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Bunte Särge statt braunes Einheitsmodell

Bestatter geht neue Wege Bunte Särge statt braunes Einheitsmodell

Borkwalde, Brück, Steintherme und Stahlwerker – diese skurrilen Namen tragen Sargmodelle im Bestattungshaus Fries in Brück (Potsdam-Mittelmark). Was zunächst ungewöhnlich erscheint, ist für Unternehmer Karsten Fries neben der Möglichkeit für Kunden, individuelle Wünsche zu äußern, auch ein kreatives Marketinginstrument in einem umkämpften Markt.

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Cornelia Jeschke berät Angehörige von Verstorbenen bei der Wahl des passenden Sargs.

Quelle: Andreas Koska

Brück. Borkwalde, Brück, Steintherme und Stahlwerker, diese skurrilen Namen tragen einige Sargmodelle im Brücker Bestattungshaus Fries. „Dass die Särge einen Namen haben, finden viele ungewöhnlich, aber auch ansprechend. Der Bezug zum Wohnort oder zum Beruf erleichtert vielen Menschen die Auswahl“, hat Cornelia Jeschke festgestellt.

Sie ist im Trauerfall die erste Ansprechpartnerin und eine Art Seelsorgerin für die Angehörigen. Die Totenschreine sind aus Kiefernholz, manchmal Eiche furniert. Kein Wunder also, dass das Modell „Borkwalde“ grün ist und als Material die einheimische Kiefer gewählt worden ist, die das Bild der Waldgemeinde prägt. „Die Menschen kennen vor allem die dunkelbraunen Särge. Dass es auch anders geht, ist für viele kaum vorstellbar“, weiß Karsten Fries.

Kieferngrün steht für die Waldgemeinde

Im Ausstellungsraum hat er so auch weitere Beispiele parat – den „kleinen Italiener“ in weiß oder ein mit Rosen verzierter Sarg. Auf einem Lehrgang ist Fries auf die Idee der Namensgebung gekommen. Auch Urnen können nach eigenem Wunsch gestaltet werden. So mit einem Fußballmuster oder mit Anglermotiven. Fries vergleicht sein Angebot mit dem eines Autohändlers. „Dort wird alles genau beschrieben, auf alles hingewiesen, jedes Modell wird mit fantasievollen Namen angepriesen. Weshalb also nicht auch bei uns?“

Asche zu Diamant

Neben der Erd- und Feuerbestattung bieten die Unternehmen eine breite Palette weiterer Bestattungsarten an.

Dazu zählen die Diamantbestattung, die Natur- und Baumbestattung sowie die Seebestattung.

Bei der Diamantbestattung die Asche zu einem Diamanten gepresst.

Dies ist in Deutschland nicht erlaubt, deshalb wird in so einem Fall die Asche in die Schweiz gebracht.

Eine Baumbestattung ist unter anderem in Borkheide möglich, der nächste Friedwald befindet sich in der Gemeinde Nuthetal.

Neben Fries in Brück gibt es in der Region das Bestattungshaus Herrfurth in Bad Belzig sowie das Bestattungshaus Schumacher in Treuenbrietzen.

Dabei hat er festgestellt, dass die Erdbestattung immer seltener wird. Seit Jahren wählt sie nur mehr jeder Fünfte. „80 Prozent entscheiden sich für die Kremierung, also ein Urnenbegräbnis“, so seine Beobachtung. Dabei geht der Trend zu sich schnell zersetzenden Bio-Urnen und Särgen. So hat sich eine Bio-Urne bereits nach sieben Jahren aufgelöst.

Fries will seinen Beruf und den Tod in den Alltag zurückholen. Vor kurzem hielt er deshalb einen Vortrag in der Brücker Lambertuskirche und führte Konfirmanden durch sein Unternehmen. Er weiß, dass Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist. Wie viele andere Unternehmen hat auch er Nachwuchssorgen, es fehlen Mitarbeiter. „Kein Jugendlicher will sich dafür begeistern“, bedauert der Quereinsteiger. Er weiß, dass in den meisten Betrieben das Handwerk von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Nachwuchssorgen im Unternehmen

Noch als junger Mann hätte sich Fries den Beruf selbst nicht vorstellen können. Quereinsteiger wie er finden erst im reiferen Alter den Weg in diesen Beruf. Fries eröffnete sein Bestattungshaus im Jahr 1992 neben dem von der Familie geführten Blumenladen. Heute ist er Bestatter aus Leidenschaft, hat viele Fortbildungen absolviert, der Betrieb ist zertifiziert. „Es wäre schön, wenn es auf den Friedhöfen eine Grundausstattung gäbe, zum Beispiel Wurfbehälter oder einen Pult“, wünscht er sich.

Fries will ferner für würdevolle Trauerfeiern sorgen. Deshalb sieht er es auch als seine Aufgabe an, die Trauerhalle zu säubern und eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Etwas sorgenvoll blickt er in die Zukunft. So ärgert es ihn, dass die Krankenhäuser Verträge mit bestimmten Bestattern abschließen und den Hinterbliebenen dann ausschließlich diese empfohlen werden. „Wettbewerbsverzerrung“, lautet sein knappes Urteil.

Flüchtlingswelle stellt neue Herausforderungen

Mit der Flüchtlingswelle sieht er ein weiteres Problem auf das Gewerbe und die Kommunen zukommen. „Die Muslime werden traditionell im Leinensack beigesetzt, das ist in den Friedhofssatzungen unserer Region nicht vorgesehen“, benennt er einen wesentlichen Punkt. Einen Leitsatz hat er für sich entdeckt. „Die Kultur eines Volkes zeigt sich darin, wie man seine Toten bestattet“, lautet sein Credo. Deshalb gehören für den Brücker Bestatter auch seine besonderen Särge dazu.

Von Andreas Koska

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