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Ein Hobrecht kommt selten allein

Erinnerung an den Rathenower Ehrenbürger Ein Hobrecht kommt selten allein

An den Rathenower Ehrenbürger Max Hobrecht erinnert seit zwei Wochen ein Gedenkstein auf dem Weinberg-Friedhof. Die wenigsten wissen, dass Hobrecht zwei berühmte Brüder hatte, die es in Berlin zu Ansehen brachten. Und dass die Eltern des Trios Rathenow zum Sitz des Familienclans erkoren hatten.

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Der Gedenkstein auf dem Weinbergfriedhof.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Max Hobrecht war im 19. Jahrhundert einer der einflussreichsten Bürger der Stadt Rathenow. An den Politiker und Literaten, der lange in Vergessenheit geraten war, erinnert seit zwei Wochen ein Gedenkstein auf dem Weinbergfriedhof. Auf Initiative des Vereins Memento und mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins Heimatmuseum Rathenow wurde die Tafel an jener Stelle aufgestellt, an der sich einst das Grab des 1899 verstorbenen Rathenower Ehrenbürgers befand.

Max Hobrecht stammte aus Königsberg. Dort wurde er am 13. Dezember 1827 geboren, sein Vater war Gutsbesitzer. Nach dem Studium arbeitete er als Journalist und ging, um den Revolutionswirren zu entgehen, 1848 für zwei Jahre nach Amerika. Nach seiner Rückkehr lernte er — wie genau, ist nicht bekannt — Marie Hübener, Tochter der gleichnamigen Rathenower Dampfmühlendynastie kennen. Die Semliner Heimatforscherin Heike Brett weist darauf hin, dass nicht klar ist, wann genau Hobrecht nach Rathenow übersiedelte. Belegt sei, dass die Heirat im Jahr 1865 stattfand. Marie Helene Hübener war die Tochter des Rathenower Dampfmühlenbesitzers und Ziegeleibesitzers von Lötze und Gülpe, Carl Hübener. Nach dem Tod seines Schwiegervaters führte Max Hobrecht mit seinem Schwager Karl Hübener die Dampfmühle als Teilhaber weiter.

Von Ostpreußen nach Rathenow

Heike Brett zufolge war aber schon Vater Ludolf Hobrecht in Rathenow heimisch geworden (was erklärt, warum Max Hobrecht überhaupt in die Stadt kam). Laut Kirchenbuch sei Ludolf Hobrecht am 18. Januar 1866 in Rathenow gestorben, so Brett. Der Eintrag in selbigem weise Ludolf Hobrecht als königlichen Ökonom und Commissionsrat aus. Das deute darauf hin, dass der Mann vom preußischen König an das Proviant Magazin auf der Magazininsel berufen worden war. Seine Ehefrau Isabella, geb. Johnson, sei am 24. August 1891 ebenfalls in Rathenow gestorben. Letzte Trägerin des Namens Hobrecht in Rathenow war Heike Brett zufolge die unverheiratete jüngste Tochter von Ludolf Hobrecht und Schwester von Max, Lavinia Hobrecht. Sie starb am 5. März 1928 ebenfalls in Rathenow. „Man kann somit aus gutem Grunde feststellen, dass der familiäre Mittelpunkt der Hobrecht-Familie Rathenow war“, sagt Heike Brett.

Um so verwunderlicher, dass die Familie in Vergessenheit geriet. Zwar habe es bis nach 1945 in Rathenow die Hobrechtstraße gegeben, die an den Rathenower Ehrenbürger erinnerte, sagt Heike Brett. „Der Name musste dann weichen, wie andere Straßennamen auch, die an Rathenows Geschichte erinnerten, wie die Hübener Straße, die Bergmann Straße und andere.“

Ganz anders erging es den älteren Brüdern Hobrechts, die zugegebenermaßen Bedeutenderes geschaffen haben als Max. Arthur Hobrecht (1824-1912) war für einige Jahre Oberbürgermeister in Berlin und später preußischer Finanzminister. James Hobrecht (1825-1902) modernisierte in der Zeit, als sein Bruder Oberbürgermeister war, das komplette Abwassersystem von Berlin. Nach ihm sind in Berlin zwei Straßen, eine Brücke sowie der Ort Hobrechtsfelde (Barnim) benannt.

Der Dichter Max Hobrecht

Max Hobrecht veröffentlichte Novellen und Gedichte, seine bekanntesten Werke: „Hutten in Rostock” (1886) und „Luther auf der Koburg” (1893).

In der Novelle „Der Triumph” machte er den Abriss des Jederitzer Tors zum Thema, und mit dem Gedicht „Die Linde” setzte er dem Baum, der vor seinem Rathenower Wohnhaus stand, ein literarisches Denkmal. Die Bücher Hobrechts erschienen im Rathenower Babenzien-Verlag.

Von Markus Kniebeler

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