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Mit einem Gefühl der Trauer

Stolpersteine in Spandau zum zweiten Mal verlegt Mit einem Gefühl der Trauer

Die Gedenksteine für die in Auschwitz ermordeten Mitglieder der jüdischen Familie Salomon, die einst in Spandau lebte, waren im Sommer geschändet und gestohlen worden. Am 9. November nun wurden die Stolpersteine zum zweiten Mal verlegt.

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Marion Schubert, eine Verwandte der Ermordeten, legte Rosen neben die drei Stolpersteine.

Quelle: Hans-Peter Theurich

Spandau. Vor 77 Jahren waren die Straßen in Deutschland voller Glassplitter. Die Nationalsozialisten hatten in der Nacht des 9. November 1938 die Schaufenster jüdischer Geschäfte zerschlagen und Synagogen in Brand gesteckt. Zur Erinnerung an drei ermordete Mitglieder der Spandauer Familie Salomon gab es am Montag eine Feierstunde vor ihrem früheren Wohnsitz in der Lutherstraße 13.

Die Pogromnacht war das Signal zum industriell organisierten Massenmord an den Juden Europas. Vor den Häusern der letzten frei gewählten Wohnorte erinnern Stolpersteine an die Opfer. Solche goldschimmernden Gedenktäfelchen sollten in der Lutherstraße an Zilka Salomon und ihre Kinder, Leonie und Gerhard, erinnern. Sie wurden im Frühjahr 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Doch wenige Tage, nachdem der Künstler Gunter Demnig in diesem Sommer die Steine verlegt hatte, wurden sie geschändet und einer sogar gestohlen. Am Montag, dem Jahrestag des grauenhaften Novemberpogroms in Deutschland, gedachten 60 Jugendliche und Erwachsene aus Spandau der Opfer mit neuen Stolpersteinen. Sie waren schon am Freitag verlegt worden.

Das Schicksal der Familie Salomon hatten Schüler des Oberstufenzentrums Technische Informatik, Industrie-Elektronik und Energie-Management mit Unterstützung der Spandauer Jugendgeschichtswerkstatt erforscht. „Gerade technische Betriebe waren für das Funktionieren der Konzentrationslager notwendig, daher ist für uns die Kenntnis der deutschen Vergangenheit besonders wichtig“, sagte Christian Maasz, Lehrer für Elektrotechnik und Politik.

Anita, Tochter von Zilka Salomon, gelang die Flucht nach Israel. Andere Verwandte flohen nach Schanghai. Dort kam Marion Schubert, geborene Salomon, zur Welt. Sie lebt heute in Berlin und nahm an der Feier teil. „Natürlich war ich traurig über den Diebstahl und die Schändung. Einige meiner Verwandten waren sehr schockiert. Doch für mich überwiegt das Positive und die Anteilnahme, die ich erlebe. Dankbar bin ich vor allem den Jugendlichen und ihrer Initiative. Gemischte Gefühle bleiben zurück“, sagte sie und legte Rosen neben die Stolpersteine.

Zuvor hatte Kantor Assaf Levitin das Gebet „Erbarmungsvoller Gott“ gesungen, ein Totengedenken. Sehr bewegend war, die Namen der Ermordeten zu hören im hebräischen Text und die Bezeichnung der Hölle auf Erden: Auschwitz.

Auch Schüler der benachbarten Lynar-Grundschule hatten Rosen mitgebracht. Spandaus Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) appellierte an sie: „Diese Stolpersteine liegen in der Nachbarschaft eurer Schule hier in der Neustadt. Achtet bitte gut auf sie, damit sie nicht wieder gestohlen werden!“

Von Judith Meisner

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