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„Dann bleibt nur noch der Friedhof“

„Dann bleibt nur noch der Friedhof“

Verlegung der sowjetischen Soldatengräber vorgeschlagen / Grahlplatz könnte wieder ein lebendiger Ort werden
 

19348 Perleberg ‎ Grahlplatz 53.073975 11.85584
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Quelle: Beeskow

PERLEBERG Sollte nicht auch der Grahlplatz ein neues Aussehen bekommen?, fragt der Perleberger Stadtverordnete Hans-Peter Freimark. Bekanntlich will die Stadt die Wittenberger Straße völlig umgestalten, auch auf dem Grahlplatz sind rings um den sowjetischen Ehrenfriedhof Veränderungen beabsichtigt. Die beiderseitigen Parkflächen bekommen eine neue Gestaltung und fast alle Bäume um die Gräber sollen gerodet werden. Hans-Peter Freimark befürchtet, der Grahlplatz werde recht trostlos wirken: „Dann bleibt nur noch der Friedhof.“
Wäre es nicht sinnvoll, hier einen lebendigen Platz zu gestalten, der auch von den Bürgern als Grün- und Verweilfläche genutzt werden kann, fragt sich Hans-Peter Freimark. Da sei ein Bäcker, der vielleicht Tische draußen aufstellen würde, wenn sich dazu die Möglichkeit bietet. Der Perleberger verweist auf die schöne gärtnerische Gestaltung des Platzes vor dem Zweiten Weltkrieg, als sich Bürger dort erholen und Kinder spielen konnten.
Wenn die Stadt schon Hand anlege, dann sollte sie sich auch Gedanken über die Neugestaltung des Grahlplatzes machen, meint der Stadtverordnete. Das setzt allerdings die Verlegung des sowjetischen Ehrenfriedhofes voraus. „Dies muss in Würde geschehen“, erklärt er. Es gehe nicht um eine Beseitigung, die gefallenen sowjetischen Soldaten könnten aber auch, zum Beispiel auf dem Perleberger Friedhof, eine würdige Begräbnisstätte finden.
Hans-Peter Freimark verweist auf Neustadt an der Dosse. Auch dort sei es gelungen, einen sowjetischen Ehrenfriedhof zu verlegen – und zwar ohne irgendeinen Ärger. Dies sollte auch in Perleberg möglich sein. Wenn es nicht jetzt geht, da ohnehin gebaut werden soll, dann wird der sowjetische Ehrenfriedhof für immer auf dem Grahlplatz bleiben, meint Hans-Peter Freimark. Eine Nutzung des Platzes durch die Bürger, wie dies früher einmal möglich war, wird dann für die Zukunft ausgeschlossen sein. Und er fügt an: „Jetzt gibt es noch Fördermittel, später sicher nicht mehr.“ Auf seine Anfrage hat Hans-Peter Freimark noch keine Reaktion aus der Stadtverwaltung erhalten.
Das Verfahren zur Verlegung eines sowjetischen Ehrenfriedhofes ist nicht ganz einfach, wie aus dem Innenministerium in Potsdam verlautete. Bevor man ein solches Verfahren in Gang setze, sollten sich alle Beteiligten zusammensetzen, erklärte Wolfgang Brandt, der stellvertretende Pressesprecher. Zu den Beteiligten gehören auch die Denkmalpfleger und Vertreter des Innenministeriums. Geklärt sein müsse auch die Kostenfrage. Das Innenministerium tritt dann an die russische Botschaft heran. Die Entscheidung treffe letztlich die russische Regierung. Nach den Zwei-plus-Vier-Verträgen ist ihr Einverständnis erforderlich.
Wie Wolfgang Brandt erklärte, ist mit einer Verfahrensdauer von etwa zwei Jahren zu rechnen. Doch bestehe durchaus Aussicht auf Erfolg. In Jüterbog, in Ludwigsfelde, in Alt Ruppin oder auch in Neustadt an der Dosse erfolgten die gewünschten Umbettungen der Gräber. Die russische Seite sperre sich nicht gegen derartige Ansinnen, sagte Wolfgang Brandt. Sie müssten ordentlich begründet sein. Man dürfe nicht den Eindruck erwecken, etwas sollte an den Rand geschoben werden. Da sei die russische Seite empfindlich. Wichtig sei ihr ein würdiger Umgang mit den toten Soldaten.(von Michael Beeskow)

Viele Gesichter hat der Grahlplatz schon angenommen: Bis zum Ende des ZweitenWeltkrieges konnten die Bürger dort einen kleinen Park nutzen (Bild links). Danach wurde der Platz vor
allem ein Gedenkort. 1946 wurde das erste Perleberger VVN-Denkmal eingeweiht (Bild Mitte). Schon zwei Jahre später muss das Denkmal erneut errichtet werden. FOTOS (3): STADTARCHIV

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