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Andrea Richau ist seit 20 Jahren Trauerrednerin

Trauerreden Andrea Richau ist seit 20 Jahren Trauerrednerin

Andrea Richau aus Kleinmachnow will die Trauer der Betroffenen ausdrücken und als eine Verlusterfahrung von Menschen erfassen. Aber traurig sei ihr Beruf ganz und gar nicht, sagt sie: „Bei mir sollen die Leute auch lachen.“

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Trauerrednerin Andrea Richau.

Quelle: Christel Köster

Kleinmachnow . Eine Trauerrede und Rednerpult? Das passt für Andrea Richau nicht zusammen. „Ich gehe nie hinter ein Pult. Ich doziere nicht“, sagt sie. Richau ist Trauerrednerin. Und als solche sieht sie sich nicht im Mittelpunkt einer Bestattungszeremonie. Ihr Auftrag sei es doch, die Trauer der Betroffenen auszudrücken und als eine Verlusterfahrung von Menschen zu erfassen. Die 65-Jährige aus Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) steht bei ihren Reden frei im Raum und sucht sich ihren Platz. Immer darauf achtend, dass die Angehörigen einen freien Blick auf die Urne oder den Sarg des Verstorbenen haben. Denn das sind diejenigen, auf die es ankommt.

Traurig sei ihr Beruf ganz und gar nicht, meint Andrea Richau: „Bei mir sollen die Leute auch lachen.“ Sie erzählt in ihren Reden über das Leben – gewürzt mit so manchem lustigen Schmankerl. Sie will die Biografie eines verstorbenen Menschen lebendig machen, will dessen Leben reflektieren. Dafür muss sie zuallererst ein guter Zuhörer sein. Etwa anderthalb Stunden nimmt sie sich Zeit für das Gespräch mit den Hinterbliebenen, um das Leben des Menschen, der zu Grabe getragen wird, kennenzulernen. Sie höre zu. Aber sie sei kein Therapeut, betont die resolute Frau. „Ich werde nicht gebucht, um mitzuweinen und mitzuleiden. Aber ich kann mitfühlen.“ Ein plötzlicher Kindstod, ein Unfalltod oder lange Krankheiten – das geht ihr besonders nahe. Wenn Richau nach einem solchen Gespräch nach Hause kommt, muss sie erst mal zum Telefon greifen und ihre Kinder anrufen, um wieder zur Normalität zurückzukehren.

Der Beruf des Trauerredners soll etabliert werden

Im Umgang mit Trauernden komme es auf drei Dinge ganz besonders an, erklärt Andrea Richau: Toleranz, Respekt und ein wertfreier Umgang mit den Menschen. „Es steht mir nicht zu, das Leben eines anderen zu bewerten, ich kann es nur reflektieren.“ Richau ist promovierte Philosophin und hatte beruflich manches Mal mit den Themen Sterben, Tod und Trauer zu tun. Irgendwann habe sie angefangen, sich privat damit zu beschäftigen. „Das war spannend“, erzählt sie. Vor ziemlich genau 20 Jahren entschied sie sich, Trauerrednerin zu werden. Im Juni 1996 hielt sie ihre erste Rede. In diesem Beruf stecken so viel Leben und Weisheit, schwärmt die Kleinmachnowerin. Die Biografien, die sie kennenlernt, stehen in keinem Geschichtsbuch.

„Ich schreibe noch heute jede Rede neu – das ist mein Anspruch“, betont Richau. Immerhin hat sie auch Familien, für die sie schon mehrmals eine Trauerrede gehalten hat. Da würden immer wiederkehrende Formulierungen auffallen. Mittlerweile investiert die 65-Jährige mehr Zeit in ihr ehrenamtliches Engagement für die Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerfeier (BATF). Es ist ihr ein Anliegen, den Beruf des Trauerredners zu etablieren. Schließlich habe der freie Redner eine lange Tradition und erfahre gerade jetzt – angesichts zahlreicher Kirchenaustritte – eine große Nachfrage. Für diesen Beruf reiche es aber nicht aus, „drei Sätze geradeaus reden zu können und das, was ich fünf Minuten vorher gehört habe, in einer größeren Runde wiederzugeben“, mahnt die Expertin. Dieser Beruf sei verantwortungsvoll, anspruchsvoll und vielleicht gerade deswegen etwas Wunderbares. Andrea Richau: „Ich muss die Sprache finden, um die Trauernden anzusprechen und um ihre Trauer auszudrücken.“

Von Ute Sommer

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