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Oranienburgerin schildert den 20. April 1945

Bombenabwurf vor 71 Jahren und Bombenentschärfung am 20. April Oranienburgerin schildert den 20. April 1945

Der 20. April als Tag der Entschärfung einer weiteren Bombe in Oranienburg ist für Marianne Berger (83) ein symbolträchtiges Datum. Denn an diesem Tag im Jahre 1945 ereignete sich der letzte Bombenangriff auf die Stadt. Gegen 9.45 Uhr, so erinnert sich Marianne Berger, die damals zwölf Jahre alt war, fielen die Bomben.

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Marianne Berger erinnert sich genau an den 20. April.

Quelle: Bergsdorf

Oranienburg. Der 20. April als Tag der Entschärfung einer weiteren Bombe in Oranienburg ist für Marianne Berger (83) ein symbolträchtiges Datum. Denn an diesem Tag im Jahre 1945 ereignete sich der letzte Bombenangriff auf die Stadt. Amerikanische Bomber starteten am Morgen in England. Gegen 9.45 Uhr, so erinnert sich Marianne Berger, die damals zwölf Jahre alt war, fielen die Bomben. Laut historischer Aufzeichnungen der US Air Force wurden 540 Bomben mit einem Gewicht von 250 Kilogramm und 135 500-Kilo-Bomben abgeworfen. Dabei wurden Rangiergleise, Gleise und Lagerhallen zerstört. Damit sollten Truppenbewegungen auf deutscher Seite behindert werden.

Nach dem Bombardement, so Marianne Berger, habe Ortsgruppenführer Wittich an der Kreuzung Adolf-Hitler-Damm/Kurfürstenstraße, heute Bernauer Straße/André-Pican-Straße, eine Rede an die Oranienburger geschwungen. Diese sollten nicht flüchten, sondern zu ihrer Heimatstadt stehen. Außerdem würden die Russen nicht über die Oder kommen. Letzteres zog Mariannes Vater laut hörbar in Zweifel, worauf Wittich ihm mit KZ drohte.

Wittich sei dann am Abend des Tages aus seinem Wohnhaus an der heutigen Wiesbadener Straße verschwunden gewesen. Marianne und ihre Freundin Edith sprangen über die Ein-Mann-Schutzlöcher auf der Wiese am Lehnitzsee. Plötzlich stand ein Soldat mit Tschapka und rotem Stern an der Mütze vor ihr. Der Mann und das Mädchen seien gleichermaßen erschrocken gewesen. Marianne rannte weg und schrie Edith zu: „Die Russen, los weg!“

Zu Hause an der Kurfürstenstraße machten sich Mariannes Eltern mit Edith und deren Mutter auf Fahrrädern auf den Weg zur Oma nach Norden in Richtung Radensleben bei Altruppin. Auf der Fernstraße 96 sahen die Flüchtenden viele tote Häftlinge liegen, mit Genickschuss. Die Fahrradfahrer überholten mehrere Häftlingskolonnen, die von SS-Leuten und Hunden bewacht aus dem KZ Sachsenhausen Richtung Ostsee getrieben wurden. Die Bilder der ausgemergelten Menschen wird Marianne Berger nie vergessen.

Natürlich waren die Russen auch bald in Radensleben. Doch Oma konnte ein bisschen Russisch. Außerdem hatte die Wehrmacht in einer Gulaschkanone auf Omas Drei-Seiten-Hof gerade Eintopf gekocht. Oma empfing die Russen mit weißer Fahne und heißem Essen. Daraufhin erhielt sie gleich eine weiße Armbinde und war damit zur Dolmetscherin befördert worden.

Von Marion Bergsdorf

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