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Mittelmark: Immer mehr Sterbebegleiter

Deutscher Hospiztag Mittelmark: Immer mehr Sterbebegleiter

Es ist ein sehr sensibles Thema und jeder Mensch geht anders damit um. Ob der eigene Tod naht oder der Verlust eines Angehörigen droht – in diesen Situationen helfen Hospizdienste, die Betroffenen auf ihrem Weg zu begleiten. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark gibt es immer mehr Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren.

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Angela Schmidt-Gieraths (rechts) ist zufrieden mit der Arbeit ihrer Ehrenamtler.

Quelle: Uwe Klemens

Mittelmark. Wenn eine Familie nach dem Tod eines Angehörigen zusammenrückt, wieder zurückfindet in ein gutes Ritual und gestärkt aus einer Krise hervorgeht, hat Angela Schmidt-Gieraths ihre Arbeit getan. Sie ist die Koordinatorin des ambulanten Hospiz- und Palliativdienstes im Landkreis Potsdam-Mittelmark und möchte am Deutschen Hospiztag betonen, dass es wichtig ist, Trauer zuzulassen, zu erleben, zu fühlen und ihr Ausdruck zu geben.

Das Thema Sterben müsse klar benannt und dürfe nicht beschönigt werden. „Familien sollten eingebunden werden in den Sterbeprozess als eine Art von Trauerbewältigung. Hospizarbeit bedeutet für mich vor allem, dass Sterben ein Stück des Lebens ist“, sagt sie. Wenn man das Gefühl habe, es nicht alleine zu schaffen, sei es wichtig, sich Unterstützung zu holen. Wenn sie dann zum ersten Mal in die Familien kommt, seien diese oft sehr erleichtert.

Balanceakt der Angehörigen

In den letzten Jahren hat die Zahl der Ehrenamtler im Landkreis zugenommen, inzwischen haben sich 75 Helfer gefunden, darunter fünf Männer. Der Hospizdienst, dessen Träger das Evangelische Diakonissenhaus in Kloster Lehnin ist, möchte vor allem das häusliche Sterben möglich machen, damit die Menschen so lange wie möglich in ihrem eigenen zu Hause bleiben können. Angela Schmidt-Gieraths ist sich bewusst, dass dies oft ein Balanceakt der Angehörigen ist, vor allem, weil viele nebenbei arbeiten oder andere Verpflichtungen haben: „Bei langen Krankheitsfällen und Sterbeverläufen stoßen sie oft an ihre Grenzen. Es ist gut, wenn das soziale Netz möglichst groß ist, um Unterstützung zu bekommen.“

Viel Feingefühl und etwas an die Hand geben

Einmal in der Woche spricht ein Ehrenamtler mit dem Betroffenen und seinem nahen Angehörigen über die Situation oder unternimmt mit ihnen alltägliche Dinge wie Zeitung lesen, backen oder spazieren fahren. Im Idealfall stimmt er sich mit der Familie und Freunden ab, so dass die Zeit gut eingeteilt ist. Viel Feingefühl muss er besitzen und die Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen in der Beurteilung, was richtig und was falsch ist, weiß Schmidt-Gieraths. Ihnen etwas an die Hand zu geben sei gut, man solle dies aber nicht auf Zwang überstülpen wollen. „Mit jemandem zu sprechen, der offen ist und einen neutralen Blickwinkel hat, kann sehr entlastend sein“, ergänzt sie. Manchmal sei es jedoch schwierig, an die Menschen heranzukommen, nicht bei jedem gelinge eine gute Kommunikation. In manchen Fällen unterscheiden sich auch die Wirklichkeitsbilder: Sterbende wissen oft, dass es keine Hoffnung mehr für sie gibt, Angehörige können das häufig bis zum Schluss nicht einsehen. Aufgabe der Sterbebegleiter ist es hier, die beiden Partien aufeinander zuzubewegen.

Trauerbegleiter für eine längerfristige Betreuung

Ihre Arbeit ist für die Angehörigen mindestens genauso wichtig wie für den Sterbenden selbst, ist sich Angela Schmidt-Gieraths sicher: „Sie bleiben zurück und müssen mit dem Verlust leben. Wir räumen auch gewisse Ängste aus.“ Nach dem Tod ist der Redebedarf der Hinterbliebenen sehr groß, auch dann noch haben sie die Möglichkeit, sich mit dem Ehrenamtler auszutauschen. Für eine längerfristige Betreuung sind Trauerbegleiter da, die ebenfalls Hausbesuche machen. Im Landkreis gibt es zudem verschiedene Angebote, um ins Gespräch zu kommen und eine Idee davon zu erhalten, wie andere Menschen mit ihrer Situation umgehen: Trauercafés gibt es sowohl in Werder (Havel) am Plantagenplatz im Treffpunkt als auch in Bad Belzig in den Räumen der Tageshospiz.

Info : Wer sich für eine Ausbildung in der Hospizarbeit interessiert, kann diese Anfang 2016 in Teltow beginnen, das Datum steht noch nicht genau fest. In zwei Mal acht Abendterminen und einem Praktikum im Sommer wird man zum ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter ausgebildet. Information unter 0178/21 18 335.

Von Melanie Höhn

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