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Ruhestätte: Hier liegt der Hund begraben

Besuch auf dem Tierfriedhof Ruhestätte: Hier liegt der Hund begraben

In der Region Dahmeland-Fläming ist er einmalig: Der Friedhof in Kiekebusch, einem Ortsteil von Schönefeld. Betreiber Jürgen Krüger kommt eigentlich aus einer ganz anderen Branche – aber könnte mit seinem jetzigen Beruf nicht zufriedener sein.

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Ein besonders schönes Grab bekamen zwei Katzen eines Berliners.

Quelle: Anne-Kathrin Fischer

Kiekebusch. Die wenigsten Tierbesitzer machen sich beim Kauf von Bello, Minka und Co. Gedanken, was passieren soll, wenn sie sterben. So ging es auch Jürgen Krüger, als sein Hovawart im Jahre 1988 verstarb, übergab er ihn mangels Alternativen dem Tierarzt zur Entsorgung. Beim nächsten Hund, Uschi, einer Golden-Retriever-Hündin, sollte es dann unbedingt anders werden. „Damals habe ich mir schon Gedanken gemacht, was mit ihr geschehen soll, wenn sie mal nicht mehr ist“, erinnert sich der 57-Jährige. Wer heute den Tierfriedhof in Kiekebusch besucht, kommt zwangsläufig an Uschis Grab vorbei: Glatter Marmor, ihr Name in den Grabstein graviert, schöne Blumen.

Kurz nach der Jahrtausendwende las Krüger in der MAZ eine Ausschreibung des Ortes Kiekebusch – es wurde jemand als Betreiber für einen Tierfriedhof gesucht. Da hat er nicht lange gezögert: Mit dem Gedanken, sich selbstständig zu machen, hatte sich der Senziger ohnehin schon beschäftigt – lief es doch in seiner Branche, im Gas-, Wasser- und Heizungsgewerbe, ohnehin nicht so gut. Noch dazu war er einige Male nach Hamburg gereist und hatte sich dort auf den schon länger existierenden Tierfriedhöfen umgeschaut. Das überzeugte auch den damaligen Bürgermeister von Kiekebusch – Krüger gewann die Ausschreibung.

Tiergräber in Kiekebusch

Tiergräber in Kiekebusch.

Quelle: Anne-Kathrin Fischer

In Teltow-Fläming gibt es hingegen keinen Tierfriedhof – jedoch schon lange den Wunsch nach einem. Die Bürgermeisterin von Luckenwalde etwa, Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD), hatte bei einer Informationsveranstaltung jedoch erklärt, dass sich ein Tierfriedhof nur dann lohne, wenn sich ortsansässige Bestatter um den Betrieb kümmern, quasi als zweites Standbein. Noch wurde kein Unternehmer gefunden. In Jüterbog wurde das Thema Tierfriedhof 2013 von den Stadtverordneten diskutiert. Nicht nur, da die Besitzer von Tieren einen weiten Weg zum nächsten Friedhof gehabt hätten, sondern auch, um eine neue Einnahmequelle für die Stadt zu haben. Bis heute gibt es dort aber keinen Tierfriedhof.

Jürgen Krüger mit einem Buch-Urnenmodell

Jürgen Krüger mit einem Buch-Urnenmodell.

Quelle: Anne-Kathrin Fischer

Insgesamt 8000 Quadratmeter Land hat Krüger nun in Kiekebusch gepachtet, bereits 4000 Quadratmeter sind in Nutzung und eingezäunt. Dass auch die restlichen 4000 Quadratmeter mal mit Tiergräbern bestückt sein werden, davon ist Krüger überzeugt. „Es kommen jedes Jahr mehr Anfragen.“

Das ist auch kein Wunder: Die Deutschen lieben ihre Tiere. Fast 13 Millionen Katzen leben in Deutschland, gefolgt von Hunden mit gut 7,5 Millionen. Im eigenen Garten dürfen Katzen und Hunde aber nur beerdigt werden, wenn dieser nicht im Trinkwasserschutzgebiet liegt. Eine Bestattung von Tieren, die ansteckende Krankheiten hatten, ist sogar verboten.

Und das Tier einfach entsorgen? Das kommt für viele Leute nicht in Frage. Kleine Haustiere wie Zierfische, Goldhamster, Meerschweinchen und Wellensittich dürfen zwar im eigenen Garten vergraben werden – doch der Gedanke Tierfriedhof oder zumindest Einäscherung ist für viele attraktiver. So gibt es die Möglichkeit, den Liebling zu besuchen, ohne viel Aufwand zu haben. Denn Krüger übernimmt nicht nur die Grabpflege, er sorgt auch dafür, dass der Friedhof stets schön anzuschauen ist. „Das ist das Tolle an dem Beruf“, sagt er. „Man kann sich gestalterisch ausleben.“ Die Bäume, die Beete – alles hat er selbst gepflanzt.

Hintergrund

Wer ein kleines Tier (bis zehn Kilogramm) in der Erde bestatten will, zahlt rund 200 Euro. Eine Beerdigung für größere Tiere, zum Beispiel Schäferhunde, kostet rund 550 Euro.

Je nachdem , ob man für sein verstorbenes Tier eine Einzel- oder Gemeinschaftseinäscherung wählt, beginnen die Preise bei 120 Euro (Tier bis 1 Kilogramm, gemeinsame Einäscherung) und gehen bis zu 350 Euro (Tier bis 60 Kilogramm, Einzeleinäscherung).

Der Tierfriedhof Kiekebusch wird von Jürgen Krüger betrieben. Er ist unter  01 51/16 53 05 4 5 zu erreichen.

Tiere würden zumeist eingeäschert, berichtet Krüger. Für viele Tierbesitzer ist es eine schöne Vorstellung, die Asche des ehemaligen „Familienmitglieds“ weiterhin im Haus zu haben. Oder sie verstreuen sie an einem bestimmten Ort – etwa an der Ostsee, wenn dort gerne lange Spaziergänge mit dem Hund unternommen wurden. „Selbst eine Schlange habe ich schon mal kremiert“, sagt der Tierfriedhofsbetreiber. Ein Anruf genügt meistens, dann kommt Krüger vorbei und holt das verstorbene Tier ab, welches dann im Tierkrematorium Teltow eingeäschert wird. Wer will, kann dabei auch anwesend sein.

Natürlich ist Krüger dann auch Seelsorger. Dadurch, dass er selber Tierbesitzer ist, kann er sich gut in seine Kunden hineinversetzen. „Für viele ist es ganz gut, wenn ein Außenstehender kommt und sagt, wie es jetzt weitergeht.“

Von Anne-Kathrin Fischer

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