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Magie der kleinsten Maske

Der Klinik-Clown Christoph Gilsbach über Humor in der Sterbebegleitung Magie der kleinsten Maske

Christoph Gilsbach kennt das schon: Wenn Gilsbach rote Clownsnasen im Publikum verteilt, beginnt das Gekicher. Nachdem sich die Ersten die roten Nasen aufgesetzt haben, ist auch der Rest der Zuhörer nicht mehr zu bremsen. Alle wollen eine rote Nase. "Magie der kleinsten Maske", nennt Gilsbach das. Die Magie hilft auf Kinderstationen in Krankenhäusern, in Altersheimen und auch in Hospizen.

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Quelle: MAZ

Neuruppin. Seit 16 Jahren arbeitet der Pantomime Gilsbach als Clown am Universitätsklinikum Münster. Bei Hospizinitiativen gastiert er mit seinem Pantomimenreigen "Das Leben". Am Montagabend sprach Gilsbach, der sich selbst "Humorschaffender" nennt, in Neuruppin über "Humor in der Sterbebegleitung". "Geht das?", so lautet die Unterzeile seines Vortrages. Doch für Gilsbach stellt sich diese Frage eigentlich nicht. Natürlich geht das.

"Humor ist eine Haltung", sagt Gilsbach. "Humor ist eine Bereitschaft." Auch auf der Onkologie darf gelacht werden ‒ wenn Patienten dafür offen sind. Niemals würde Gilsbach seine Witze aufdrängeln. Lachen kann schließlich nicht verordnet werden. Er bietet sich an und schaut, was möglich ist. "Ich stelle mich mit meinem Mitgefühl dazu."

Natürlich kommt auch Gilsbach an seine Grenzen. Manchmal ist die Verzweiflung so groß, dass keine Clownsnase hilft. Mitunter ist er selbst bedrückt oder übellaunig. Erst sein Kostüm macht ihn dann zum Possenreißer. "Meine Umkleide ist der Transformator", sagt er. Im Anzug von Professor Spaghetti fällt es ihm deutlich leichter, mit schwerstkranken Kindern zu scherzen.

Lachen lindert Schmerzen. Es schafft Distanz. Und es hilft, eine andere Perspektive auf die eigene Situation zu gewinnen. Da ist sich Gilsbach ganz sicher. "Humor ist die Trotzmacht", sagt er. "Er ist die Waffe gegen die Angst."

Wie aber bringt man jemanden zum Lachen, dem vielleicht gar nicht nach Lachen zumute ist? Und wo vor allem sind die Grenzen des Anstands? Darauf kann Gilsbach keine konkrete Antwort geben. Man muss sich auf sein Gefühl verlassen. Vorsichtig ausloten, was geht. "Ich weiß nie, was passiert, wenn ich in ein Zimmer komme."

Gilsbach rät zum beherzten Witze- und Sprüchereißen. Er selbst hat jede Menge humoriger Sprüche und Reime auf Lager ‒ Ringelnatz, Woody Allen, die Marx Brothers und viele andere. Oft bittet er auch Patienten, selbst einen Witz zu erzählen. In Neuruppin, wo er am Montagvormittag mit einer seiner Humorinterventionen im Einsatz war, hat er damit gute Erfahrungen gemacht. "Alles fing ganz still und leise an", sagt Gilsbach. Am Schluss wollte jeder einen Witz loswerden. "Das wurde plötzlich noch richtig laut."

Mitunter kann auch hilfreich sein, etwas für den Patienten Unerwartetes zu tun. "Schreiben Sie mit einem riesengroßen Bleistift auf einen winzigen Zettel", rät Gilsbach. "Gehen Sie rückwärts oder setzen Sie sich eine Pudelmütze auf den Kopf." Seine Zuhörer ‒ darunter viele, die sich ehrenamtlich in der Sterbebegleitung engagieren ‒ reagieren ein wenig skeptisch. Gilsbach versucht deshalb zu beruhigen. Ungehemmt albern sein, einfach mal aus der Rolle fallen ‒ das funktioniert meist nur, wenn man sich auch kennt. "Wenn ein Bekanntheitsgrad besteht, kann man es wagen", sagt der Klinik-Clown. "Ansonsten sollte man natürlich nichts forcieren."

Von Frauke Herweg

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