Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Der Mädchenfänger aus Neuruppin

Zu Besuch im Berliner Dungeon Der Mädchenfänger aus Neuruppin

Der Neuruppiner Fleischer Carl Großmann hat Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere Frauen auf bestialische Weise in Berlin ermordet. Im Berliner Gruseltheater Dungeon ist der Serienmörder der Star der Horrorshow. Die MAZ hat das Dungeon besucht und sich die Show genauer angeschaut. Ein Prominenter spielt dabei eine wichtige Rolle. 

Voriger Artikel
Gleiche Stahlmischung wie der Eiffelturm
Nächster Artikel
Badespaß plus Extras

Böse Miene zum bösen Spiel: Eine Darstellerin im Berlin Dungeon spielt mit den Horror-Phantasien der Besucher.

Quelle: Julian Stähle

Berlin/Neuruppin. Schon aus der Ferne ist das gleichmäßige Schnaufen der Lokomotiven zu hören. Schummriges Licht und ein schäbiger Hinterhof – mehr braucht es nicht als Kulisse, damit sich die Besucher im Berliner Großstadt-Moloch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wiederfinden. Über eine lange, alte Holztreppe gelangt man im Berlin Dungeon zum Schlesischen Bahnhof, dorthin, wo der berüchtigte Metzger Carl Großmann vor fast 100 Jahren sein Unwesen trieb.

Ob aus Sensationshunger oder um den Kick der vermeintlichen Gefahr zu spüren – schon immer haben Serienmörder eine Anziehungskraft auf Menschen ausgeübt. Der Faszination des Grauens kommen die Besucher im Berlin Dungeon (englisch für Verlies), einem modernen Gruselkabinett nahe des Hackeschen Markts in Berlin-Mitte, ein Stück näher. Für das perfekte Gruseln sorgen dort professionelle Schauspieler: In zehn Shows führen sie die Besucher vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert durch die dunklen Seiten der Hauptstadt. Der Mörder Carl Großmann ist Teil des Horrortheaters.

Der Serienmörder

  • Neben Carl Großmann versetzte noch ein weiterer Mann aus Brandenburg die Region in Angst und Schrecken: der Massenmörder Friedrich Schumann aus Falkensee.  Friedrich Schumann stammte aus Spandau, war verheiratet und als Schlosser tätig. Innerhalb von zwei Jahren beging er mindestens sechs  Morde, elf Mordversuche und weitere Straftaten – so wie zuvor schon sein Vater.
  • Schumanns Prozess fand vom im Juli 1920 statt, in dem er von dem bekannten Berliner Anwalt Erich Frey vertreten wurde. Doch auch dieser konnte das Todesurteil von Schumann nicht abwenden. Friedrich Schumann wurde zum Tode durch das Beil verurteilt. Am 27. August 1921, nur wenige Tage, nachdem die Polizei in Berlin den Fleischer Carl Großmann auf frischer Tat ertappte, wurde er hingerichtet.
  • Heute kann man im „Museum und Galerie Falkensee“ noch Dokumente und Fotos zum Fall Schumann sehen.

Tatort Berlin Friedrichshain

Großmann wurde 1863 in Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) geboren. Er wuchs als Sohn eines Lumpensammlers auf und machte später eine Fleischerlehre. Weil er sich immer wieder sexuell an Mädchen und Frauen verging, landete Großmann aber schon bald im Gefängnis. Nachdem er seine Strafe in Neuruppin abgesessen hatte, verschlug es ihn nach Berlin, wo er am heutigen Berliner Ostbahnhof einen Wurststand betrieb. Das Stadtviertel Friedrichshain galt damals als eine der ärmsten und verruchtesten Gegenden. Wegen der hohen Kriminalitätsrate wurde es seinerzeit das Chicago Berlins genannt.

