Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Regen

Navigation:
Südwestkirchhof Stahnsdorf bestattet nicht mehr anonym

Mindestens ein Name an der Grabsäule Südwestkirchhof Stahnsdorf bestattet nicht mehr anonym

Auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf finden keine anonymen Beisetzungen mehr statt. Alternativ bietet Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt ein Begräbnis unter Bäumen oder in der Urnengemeinschaftsanlage an. Die Fläche für die anonymen Bestattungen war immer wieder mit Blumen, Kerzen und Plüschtieren überfüllt worden, was laut Friedhofsordnung nicht erlaubt ist.

Voriger Artikel
Erbfälle in der EU: Europäisches Nachlasszeugnis kommt
Nächster Artikel
Totenglocke wird bald zum Abschied läuten

Die Urnengemeinschaftsanlage als Alternative zur anonymen Bestattung.

Quelle: Foto: Bernd Gartenschläger

Stahnsdorf. Auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf finden keine anonymen Beisetzungen mehr statt. „Wir haben diese Form der Bestattungskultur bereits vor drei Jahren aufgegeben, weil uns der Umgang der Hinterbliebenen damit immer wieder Probleme machte“, begründet Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt die Entscheidung. Die Rasenfläche, auf der die unbekannten Verstorbenen namenlos beigesetzt wurden, sei zuletzt mit Blumen, Kerzen und Plüschtieren überfüllt gewesen. Die Friedhofsmitarbeiter hätten jedesmal viel zu tun gehabt, den Grabschmuck wieder zu entfernen und somit die Anonymität der Anlage wiederherzustellen. Laut Friedhofsordnung dürfen anonyme Grabstätten nicht geschmückt werden. Das hätten die Verstorbenen zu Lebzeiten bei der Auswahl ihres Begräbnisses aber auch gewusst und dafür eine Anerkennungserklärung unterschreiben müssen.

„Oft haben die Verstorbenen ihre Entscheidung für sich allein getroffen, ohne mit den Angehörigen darüber zu reden. Manche von denen bedauerten dann den letzten Willen ihres Familienmitgliedes. Doch der ist für uns bindend“, sagt der Friedhofsverwalter. Er kann die Hinterbliebenen verstehen. Die Menschen bräuchten einen Ort zum Trauern und seien deshalb trotzdem zu den Grabstätten gekommen, weil Anonymität nicht gut für die Seele sei, sagt Ihlefeldt. „Wenn wir mit den Familien nach der Trauerfeier auf die Rasenfläche gegangen sind, haben einige versucht, sich einen Busch oder einen Ast zu merken, mit dessen Hilfe sie die Stelle später wiederfinden können.“

Die evangelische Kirche hatte sich nach Ihlefelds Worten Mitte der 1990-Jahre „dazu hinreißen“ lassen, dem neuen Trend anonymer Bestattungen zu folgen. In mehr als 15 Jahren hätten sich auf der Rasenfläche auf dem Südwestkirchhof mehr als 2000 Menschen ohne einen Nachweis ihrer Identität beisetzen lassen. Ihre Gründe dafür seien unterschiedlich gewesen. Oft wollten die Verstorbenen ihre Hinterbliebenen nicht mit der Pflege eines Grabes belasten. In anderen Fällen waren die Angehörigen in andere Regionen verzogen. Für manchen war es einfach nur eine preiswerte Bestattung.

In den vergangenen Jahren hat Olaf Ihlefeldt aber auch einen Wandel im Bewusstsein vieler Menschen weg von der Anonymität und wieder hin zu einem namentlichen Begräbnis feststellen können. Er führt dieses Umdenken auch auf die regelmäßigen Führungen des Fördervereins Südwestkirchhof Stahnsdorf zurück, bei denen Besucher viel über Bestattungsformen und deren Bedeutung erfahren.

Als Alternative zur anonymen Bestattung bietet der Friedhofsverwalter die Beisetzung unter Bäumen beziehungsweise auf einer Urnengemeinschaftsanlage an. Auf der parkähnlichen Grünfläche haben die Angehörigen auch die Möglichkeit, Blumen an jener Säule niederzulegen, an der der Name ihres Familienmitgliedes oder Freundes angebracht ist.

Von Heinz Helwig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Trauer & Gedenken
Friedhofsimpressionen

Bilder von Friedhöfen der Region Brandenburg

Ratgeber im Trauerfall