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Weltkulturerbe: Chance und Herausforderung

25 Jahre Weltkulturerbe Weltkulturerbe: Chance und Herausforderung

Vor 25 Jahren wurde Brandenburgs Schlösserlandschaft zum Weltkulturerbe erklärt. Jedes Jahr begeben sich viele Menschen auf die Spuren der Könige – 2014 waren es rund 1,7 Millionen. Doch die Ehrung bedeutet vor allem auch eines: Viele Verpflichtungen und viele Regeln, denn der Titel kann auch aberkannt werden.

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Im Lichterglanz: Das Schmuckstück Sanssouci in Potsdam gehört als Teil der Schlösserlandschaft der Region zum Weltkulturerbe.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Eine nahezu schwerelos wirkende Parklandschaft, Schlösser ausgestattet mit atemberaubenden Kunstschätzen oder einem tonnenschweren Marmorsaal: Preußenkönige schufen sich im Laufe der Jahrhunderte ein außergewöhnliches Ambiente in Potsdam und Berlin.

Die Schlösser Sanssouci, Neues Palais oder Cecilienhof in Potsdam, Schloss Charlottenburg in Berlin, Schloss Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) und viele weitere über das gesamte Land Brandenburg verstreute Sehenswürdigkeiten locken heute Besucher aus aller Welt an. Bewundert werden bis ins i-Tüpfelchen durchdachte Gartenanlagen und Parks sowie kilometerlange Sichtachsen, die einen freien Blick ermöglichen. In dem Gesamtkunstwerk ist nichts dem Zufall überlassen. Die einzigartige Komposition der Schlösserlandschaft gehört seit dem 12. Dezember 1990 zum Unesco-Welterbe. 2014 kamen mehr als 1,7 Millionen Besucher.

Bauprojekte passen mitunter nicht ins Ensamble

Was bedeutet die Ehrung? „Damit geht vor allem eine Verpflichtung einher, dieses Erbe zu bewahren“, sagt der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Hartmut Dorgerloh. Die Stiftung betreut mit mehr als 2000 Hektar einen großen Teil der Welterbestätte in Potsdam und Berlin. Ende der 1990er Jahre stand der Platz auf der Liste fast auf der Kippe: Mitten in Potsdam sollte ein großes Einkaufscenter entstehen. Es passte in der Dimension so gar nicht ins Weltkulturerbe. Die Pläne mussten reduziert werden.

1991

1991: die Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (2.v.l.) und Björn Engholm (2.v.r.) mit dem damaligen Stiftungschef Hans-Joachim Giersberg (r.).

Quelle: dpa

Von Zeit zu Zeit gibt es immer mal wieder Bedenken, ob heutige Bauprojekte in das geschützte Ensemble passen. „Baulich dürfen wir leider nicht alles, was wir vielleicht wollen“, sagt Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Es sollte sich aber jeder fragen, ob er in einer Stadt leben wolle, wo baulich alles grenzenlos erlaubt wäre. Das Welterbe biete die Chance für einen Rahmen. „Ohne jedoch in eine museale Starre zu verfallen, die das hier und jetzt ausblendet“, sagte das Stadtoberhaupt.

Titel kann auch aberkannt werden

Weltweit stehen etwa 1000 Denkmale auf der Liste, in Deutschland sind es etwa 40. Mit Argusaugen beobachtet die Unesco-Kommission, ob der Titel auch weiter verdient wird. Nach Angaben der Sprecherin der Deutschen Unesco-Kommission wird bei auftauchenden Problemen zunächst einmal auf nationale Lösungen gesetzt. Fruchten alle Bemühungen nichts, entscheide am Ende das Welterbekomitee über die Aberkennung, sagt sie.

Der sanierte Rundtempel Friedrichs des Großen (r) auf dem Ruinenberg im Schlosspark Sanssouci in Potsdam

Der sanierte Rundtempel Friedrichs des Großen (r.) auf dem Ruinenberg im Schlosspark Sanssouci in Potsdam.

Quelle: dpa-Zentralbild

Das geschah bislang zweimal: 2007 für eine Naturstätte im Oman, wo Erdöl gefördert wird, und beim Dresdner Elbtal 2009 wegen des Baus der umstrittenen Waldschlößchenbrücke. Laut der Unesco zerschneidet sie die Flusslandschaft irreversibel. Die Dresdner haben sich nach Eröffnung der Brücke 2013 an die schnelle Verbindung gewöhnt: Die Diskussion darüber ist verschwunden.

Ein Gesamtkunstwerk für die ganze Welt

Inzwischen beschäftigt sich jedoch der Europäische Gerichtshof auf Antrag des Bundesverwaltungsgerichts damit, ob bei der Baugenehmigung europäisches Naturschutzrecht missachtet wurde. „Der Titel ist aus Sicht des Landes Chance und Herausforderung zugleich“, betont Brandenburgs Kunst- und Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (SPD). Vor 25 Jahren habe sich die Möglichkeit geboten, die Wunden von Teilung und Kaltem Krieg, die eine Schneise in diese einzigartige Kulturlandschaft gezogen hatten, zu beseitigen. „Das Gesamtkunstwerk kann aller Welt präsentiert werden“, sagt sie.

Bund und die Länder Berlin und Brandenburg engagierten sich für die Bewahrung. Im 2008 aufgelegten Sonderinvestitionsprogramm stehen bis 2017 rund 155 Millionen Euro bereit. Stiftungsgeneraldirektor Dorgerloh: „Die Signale für die Fortsetzung nach 2017 stehen auf Grün.“

Von Gudrun Janicke

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