Erst dort soll Großmann zu frauenmordenden Bestie geworden sein. Zwischen 1918 und 1921 sind allein in der Gegend um den heutigen Ostbahnhof die Überreste von 23 zerstückelten Frauenleichen gefunden worden. Der Legende nach soll Großmann die Leichen seiner Opfer zu Wurst weiterverarbeitet haben, was jedoch nie bewiesen werden konnte.

Mit genau diesem Hintergrundwissen, einer Melange aus wahren Begebenheiten und düsteren Legenden, arbeitet das Berlin Dungeon. Vom brutalen Geschehen wird der Besucher in der Show allerdings verschont. Das Gemetzel selbst wird nicht gezeigt.

Das Dungeon

  • Das Berliner Dungeon ist nach dem Gruseltheater in Hamburg die zweite Einrichtung dieser Art in Deutschland. Es gehört der britischen Merlin Entertainment Group an. Weltweit betreibt das Unternehmen weitere Gruselkabinette, etwa in London, Amsterdam und San Francisco.
  • Der Berliner Ableger hat im März 2013 aufgemacht und beschäftigt sich auf rund 2500 Quadratmetern ausschließlich mit dem Grauen aus 700 Jahren Geschichte in Berlin und Brandenburg. Gezeigt werden unter anderem an Pest erkrankte Berliner, der Geist der weißen Frau, der durch die Katakomben des Berliner Stadtschlosses spukt, und die blutige Geschichte des aus Neuruppin stammenden Carl Großmann. Insgesamt werden zehn Themenshows gezeigt. Neben schaurigen Kulissen, Sound- und Gruseleffekten sorgen professionelle Schauspieler in originalgetreuen Kostümen im Dungeon für Gänsehaut.

Sky Du Mont spricht den Serienmörder

Am Wurststand angekommen, trifft der Besucher im Dungeon auf Marie Nitsche, Großmanns letztes Opfer. Sie starb am 21. August 1921 auf grauenvolle Weise: Nachbarn verständigten damals die Polizei, weil sie aus Großmanns Wohnung die spitzen Schreie einer Frau gehört hatten. Als die Polizisten die Wohnung betraten, fanden sie außer Nitsches Leiche mehrere Frauenkleider, einen blutigen Sack und menschliche Körperteile im Kohleherd. Die 35-jährige Marie Nitsche war an Händen und Füßen gefesselt, an ihrem Kopf klaffte eine tiefe Wunde. Neben ihrem leblosen Körper stand mit blutverschmiertem Messer Carl Großmann. Obwohl der Metzger auf frischer Tat ertappt wurde, konnte die Mordserie nie ganz aufgeklärt werden, weil sich Großmann in seiner Gefängniszelle erhängte.

Im Berlin Dungeon wird der berühmt-berüchtigte Frauenmörder wieder lebendig. Im Halbdunkel des nachgebildeten Bahnhofsviertels ertönt ein schriller Schrei. Er stammt aus der Kehle einer Schauspielerin, die als Marie Nitsche verkleidet, um neugierige Zuhörer wirbt. Quicklebendig lockt Großmanns letztes Opfer die Besucher schließlich in dessen düstere Wohnung. Die Gäste werden um einen Tisch platziert. Das Licht erlischt und das schaurige Treiben beginnt. Dumpfe Schritte, bedrohliche Schatten – und plötzlich ist Carl Großmann ganz nah. Gesprochen wird er in der Show von keinem geringeren als Sky Du Mont. Die markante Stimme des Schauspielers sowie gruselige Spezialeffekte sorgen für Gänsehaut pur in der Dunkelheit. Der Mörder selbst erscheint nicht. Düster dreinblickend verabschiedet er die Besucher am Ausgang auf einem Fahndungsfoto.

Von Josefine Sack

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Geschenktipp:

Reise mit 9 berühmt berüchtigten Berlinern durch über 700 Jahre dunkle Geschichte der Hauptstadt in 9 schaurig komischen Shows – vom Mittelalter bis ins 19.Jh.

mehr
Mehr aus Tourismus & Reisen
Aktuelle Reisekataloge
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg