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Reinhold, Johannes

Waldfriedhof Kleinmachnow Reinhold, Johannes

Verfasser des Standardwerkes "Der Garten wie er sein soll"

Quelle: Repro: HPH

Kleinmachnow. Er fehlt so sehr. Noch mehr aber könnten die Neuen von Kleinmachnow derzeit sein Standardwerk vermissen: "Der Garten wie er sein soll". Denn: "Mehr Obst, besseres Gemüse und größere Freude bringt der Garten nur dann, wenn er zweckmäßig angelegt und sachgemäß bewirtschaftet wird." Hierzu mangelt es jedoch vielen an den entsprechend guten Anleitungen, zumal das märkische Klima einiges abverlangt.
Johannes Reinhold beschreibt in diesem "Handbuch des Kleingartenbaues" nicht nur die Vorgänge der Gartenarbeit. Er macht aus seiner wissenschaftlich-gärtnerischen Erfahrung heraus auch mit den Grundlagen des Pflanzenlebens vertraut. Das hatte sich in den frühen Jahren der DDR nicht nur in Kleinmachnow ausgezahlt. Da die 1. Auflage im Jahr 1950 sofort vergriffen war, musste der Deutsche Bauernverlag Berlin bis 1958 das Papier für sieben Buchauflagen "organisieren".
 

Immer seinen Weg gefunden
Reinhold war einer von hier, vor und während der DDR, der gute Nachbar vom Stahnsdorfer Damm 39, der zehn Kilometer weiter am Institut für Gartenbau in Großbeeren über Zierpflanzen und Freilandgemüse forschte. Diese Einrichtung ist aus einer Bodenschenkung des Berliner Magistrats an die Höhere Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin-Dahlem hervorgegangen. Mit der Übergabe von 17,4 Hektar Moorversuchsfeldern begann im Jahr 1924 an diesem Standort die gartenbauliche Forschung. Ein Jahr später übernahm Reinhold die Leitung des Instituts für Gemüsebau Großbeeren.
Reinhold wurde am 15. Juni 1897 in Zoppot geboren, lernte Gärtner, besuchte die Höhere Gärtnerlehranstalt in Dahlem, studierte an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin und den Universitäten in Kiel und Königsberg. 1928 promovierte er, 1932 habilitierte er sich mit einer Arbeit über das gärtnerische Siedlungswesen in Deutschland.
Johannes Reinhold, das betonen die Fachleute noch heute, kann im Gemüsebau "als einer der ersten Wissenschaftler in Deutschland bezeichnet werden, der dieses Spezialgebiet der pflanzlichen Produktion methodisch unter Zuhilfenahme aller in Frage kommenden Disziplinen der Naturwissenschaft durchdrang". Fragen der Ernährung und Düngung von Gemüse gehörten zweifellos dazu, auch wenn betont wird, dass "von ihm erstmalig exakte Düngungsempfehlungen auf der Grundlage der chemischen Nährstoffanalyse des Bodens gegeben werden konnten".
Es kann nicht übersehen werden, dass der Forschungsstandort Großbeeren auch geprägt war von den Möglichkeiten der jeweiligen politischen Epochen. Großbeeren hat unter allen Gegebenheiten seinen Weg gefunden, Reinhold, der Wissenschaftler, auch. Bereits 1950 wurde er als Professor mit Lehrstuhl für Gemüsebau an die Humboldt-Universität berufen und mit dem Neuaufbau des im Krieg zerstörten und nun von der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften zu Berlin übernommenen Instituts für Gemüsebau beauftragt.

Tomatenzüchtung hinterlassen
Reinhold wurde mit dem Vaterländischen Verdienstorden (1959) und dem Nationalpreis (1961) der DDR geehrt. Gewürdigt wurden wohl damit seine Arbeiten zur Gewinnung und Anwendung von Kompost, zur biologischen Frühbeeterwärmung, zur Zusatzbelichtung von Gemüsepflanzen, zur biologischen Gemüsekonservierung und zur Entwicklung des Gewächshausbaus in der DDR.
Reinhold starb am 22. August 1971. Auf dem Waldfriedhof Kleinmachnow wurde der "Gärtner" auf der Grabstelle AUW 0 / 119 bestattet. Hinterlassen hat er uns jedenfalls die "Hellperle", eine begehrte Tomatenzüchtung, die heute noch als "rote gleichmäßig runde Frucht, früh, platzfest, widerstandsfähig, alte ostdeutsche Sorte" gepriesen wird.

Peter Hahn, MAZ vom 15.06.2007

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