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Ein heimatverbundenes Einheitskind

Geboren am 3. Oktober 1990 Ein heimatverbundenes Einheitskind

Henning Christ aus Dammkrug (Ostprignitz-Ruppin) ist auf den Tag so alt wie das wiedervereinigte Deutschland. Ihm steht die Welt offen. Doch er ist geblieben – aus Heimatverbundenheit.

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Henning Christ ist am 3. Oktober 1990 geboren worden.

Quelle: Peter Geisler

Dammkrug. Henning Christ ist geblieben. Er ist verwurzelt in Dammkrug, einem kleinen Ortsteil der 8600-Einwohner-Gemeinde Fehrbellin (Ostprignitz-Ruppin). Nach dem Abitur am Evangelischen Gymnasium Neuruppin ging er vorübergehend weg für die Ausbildung. Zwar auch nordwärts wie seine Schulfreundin Birgit Biemann, aber in den östlichen Teil: An der Hochschule Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern hat Henning Christ Agrarwirtschaft studiert. Doch an den Wochenenden, wenn es ging, fuhr er immer zurück. „Ich war immer heimatverbunden“, sagt der 24-Jährige.

Ost, West? Für ihn spiele das keine große Rolle. Aber auch in den Westen gegangen wäre, wenn er in der Umgebung keinen Job gefunden hätte? Henning Christ, geboren am 3. Oktober 1990, überlegt kurz. Ja, vielleicht. Aber sein Wunsch sei das nie gewesen. Nicht, weil er etwas gegen die alten Bundesländer habe, sondern weil er gerne dort bleiben wollte, wo er geboren ist. Hier habe er alles, was ihm wichtig ist: Familie, Freunde, Faustball. Er ist sehr engagiert im Verein in Fehrbellin, spielt nicht nur selbst, sondern ist als Trainer, Betreuer und Vize-Vorstand aktiv. „Das ist man dann nicht so frei in der Planung“, sagt er. Lange wegzufahren sei da eher schwierig. Im Oktober, nach seinem Geburtstag, will er aber nach New York reisen.

Einige aus seiner Klasse seien nach dem Abitur weggegangen, wohl die Mehrzahl. Die meisten aber nicht allzu weit weg, nach Berlin zog es viele zum Studieren. Er habe auch viel Glück gehabt und quasi vor der Haustür in Wustrau einen guten Job gefunden: Er arbeitet als Leiter für Pflanzenproduktion in einem Landwirtschaftsbetrieb.

Von seiner Familie sei fast niemand in den Westen gegangen. Eine Tante lebt in der Nähe von Bonn, aber sonst? Vor allem mit seinen Großeltern habe er viel über die DDR-Zeit gesprochen. „Es ist für unsere Generation kaum noch vorstellbar, wie eingeschränkt sie waren“, sagt Henning. Große Unterschiede zwischen Ost und West sieht er zumindest bei den Jüngeren nicht mehr. „Die Leute sind doch alle sehr offen, egal, wo man hinkommt“, meint er. Das bringe die neue Zeit einfach mit sich: Alle kommen viel rum, durch das Internet ist man überall mit der ganzen Welt verbunden. Auch unsichtbare Grenzen verschwinden. Aber: „Die Lohnunterschiede, die gibt es natürlich noch“, sagt Henning Christ.

Sein Geburtstag sei für ihn schon etwas Besonderes. „Jedes Mal ein Feiertag. Man braucht nicht extra freizunehmen“, erklärt er. Henning war zwar nicht im Fernsehen wie Birgit Biemann, aber vor fünfzehn Jahren, an seinem zehnten Geburtstag, durfte er zum Empfang beim damaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) nach Potsdam fahren. Als Einheitskind wird man gerne mal herumgereicht, aber das störe ihn nicht. Seinen 25. will er größer feiern, „ist schließlich ein Vierteljahrhundert“. Aber nicht mit einem Staatsakt. Zu Hause, mit Freunden.

Von Marion Kaufmann

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