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Kriegsgräber werden erneuert

Goethefriedhof Babelsberg Kriegsgräber werden erneuert

Auf dem Goethefriedhof befinden sich Grabstätten von 44 Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Doch die Grabsteine liegen im Schuttcontainer und die Grabstellen sind stellenweise aufgewühlt. Es sieht nicht danach aus, doch die Kriegsgräberstätte wird derzeit erneuert.

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Potsdamer Garde-Jäger im August 1914 auf dem Weg an die Front.

Quelle: Sammlung Steinborn

Babelsberg. Derzeit ist der Anblick der Kriegsgräberstätte auf dem Babelsberger Goethefriedhof erschreckend. Es scheint, als wäre die Anlage für Gefallene aus dem Ersten Weltkrieg abgeräumt worden. In einem Container stapeln sich die aus dem Boden gerissenen 44 Grabsteine. Sogar die Fundamente der in drei Reihen angeordneten Steine wurden entfernt. Dabei bestimmt das Gräbergesetz, dass Kriegsgräber „dauernd“ bestehen bleiben, also bis in alle Ewigkeit.

Als hätten Wildschweine gewütet – die Grabstellen sind derzeit nicht als solche erkennbar

Als hätten Wildschweine gewütet – die Grabstellen sind derzeit nicht als solche erkennbar.

Quelle: Christel Köster

„Die Inschriften der Grabsteine waren nicht mehr oder nur schwer lesbar, Risse in den Steinen ermöglichten das Eindringen von Wasser, was einen langsamen Zersetzungsprozess des Materials in Gang setzte“, sagt Gunther Butzmann, Leiter des Fachbereichs Friedhöfe in der Potsdamer Stadtverwaltung. Bei mindestens zwei Grabsteinen wurde bei der letzten Begehung festgestellt, dass sie nur „lose auf dem Sockel“ standen und umzustürzen drohten.

„Daraufhin haben wir uns dazu entschlossen, um auch die Nachhaltigkeit der Anlage zu sichern, die Grabsteine in alter Form und mit den uns bekannten originalen Inschriften neu zu fertigen“, sagt Butzmann. Da die Fundamente nicht mehr den heutigen Richtlinien des Steinmetzhandwerks entsprächen, habe man diese aus dem Boden holen müssen. Jede Grabstätte und jeder Kriegstote erhalte wieder seinen individuellen Grabstein.

Die alten Steine werden nicht aufgearbeitet, sondern weggeworfen und stehen derzeit etwas pietätlos in einem Container auf dem Friedhof

Die alten Steine werden nicht aufgearbeitet, sondern weggeworfen und stehen derzeit etwas pietätlos in einem Container auf dem Friedhof.

Quelle: Christel Köster

Die Anlage bewahre nach Abschluss der Rekonstruktionsarbeiten ihren alten Charakter. Da sie nicht unter Denkmalschutz steht, sei die Denkmalpflege nicht beteiligt worden und da es keine Umbettungen gegeben habe, wurde auch die Kriegsgräberfürsorge nicht informiert.

Bis Anfang November werden die Gräber erneuert

Derzeit werden die neuen Grabsteine von der Naturstein Potsdam GmbH mit Sitz in Babelsberg erneuert. Bereits Ende Oktober sollen die Steine wieder an ihren angestammten Platz gelangen und ab Anfang November der alte Eindruck wieder hergestellt sein. Insgesamt 22 000 Euro kostet laut der Stadt die Erneuerung der Anlage.

Die Errichtung der Kriegsgräber auf dem Friedhof an der Goethestraße begann direkt nach Kriegsbeginn 1914 und reichte bis in die unmittelbare Nachkriegszeit. „ Ob alle Gefallenen Deutsche waren, ist nicht genau bekannt. Anhand der Namen auf den Grabkarten ist aber davon auszugehen“, heißt es bei der Friedhofsverwaltung.

Die Gefallenen des Ersten Weltkriegs

Die Stadt Nowawes, das heutige Babelsberg, beklagte insgesamt 403 seiner Einwohner als gefallene Soldaten im Ersten Weltkrieg.

Zwei Gedenktafeln im Turm der Friedrichskirche am Weberplatz listen alle ihre Namen auf. Manche Sterbedaten reichen bis ins Jahr 1920. Diese Männer starben vermutlich an Spätfolgen von Kriegsverletzungen.

In Potsdam zählten 1664 Männer von rund 60 000 Einwohnern als Kriegsgefallene. Den Hinterbliebenen wurde 1927 ein Gedenkbuch überreicht, in dem alle Namen aufgelistet waren. Eine zentrale Gedenkstätte entstand mit der Sportanlage am Luftschiffhafen, die 1926 als „Kampfstätte“ der Stadt Potsdam „dem Andenken ihrer Heldensöhne“ gewidmet war.

Die wenigsten Gefallenen davon sind tatsächlich auf Babelsberger und Potsdamer Friedhöfen bestattet. Der Großteil der etwa 11 Millionen gefallenen Soldaten ist unbekannt begraben. Die Opfer der Grenzschlachten in Nordfrankreich und Belgien liegen häufig auf großen Soldatenfriedhöfen in der Nähe der einstigen Frontlinien.

Neben den Soldaten sind zwischen 1914 und 1918 geschätzte 7 Millionen Zivilisten umgekommen.

Von „Bayer“ bis „Zinnow“ reichen die Namen, vom Landsturmmann und Freiwilligen bis zum Unteroffizier reichen die Ränge der Gefallenen. Auch die Dienstgrade und Verwendungen sind auf den Grabsteinen vermerkt. Viele Grenadiere, Musketiere und Landsturmmänner sind darunter, auch ein Kraftfahrer und Minenwerfer, sowie ein Flieger und Matrose. Der Jüngste war gerade 20 Jahre alt, der Älteste auch nur 47 Jahre alt geworden.

In mindestens 18 der 44 Grabstätten liegen Babelsberger

Wie viele Babelsberger unter den dort Bestatteten liegen, weiß niemand. 403 Gefallene aus dem damaligen Nowawes werden auf zwei Gedenktafeln im Turm der Friedrichskirche auf dem Babelsberger Weberplatz genannt. Ein Abgleich mit den 44 Gräbern auf dem Goethefriedhof ergibt mindestens achtzehn Übereinstimmungen.

Im August 1914 wurden diese Potsdamer Garde-Jäger an die Front nach Belgien und dachten, sie kämen bald darauf siegreich zurück

Im August 1914 wurden diese Potsdamer Garde-Jäger an die Front nach Belgien und dachten, sie kämen bald darauf siegreich zurück. Tatsächlich waren nach vier Jahren Krieg 11 Millionen Soldaten gefallen, darunter über 2000 Menschen aus Potsdam und Babelsberg.

Quelle: Sammlung Steinborn

Die Gräber aus dem Ersten Weltkrieg sind nicht die einzigen Kriegsgräber auf dem Goethefriedhof. Dort gibt es auch eine Grabstätte für Gefallene des Zweiten Weltkriegs und für Opfer des Bombenangriffs auf Potsdam am 14. April 1945. Eine Stele erinnert zudem an Hunderte von Zwangsarbeiter aus Polen, der Sowjetunion, Frankreich und den Niederlanden, die in Babelsberg arbeiteten und starben.

Von Peter Degener

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