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Einzigartige Gräber warten auf Rettung

Südwestkirchhof Stahnsdorf braucht Paten Einzigartige Gräber warten auf Rettung

Alte Gräber erfordern viel Pflege – und viel Geld. Das spendieren Paten, die die historischen Anlagen retten und im Gegenzug dort bestattet werden können. Doch ausgerechnet einem der berühmtesten Friedhöfe Brandenburgs, dem Südwestkirchhof Stahnsdorf, fehlen die Paten. Einzigartige Gräber und Mausoleen sind dem Verfall preisgegeben.

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Über 200 repräsentative Grabwände stehen auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf und warten auf Paten, die sie retten

Quelle: Friedhofsverwaltung

Potsdam-Mittelmark. In Stahnsdorf machen sie es wie in Bornstedt, und trotzdem läuft die Friedhofspatenschaftsaktion nur schleppend. Mindestens 200 repräsentative Grabwände des 19. und 20. Jahrhunderts stehen auf dem weitläufigen Südwestkirchhof, dazu 22 Mausoleen aus den 20er Jahren und hunderte denkmalgerechte Gräber ohne aktuellen Schutzsstatus.

Erster Pate für das Expressionismus-Grab

Seit dem Jahr 2000 wirbt man um rettende Patenschaften. Die erste schloss man für das Grab des Kaufmanns und Kunstmäzens August Wissinger, man kennt es eher als das Expressionismus-Grab von Max Taut; der es geschaffen hat.

Bisher nur 43 Paten

Seither haben sich nur 43 weitere Paten gefunden, bedauert Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt. Seiner Ansicht nach läuft das System in Potsdam besser, weil der Bornstedter Friedhof in einem Stadtgebiet und in der Nähe von Sanssouci liegt, „klein und überschaubar. Bei uns sind die Gräber viel größer, und Paten schrecken vor größeren Kosten zurück.“ Außerdem sei das Stahnsdorfer Areal so weitläufig, dass man Besucher und potenzielle Paten gezielt zu Grabanlagen führen muss, für die man sich eine Patenschaft wünscht.

Einmalig in der Region: Sein Grab im alten Mausoleum

„Zunächst“, so Ihlefeldt, „haben unsere Paten gar keine Idee, was sie suchen. Wir sagen ihnen aber, dass sie eine Art Vorsorge betreiben“, indem sie sich ein Grab sichern, das Seltenheitswert hat. Sogar einmalig in der Region, falls man sich um ein Mausoleum kümmert.

Das Mausoleum für Konsul Müller

Das Mausoleum für Konsul Müller.

Quelle: Friedhofsverwaltung

Sowas neu zu bauen, ist nämlich in den Bundesländern Brandenburg und Berlin verboten, aber bestehende Grabanlagen dieser Art kann man nachnutzen. Manchem gefällt die Vorstellung, dass sein Sarg mal in so einem Gebäude steht.

Neuer Name auf altem Grabstein

Der gesamte Komplex ist denkmalgeschützt; also sind es auch die Gräber darauf. Der jeweilige Stein muss Ihlefeld zufolge in jedem Fall stehen bleiben. Man kann aber die Namen früherer Verstorbener durch Abschleifen tilgen, falls sie keine Zeugnisse der Zeitgeschichte sind oder von künstlerischem Werk.

Paten in Stahnsdorf

Der Südwestkirchhof Stahnsdorf wurde im Jahr 1909 für die evangelischen Kirchengemeinden des Berliner Stadtsynodalverbandes sowie die damaligen Stadtkreise Charlottenburg und Schöneberg angelegt.

Partner in der Trägerschaft waren also ein konfessionell orientierter Synodalverband und konfessionell ungebundene Gebietskörperschaften.

Der Friedhof liegt südwestlich von Berlin, außerhalb der Stadtgrenzen, auf dem Gebiet der brandenburgischen Gemeinde Stahnsdorf und ist mit einer Gesamtfläche von rund 206 Hektar einer der größten Friedhöfe europaweit sowie nach dem Hauptfriedhof Ohlsdorf in Hamburg Deutschlands zweitgrößter Friedhof.

Aufgrund seines Waldcharakters sowie der Vielzahl historisch wertvoller Grabmäler und anderer Bauwerke steht die Begräbnisstätte in der Brandenburgischen Denkmalliste und stellt eine der wichtigsten Park- und Landschaftsdenkmäler im Berliner Großraum dar.

Patenschaftsinteressenten wenden sich bitte an die Friedhofsverwaltung unter Tel. (03329) 62315.

Von Rainer Schüler

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