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Kinder gehen Grabmalsymbolen auf den Grund

Stahnsdorfer Südwestkirchhof Kinder gehen Grabmalsymbolen auf den Grund

Zum Saisonstart auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf spricht Friedhofsleiter Olaf Ihlefeldt über neue Projekte, Wünsche für die Zukunft, über Sanierungen und Zerstörungen. Am 23. April findet der traditionelle Frühjahrsputz statt.

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In diesem Jahr will der Förderverein dieses Grabdenkmal aus den 1920er Jahren sichern.

Quelle: Privat

Stahnsdorf. Die neue Saison auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf hat begonnen. Mit der Eröffnung des Informationshäuschens durch den Förderverein und dem Start ins Veranstaltungsjahr mit Führungen, Lesungen, Wandelkonzerten, Stummfilmabend und Arbeitseinsatz herrscht gleich wieder mehr Leben auf dem Friedhof. Die Bilanz für 2015 ist gut: Bis zu 2000 Gäste kamen allein zu den Veranstaltungen auf die international herausragende Begräbnisstätte. Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt ist immer noch selbst „überrascht“. Die Besucherströme wachsen kontinuierlich. „Zu den Führungen kommen nie weniger als 20, manchmal sogar bis 120 Gäste.“ Immer öfter kämen Touristen aus Potsdam und Berlin, die sich einen Abstecher „unbedingt“ vorgenommen hatten. „Der Südwestkirchhof ist deutlich lebendiger geworden“, sagt Ihlefeldt. Seine Vision: Den Friedhof „ausgewogen zum Trauer- und Kulturort“ zu entwickeln.

Das Informationshäuschen des Fördervereins ist an den Wochenenden wieder geöffnet

Das Informationshäuschen des Fördervereins ist an den Wochenenden wieder geöffnet. Dort gibt es Hinweise, Broschüren und die beliebten Audio-Gides. Diese werden jetzt kostenlos an die Gäste verteilt.

Quelle: Privat

Aber nicht nur die Zahl der Besucher steigt. Auch die Bestattungen nehmen „massiv“ zu: Gab es in den 1990er Jahren rund 80 im Jahr, sind es heute 800 bis 1000.

Eine große Aktie an der guten Resonanz hat der Förderverein mit 270 Mitglieder. 18 Ehrenamtler stehen immer an den Wochenenden in dem Info-Häuschen bereit, um Fragen zu beantworten, Hinweise sowie Broschüren, Literatur, Lagerpläne und 50 Audio-Guides, gespendet von Siemens, herauszugeben. Letztere erhalten die Gäste ab sofort kostenlos; die Woche über nun auch im Verwaltungsbüro. Bis zu acht Stunden kann jeder mit dem digitalen Friedhofsführer zu 34 Stationen laufen und Interessantes erfahren; 14 weitere Standorte sollen folgen.

Der frühere Leih-Obolus von 3 Euro ist ab jetzt passé. „Die Bereitschaft, zu zahlen war gering, aber nach den Führungen sind die Menschen oft so sehr begeistert und spenden 5 bis 30 Euro“, erzählt Ihlefeldt. Das Geld fließt auf das Konto, von dem der Verein auch Sanierungen bezahlt. Wie bereits berichtet, sollen diesmal die verschlissenen Textilbehänge in der Holzkirche restauriert und ein Kolonadenähnliches Grabdenkmal neben der Kirche gesichert werden. 20 000 Euro macht der Verein selbst locker; 5000 Euro kommen von der Denkmalbehörde für die Altartextilien hinzu. Allein 2015 bekam der Förderverein 4000 Euro Kleinspenden.

Der Verein unterstützt die Kirche beim aufwendigen Erhalt des Kulturdenkmals. Für Rückschläge sorgen immer wieder Angriffe von Dieben und Wildschweinen. Nach den Aufsehen erregenden Kupferdiebstählen 2013 hatten massive Polizeieinsätze offenbar Wirkung gezeigt. Für weltweites Entsetzen hat 2015 jedoch der Diebstahl des Schädels von Stummfilmregisseur Friedrich-Wilhelm Murnau gesorgt. „Das war wirklich die Krönung“, sagt Ihlefeldt. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen. Etwas eingedämmt scheint die Wildschweinplage durch gesicherte Zäune und regelmäßige Jagden. Anfang dieses Jahres fand bereits eine statt, eine zweite zum Jahresende will Ihlefeldt noch beantragen.

Friedhofsleiter Olaf Ihlefeldt mit der Friedhofsapp, die es seit knapp zwei Jahren gibt

Friedhofsleiter Olaf Ihlefeldt mit der Friedhofsapp, die es seit knapp zwei Jahren gibt.

Quelle: Gartenschläger

Erfolgreich etabliert sieht der Friedhofsleiter die Kinder- und Jugendarbeit. Immer mehr Kitas und Schulen kämen. In diesem Sommer will er ein Projekt seiner europäischen Kollegen nach Stahnsdorf holen und Kinder Grabmalsymbole entdecken und deuten lassen. Im Ergebnis sollen Zeichnungen für eine Ausstellung entstehen. Und einen Jugendaustausch zwischen dem Stahnsdorfer Gymnasium und einer Schule in Barcelona will er auf den Weg bringen. „Friedhofskultur und Themen wie Sterben, Tod, Trauer gehören auch zum Leben“, so Ihlefeldt.

Führungen und Putzaktion

Die nächsten Führungen finden am 2. April um 11 und 14 Uhr statt. Die Geschichten und Biografien zu bedeutenden Verstorbenen und den monumentalen Grabbauten vermittelt Olaf Ihlefeldt den Besuchern während der fast dreistündigen Tour.

Diese Führungen werden an jedem ersten Samstag zweimal angeboten. Im Mai beginnen auch die Kinderführungen wieder.

Der traditionelle Frühjahrsputz findet am 23. April von 9 bis 15 Uhr statt.

Der Friedhof ist vom 1. April bis 30. September von 7 bis 20 Uhr geöffnet. Das Info-Häuschen ist am samstags und feiertags von 13 bis 17 Uhr und sonntags ab 10 Uhr mit Vereinsmitgliedern besetzt.

Kontakt: 0179/3793503 und www.suedwestkirchhof.de

Von Claudia Krause

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