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4500 Jahre altes Grab entdeckt

Sensationsfund in Brandenburg an der Havel 4500 Jahre altes Grab entdeckt

Sensationsfund in Brandenburg an der Havel: Bei Bauarbeiten an der Potsdamer Landstraße ist ein 4500 Jahre altes Grab gefunden worden. Es handelt sich um ein sogenanntes Hockergrab, bei dem der Tote mit angewinkelten Armen und Beinen bestattet ist.

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Das Hockergrab: der Tote in gehockter Haltung ist deutlich zu erkennen.

Quelle: Archäologie BNB - Reinhold Schulz

Brandenburg an der Havel. 4500 Jahre Siedlungsgeschichte – nun auch auf dem Fliedners-Areal des Lafim nachgewiesen. Das Grabungsfeld an der Potsdamer Landstraße 4 war eine regelrechte Spielwiese für die Frauen und Männer der Firma Archäologie BNB - Reinhold Schulz. Sie haben eine Fläche rund 1000 Quadratmetern beackert, nachdem bereits mehr als 1000 Kubikmeter Oberboden abgetragen worden waren, sagt Raik Böttcher, Immobilienchef des Landesausschusses für Innere Mission. „Wir brauchen das Baufeld für unsere neue Wohnstätte, wollten diese erst an anderer Stelle errichten, das ging aber wegen der Hochwassergefahr nicht.“

An 150 verschiedenen Stellen wurden die Archäologen fündig, mehr als 1000 Einzelteile förderten sie zutage. Einer der wertvollsten Funde stammt aus der Glockenbecherkultur 2600 bis 2200 vor Christus. Der Name rührt vom verbreiteten Brauch, Toten ins Grab Gefäße in Form einer umgedrehten Glocke mitzugeben. Und ein solches Grab fanden die Archäologen auch – allerdings ohne Keramik. Dafür ist es ein so genanntes Hockergrab.

Erst ab dem Mittelalter wurde es allgemein üblich, die Toten rücklings und ausgestreckt zu bestatten. Bei der Hockerstellung hingegen sind Arme und Beine angewinkelt, der Tote liegt auf der Seite. Es ist erst das vierte nachgewiesene Hockergrab in der Stadt. Zudem wurde immer in Nord-Süd-Ausrichtung bestattet, bei den Männern zeigte der Kopf nach Norden, bei den Frauen nach Süden. Bei Fliedners wurde ein Mann bestattet, nähere Einzelheiten muss Anthropologin Bettina Jungklaus ihm erst noch entlocken. Freilegen und Transportieren der Gebeine waren sehr mühselig, weil die Knochen brüchig sind. Zudem ragte der Kopf in unnatürlicher Haltung nach oben. Die Füße fehlen völlig, eine in der Bronzezeit angelegte Siedlungsgrube zerstörte diese.

Aus der Bronzezeit stammt auch ein komplett erhaltenes Rinderskelett, das wahrscheinlich kranke Tier liegt rücklings zusammengekrümmt in der Grube. „Das haben wir recht selten. Knochen gibt es sehr viele, meist aus Schlachtabfällen. Aber nur selten vollständig noch verbundene Skelette“, sagt Grabungsleiter Ralf Miltenberger. Mehr als 700 Fotos hat sein Team geschossen und rund 150 Zeichnungen gefertigt, vom Planum wie vom seitlichen Schnitt. So wurde beispielsweise direkt neben dem Grab ein besonders aufwendig hergestelltes Steinartefakt gefunden, es handelt sich dabei um eine blattförmige Pfeilspitze mit ganzflächiger Retusche.

Die Flut von Funden veranlasst den Stadtarchäologen Joachim Müller zu einem auf den ersten Blick schwer verständlichen Resümee. „Wer ein Baudenkmal sein eigen nennt, hat ein sehr schönes Wohngrundstück.“ Im Klartext: Die Vorfahren haben schon gewusst, wo es lebenswert ist. Ähnlich wie in Schmerzke ist rings um Breites Bruch/Stammwiesen schon sehr frühe Besiedlung nachweisbar – da, wo es leichte Erhebungen in der Flusslandschaft gibt. „Das Bild schließt sich allmählich. Mit ganz leichten Verschiebungen sind in Havelnähe immer alle Schichten von der Steinzeit bis vorgestern zu finden“, sagt Müller. Nur die Slawen hätten sich direkt bis ans Ufer gewagt. Das mag auch erklären, warum es bei Fliedners überhaupt keine mittelalterlichen Befunde gab – weder slawische noch deutsche.

Von André Wirsing

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