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Brandenburgs inoffizielle Hymne

Lied von Gustav Büchsenschütz Brandenburgs inoffizielle Hymne

Das Lied „Märkische Heide, märkischer Sand“ ist die heimliche Hymne der Brandenburger. Geschrieben und komponiert hat es aber ein Berliner – als er 1923 als Wandervogel in Brandenburg unterwegs war. Ganz unumstritten ist die Hymne aber nicht.

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Der Abfang der „Brandenburg-Hymne“.

Quelle: MAZ

Potsdam. Mit dem Singen haben es die Märker nicht unbedingt so. Sie gelten jedenfalls nicht als die sangesfreudigsten Deutschen. Dabei gibt es längst eine Hymne, mit der die Brandenburger ihrer Heimatliebe Ausdruck verleihen können. „Märkische Heide” heißt das Lied, das der 1996 verstorbene Gustav Büchsenschütz 1923 als Wandervogel in der damaligen Jugendherberge „Wolfslake” in Neu-Vehlefanz (Oberhavel) komponiert hat.

Bei der Verleihung des Verdienstordens des Landes darf es nicht fehlen, doch in den Stand der offiziellen Hymne wurde das Stück nie erhoben. 1994 scheiterte die SPD im Landtag mit einem entsprechenden Antrag. Der Grund: „Steige hoch, du roter Adler” sangen schon die Nationalsozialisten als Marschlied. „Das Lied wurde von den Zeitgenossen als Rechtsaußen-Lied wahrgenommen”, sagt der Historiker Michael Kohlstruck von der Technischen Universität Berlin. In der DDR war es deshalb verpönt. Büchsenschütz selbst, 1902 als Sohn eines Gendarmen in Berlin geboren, war nie Mitglied der NSDAP, soll seine Komposition aber selbst einmal als „Nazilied” bezeichnet haben.

Nach der Wende singfähig gemacht, hat das in Misskredit geratene Lied der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD). Es trage dazu bei, dass sich die Brandenburger mit ihrer Heimat identifizieren können, hatte er erklärt. Natürlich fehlte Stolpe nicht bei der Feier zum 90. Geburtstag des Liedes. In Kleßen-Görne (Havelland) feierte der Kulturförderverein Mark Brandenburg am 7. September 2013 den Kultgesang.

Die Nazi-Debatte um die „Märkische Heide” sei „Quatsch”, sagte damals Werner Bader, inzwischen verstorbener Nachlassverwalter von Büchsenschütz. Mittlerweile hat sich das Lied, zu dem es sogar eine – wenn auch nie gesungene – Strophe für ein geeintes Bundesland Berlin-Brandenburg gibt, tatsächlich bei Festen und Feierlichkeiten im Land etabliert. Auch Landesvater Dietmar Woidke (SPD) beherrscht den Büchsenschütz. Bei diversen Anlässen zeigte er sich ebenso textsicher wie Amtsvorgänger Matthias Platzeck (SPD). Für viele ist hingegen „Brandenburg” von Comedian Rainald Grebe die treffendere Musik für die Mark. „In Brandenburg, in Brandenburg / Ist wieder jemand voll in die Allee gegurkt / Was soll man auch machen mit 17, 18 in Brandenburg?” heißt es da. Mehr als 500 Millionen Mal wurde die ketzerische Konkurrenzhymne im Internet angehört. Was Gustav Büchsenschütz von dem Grebe-Spott gehalten hat, ist nicht bekannt.

Von Marion Kaufmann

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