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Wildreservat Döberitzer Heide

Lebensraum für Wisente und Wildpferde Wildreservat Döberitzer Heide

5500 verschiedene Tier- und Pflanzenarten wurden in der Döberitzer Heide im Osthavelland bereits nachgewiesen. Die Kernzone, in der auch Wisente und Wildpferde leben, ist für Besucher gesperrt. Aber durch die umgebende Ringzone ziehen sich 55 Kilometer Wanderwege, die zu einzigartigen Naturerlebnissen einladen.

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Freier Auslauf in der Wildnis-Kernzone: Die Wisentherde.

Quelle: Ulrich Nettelstroth

Wustermark. Die Herde taucht plötzlich hinter einer Baumgruppe auf: 20 Wisente, darunter fünf Kälber und ein stattlicher Bulle. Peter Nitschke fährt mit seinem Geländewagen näher heran. „Wir hatten zuletzt wochenlang kaum noch Wisente gesehen“, erklärt er. Spurlos verschwunden waren die insgesamt 75 Tiere in den Weiten der 1800 Hektar großen Wildniskernzone der zwischen Potsdam und Falkensee (Havelland) gelegenen Naturlandschaft Döberitzer Heide. Jetzt ist zumindest eine Herde wieder aufgetaucht. Nitschke ist als Projektleiter bei der Heinz Sielmann-Stiftung so etwas wie ein Brandenburger Wildhüter und einer der ganz wenigen Menschen, die in die Wildniskernzone hineindürfen.

Im Besitz der Sielmann-Stiftung

Seit 2004 gehört der ehemalige Truppenübungsplatz, der fast an die westliche Berliner Stadtgrenze heranreicht, der Sielmann-Stiftung, die hier ein einzigartiges Großwild-Refugium eingerichtet hat. Durch die militärische Nutzung ist eine Offenlandschaft entstanden, die reich an seltenen Pflanzen und Tieren ist und durch Wisente, Przewalski-Pferde und Rothirsche in ihrem Bestand erhalten wird. „Würden wir die Landschaft sich selbst überlassen, wäre hier bald überall Wald“, erklärt Nitschke. Die großen Tiere aber halten die Bäume in Schach. Das ist überall zu sehen. Eine armdicke Birke wurde von den Wisenten umgestoßen und abgefressen. Direkt daneben steht eine rundum entrindete und dadurch abgestorbene Eiche. „Das waren die Hirsche“, sagt der Ranger. Die bis zu einer Tonne schweren Wisente wälzen sich auch gerne auf dem Boden und reduzieren dadurch oder durch ihre Huftritte die Anzahl der Keimlinge von Birke oder Kiefer.

Die Wildpferde lieben vor allem die sogenannte Wüste, einen weiten Offenlandbereich im Westen der Kernzone. Früher war das eine Übungsstrecke für Panzer. Jetzt sind Flechten und Moose hier zu Hause und seltene Gräser wie die Soldatensegge und das Silbergras. 5500 verschiedene Tier- und Pflanzenarten wurden in der Döberitzer Heide nachgewiesen, darunter auch einige Insektenarten, die in Deutschland schon als ausgestorben galten, oder auch Urzeitkrebse, die in ganz ähnlicher Form schon zu Zeiten der Dinosaurier lebten. Eine ähnlich große biologische Vielfalt gibt es kaum irgendwo sonst in Deutschland.

Kernzone ist für Besucher gesperrt

Besucher dürfen in die mit einem Doppelzaun gesicherte Kernzone nicht hinein – zum einen aus Gründen des Naturschutzes, zum anderen wegen möglicher Gefahren. Auf dem Gelände befinden sich noch Munitionsreste. Wisente und Wildpferde können gefährlich werden, wenn man sich etwa den Jungtieren nähert. Auch Peter Nitschke begegnet den Wisenten mit Vorsicht. „Die können bis zu 60 Stundenkilometer schnell werden“, sagt er. Weglaufen hilft da nicht. Deshalb hält er sich beim Beobachten der Herde in der Nähe des Wagens.

Mit etwas Glück können Besucher aber auch durch den Zaun das Großwild entdecken. Um die Wildniskernzone herum führt ein 22 Kilometer langer Rundweg. Insgesamt durchqueren 55 Kilometer Wanderwege die 1800 Hektar große Ringzone. Hier findet auf einigen Flächen Beweidung durch Schafe, Ziegen, Konik-Ponys oder Galloway-Rinder statt. Die Wege zu verlassen, ist nicht gestattet. Aber wer aufmerksam ist und am besten ein Fernglas mitbringt, kann auch so viele Tiere beobachten. An den Wasserflächen im Ferbitzer Bruch brüten regelmäßig Kraniche, auf den Wiesen ist der Wiedehopf zu sehen und am Himmel ziehen Seeadler ihre Kreise. Und gelegentlich ziehen Wölfe durch das Gebiet.

Schaugehege mit Wisenten und Wildpferden

Die Heinz Sielmann-Stiftung wirbt um Besucher. Ziel ist es, die Menschen für die Schönheit der Natur zu sensibilisieren, sagt Projektleiter Nitschke. Bester Einstieg in die Wildnis-Landschaft ist das Schaugehege mit Informationszentrum am Nordwestrand des Geländes, in Elstal (Havelland). Hier können Wisente, Przewalski-Pferde und Rotwild in jeweils acht Hektar großen Gehegen beobachtet werden. Für die vom Aussterben bedrohten Wisente und Wildpferde beteiligt sich die Sielmann-Stiftung an europäischen Erhaltungszucht-Programmen. Der Eintritt fürs Schaugehege kostet vier Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder.

Wandern durch die Wildnis ist kostenlos. Wer die Kernzone einmal umrunden will, sollte gut zu Fuß sein und für die 22 Kilometer einen ganzen Tag einplanen. Verpflegung für unterwegs muss mitgebracht werden, denn Gasthäuser gibt es hier nirgendwo. Spaziergänge durch das Gebiet sind auch möglich von den Parkplätzen am Sperlingshof und am Havelpark in Dallgow-Döberitz (Havelland) oder im Potsdamer Ortsteil Krampnitz. Von dort aus gut erreichbar ist der 2011 eröffnete Aussichtsturm Finkenberg, der eine Aussicht bis zum 25 Kilometer entfernten Fernsehturm am Alexanderplatz bietet.

Militärflächen für den Naturschutz

Brandenburg weist von allen ostdeutschen Ländern die meisten Militärareale auf. 230 000 Hektar, acht Prozent der Landesfläche, wurden zu DDR-Zeiten militärisch genutzt. Für den Naturschutz wurden bisher etwa 76 000 Hektar durch Verbände oder Stiftungen erworben. Einzelprojekte sind etwa die Lieberoser Heide (Dahme-Spreewald) und der Truppenübungsplatz Jüterbog (Teltow-Fläming). Beide werden durch die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg entwickelt. Die Kyritz-Ruppiner Heide (Ostprignitz-Ruppin), bis 2011 von der Bundeswehr genutzt, gehört mit rund 12 500 Hektar zu den größten militärischen Hinterlassenschaften. Hier steht die Entwicklung einer Naturlandschaft durch die Sielmann-Stiftung noch am Anfang. Brandenburg hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 zwei Prozent der Landesfläche als Wildnis-Landschaft auszuweisen, aus der sich der Mensch komplett zurückzieht.

Von Ulrich Nettelstroth

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