheinsbergs Musenhof im Wandel

Der Parzival am Bollwerk (im Bild rechts) ist eines der beliebtesten Foto-Motive in Neuruppin.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Soll Neuruppin wirklich 20 000 Euro für die Sanierung und Pflege der 17 Meter hohen Parzival-Statue am Bollwerk ausgeben? Oder ist es billiger, das Kunstwerk aus Edelstahl einfach abzureißen? Die Abgeordneten im Neuruppiner Bauausschuss waren sich am Donnerstagabend nicht sicher. Eine Mehrheit, die Statue ins Eigentum der Stadt zu übernehmen, fand sich erst einmal nicht.

Dass sich die Stadtverordneten überhaupt mit dem Thema beschäftigen müssen, liegt an der kuriosen Besitzlage: So richtig scheint niemand zu wissen, wem der Parzival eigentlich gehört. 1998 hatte der Verkehrsverein Ruppiner Schweiz das riesige Standbild am Bollwerk errichten lassen. Etwa 50 Sponsoren hatten sich damals zusammengefunden, um die Kosten für das Werk des Karwer Künstlers Matthias Zágon Hohl-Stein aufzubringen. Der Entwurf war heftig umstritten und hatte lange für Diskussionen gesorgt. Die Stadtverordneten hatten schließlich zugestimmt, den Parzival auf städtischem Grund aufzustellen, wenn Neuruppin dadurch keinerlei Kosten entstehen.

Den früheren Eigentümer gibt es nicht mehr

Als Eigentümer galt immer der Verkehrsverein. Der wurde in einem Insolvenzverfahren abgewickelt. Das 4,5 Tonnen schwere Kunstwerk am See blieb übrig – ohne Eigentümer. „Der Parzival ist herrenlos“, fasst es Bauamtsleiterin Marga Reinus zusammen. Ohne regelmäßige Pflege wird der Zustand des Kunstwerks nicht besser, warnt sie. Irgendwann könnte eine Gefahr vom Parzival ausgehen. Laut einem Gutachter müssten schon jetzt rund 20 000 Euro ausgegeben werden, um den Parzival wieder in Schuss zu bringen. Reinus schlägt vor, die Stadt solle sich die herrenlose Statue aneignen, wie es im Gesetz so schön heißt. Dann könnte Neuruppin notfalls auch eingreifen, um mögliche Gefahren zu verhindern.

Aber 20 000 Euro für ein Kunstwerk ausgeben, das eigentlich gar nichts kosten sollte? Das war den meisten Ausschussmitgliedern zu viel. „Haben Sie mal den Rückbau prüfen lassen?“, wollte die SPD-Abgeordnete Christian Doll von Marga Reinus wissen. Eine einmalige Investition sei immer noch besser, als regelmäßig Geld für Wartung und Pflege auszugeben – laut Stadtverwaltung geschätzte 2000 Euro pro Jahr.

Abgeordnete wollen die Sponsoren von 1998 in die Pflicht nehmen

Bis zum Abriss wollte Frank Borchert von den Bündnisgrünen nicht gehen. Umstritten oder nicht – das imposante Werk steht schließlich schon 17 Jahre lang am Bollwerk und ist vielleicht das meistfotografierte Stück von Neuruppin. „Ich denke, er hat seinen Platz gefunden“, sagt Borchert. Siegfried Wittkopf (Linke) verstand die Diskussion gar nicht: „Warum soll er herrenlos sein?“ Schließlich gab es damals Sponsoren. Deren Namen stehen auf einer Tafel am Bollwerk, einige hat Hohl-Stein sogar in einem Bild verewigt, einer Art Tafelrunde oder Abendmahl. „Ich denke, die Herren sind sehr wohl bekannt“, sagt Wittkopf. Bevor die Stadt den Parzival samt aller Kosten übernimmt, sollten die Sponsoren von damals gefragt werden, ob sie bereit wären, noch einmal zu zahlen.

Ist er Kunst oder soll er weg?

Gehört der Parzival zu Neuruppin?

Der Künstler Hohl-Stein hätte im Bauausschuss gern etwas gesagt. Er hat massive Zweifel, dass 20 000 Euro nötig sind, um das Werk in Schuss zu bringen. Sowohl der Sockel aus Beton als auch der Parzival selbst seien sicher und in gutem Zustand, sagt er. Aber das wollte im Bauausschuss niemand hören. Der Ausschuss verschob eine Entscheidung. Sven Deter (CDU) will vor einer Abstimmung hören, was der Kulturausschuss zu sagen hat: Wie wertvoll ist der Parzival für Neuruppin? Deter: „Nichts ist für die Ewigkeit.“

Von Reyk Grunow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Tourismus & Reisen
Aktuelle Reisekataloge
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg