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Von Kleinmachnow direkt in den Ghetto-Tod

Kleinmachnow gedenkt der vertriebenen und getöteten Juden Von Kleinmachnow direkt in den Ghetto-Tod

22 Stolpersteine erinnern an jüdische Einwohner, die von den Nazis aus der Gemeinde Kleinmachnow vertrieben oder zu Tode gebracht wurden. Eine von ihnen ist Susanne Peuse, die im Juni 1941 deportiert und noch am gleichen Tag in Warschau ermordet wurde. Heute erinnert ein kleiner Stolperstein im Zehlendorfer Damm 138 an die Frau. Er wurde am Montag gereinigt.

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Das Gedenken an die einstige jüdische Bevölkerung soll durch die Stolpersteine wach gehalten werden. Hier reinigt Martin Bindemann den Stein für Susanne Peuse.

Quelle: Claudia Krause

Kleinmachnow. Es war eines von Millionen furchtbaren Dramen: Am 25. Juni 1941 stirbt in Kleinmachnow der Ehemann von Susanne Peuse. Vermutlich hat sich der als „arisch“ geltende Verleger, der mit seiner jüdischen Frau in einer sogenannten „privilegierten Mischehe“ lebte, selbst getötet. Die Witwe verlor an diesem Tag alles: Ihr Hab und Gut und das Leben. Noch am 25. Juni kam sie ins Kleinmachnower Judensammelhaus Auf der Trift 10-12, von dort ging es gleich weiter ins Warschauer Ghetto, wo sie noch vor Tagesende ermordet wurde.

Heute erinnert ein kleiner Stolperstein im Zehlendorfer Damm 138 an die Frau, die im Jahre 1879 geboren und 1941 von den Nazis in den Tod getrieben wurde. Gestern Mittag hat der Diakon der evangelischen Auferstehungsgemeinde, Martin Bindemann und Initiator der Aktionsgruppe Stolpersteine, die kleine Gedenktafel im Gehweg geputzt und gewienert und ein Windlicht im Glas daneben gestellt. 22 solcher Stolpersteine sind inzwischen in der Waldgemeinde verlegt worden. „Und die nächsten zwei Steine werden voraussichtlich im Frühjahr 2016 folgen“, sagt Bindemann. Die Aktionsgruppe ist im Moment noch bei der Recherche zu den Herren Krause und Loewenberg, deren Erinnerungssteine An der Stammbahn eingelassen werden sollen. „Wir wollen unbedingt, dass Gunter Demnig dafür Zeit hat und selber nach Kleinmachnow kommt“, so Bindemann. Man recherchiere gründlich zu den Menschen und verlege einen Stein erst, wenn von mindestens zwei Quellen die Biografien der Betroffenen bestätigt seien, versichert der Christ.

Martin Bindemann mit Schwamm und Reinigungsspray am Stolperstein für Susanne Peuse am Zehlendorfer Damm 138

Martin Bindemann mit Schwamm und Reinigungsspray am Stolperstein für Susanne Peuse am Zehlendorfer Damm 138.

Quelle: C. Krause

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Es geht um Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, um Menschen, die ausgegrenzt wurden. Die Stolpersteine sind kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von 96 × 96 Millimeter und einer Höhe von 100 Millimetern, auf deren Oberseite sich eine individuell beschriftete Messingplatte befindet. Sie werden vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern der NS-Opfer ins Pflaster eingelassen. Rund 42 500 Steine lassen sich in Deutschland, rund 700 in Brandenburg finden.

Bindemann ist froh, dass es „keine Diskussionen“ mehr um die Stolpersteine gibt. „Heute Abend werden an unseren Stolpersteinen viele Kerzen brennen und Blumen liegen“, war sich der Diakon am Mittag sicher. Viele Kleinmachnower wollten zuvor die Steine wieder putzen. Oft seien es die Nutzer jener Häuser, in denen einstmals die jüdischen Bürger gelebt haben.

Aber nicht nur der Opfer wird gedacht, sondern auch der Helfer im Hintergrund. Eigens für sie wurde am 8. Mai 2014 die „Stele für stille Helden – für den Mut und das Überleben“ auf dem Margarethe-Sommer-Platz eingeweiht. Sommer half von 1938 bis 1945 in Kleinmachnow Verfolgten bei der Ausreise aus Nazi-Deutschland.

Von Claudia Krause

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