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Volksfest mit Platzverweis

25 Jahre Brandenburg Volksfest mit Platzverweis

Das Bürgerfest rund um den Landtag und den gegenüberliegenden Lustgarten ist Party und Leistungsschau: Regionen, Unternehmen, Ministerien, Vereine und Behörden präsentieren sich mit einigem Stolz – von der Datenschutzbeauftragten bis zur Hochschule Eberswalde (Barnim). Deren Studenten haben ein Elektrofahrrad aus Holz mitgebracht.

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MAZ-Titelhelden und ein Burger-Präsident

Das Fest fand im Zentrum Potsdams statt.

Quelle: dpa-Zentralbild

Potsdam. Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – der Hammer fällt, und Kalle Schrader aus Potsdam ist um einen Güterzug reicher. Einen Waggon in Miniformat hat er ersteigert, für schlappe drei Euro. „Da kann man nicht meckern“, sagt er, der eigentlich gar nicht mitsteigern wollte. Schrader ist Mitglied der Langen Kerls, misst 1,96 Meter und interessiert sich in seiner Freizeit für die kleinen Dinge des Lebens – für Modelleisenbahnen im H0-Format. Also konnte er nicht widerstehen, als am Sonnabend beim Bürgerfest zum 25. Geburtstag des Landes Staatsgeschenke unter den Hammer kamen. Die Auktion für einen guten Zweck läuft etwas schleppend an, die Gebote sind mau, ein Meißener Kaffeebecher im Wert von 160 Euro geht für 20 Euro weg. Im Laufe des Tages wird das Auktionszelt voller, die Gebote höher.

Das Bürgerfest rund um den Landtag und den gegenüberliegenden Lustgarten ist Party und Leistungsschau: Regionen, Unternehmen, Ministerien, Vereine und Behörden präsentieren sich mit einigem Stolz – von der Datenschutzbeauftragten bis zur Hochschule Eberswalde (Barnim). Deren Studenten haben ein Elektrofahrrad aus Holz mitgebracht. Reichweite 60 Kilometer, erklärt Student Martin Gülich. „In Brandenburg bis zu 100, hier ist es ja flach“, sagt er.

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25 Jahre Brandenburg: ein Geburtstag, der an diesem Sonnabend in Potsdam rund um den Landtag mit einem großen Bürgerfest gefeiert wird. Auch die MAZ ist mit einem eigenen Stand vor Ort - und hat sich mit einer Kamera unter die Leute gemischt.

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Leinöl, Schmalzstullen, Würste, Gurken, Kunsthandwerk – und viele Trachten: Vor allem Wenden und Sorben flanieren farbenfroh umher und sind beliebtes Fotomotiv. So auch ein Herr mit Wanderstock und Kiepe auf dem Rücken. „Ich bin der Landkrämer aus dem Fläming“, erklärt Charles Koppehele, der mit seiner Frau Marlies demonstriert, dass die Trachtentradition auch im Fläming hochgehalten wird.

Viele wollen das Landtagsschloss besichtigen

Der neue Landtagsbau ist Magnet. Desinteresse am Politikgeschäft? Hier und heute zumindest nicht zu sehen, Menschenschlangen ziehen sich durch die weißen Flure. Die Abgeordnetenbüros sind meist klein, durch schmale Fensterschlitze kann man reinschauen. Aber es gibt feine Unterschiede: „Da ist ja eine Couch und ein Fernseher drin“, ruft ein kleines Mädchen ungläubig. Sie hat das Büro von SPD-Fraktionschef Klaus Ness entdeckt.

Landtagspräsidentin Britta Stark lobt den Zusammenhalt und die große Hilfsbereitschaft vieler Brandenburger. „Jeder dritte Bürger ist ehrenamtlich tätig“, sagt sie. „Gerade erleben wir dieses großartige bürgerschaftliche Engagement beim Empfang der vielen Flüchtlinge.“ Ja, die Flüchtlingskrise ist bei der Feierlichkeit immer wieder Thema. Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) dankt den Helfern. „250 Menschen kommen zu uns am Tag, das ist so viel wie wir früher im ganzen Monat hatten“, sagt er. „Blümerant“ und „mulmig“ zumute sei es deswegen vielen Brandenburgern.

Überwältigte Politiker

Ein mulmiges Gefühl hat auch Peter Fickelscheer. Aber nicht, weil er Angst vor den vielen neuen Menschen hat, er sorgt sich, dass die Hilfsbereitschaft versiegen könnte. Deswegen setzt er wie viele Hundert andere Besucher ein Zeichen: Er hinterlässt seinen Handabdruck auf einer Wand. „So wird Brandenburg bunt“ heißt die Aktion für Toleranz. „Ich hoffe, dass Brandenburg so bunt wird wie meine innere Einstellung“, sagt Fickelscheer.

CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben ist überwältigt von dem großen Interesse der Märker, die an diesem Tag nicht zum Meckern zu den Politikern kommen, sondern um sich zu bedanken: „Die Atmosphäre ist toll, die Menschen sind sehr herzlich. Es ist eine richtige Volksfeststimmung.“

Gehobene Bierpreise

Ein Volksfest ja, aber nicht alles ist Friede, Freude, Hefeplinse: Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel nutzen das Fest, um für ihre Kreisfreiheit zu werben. In keiner guten Erinnerung werden Bernd Reimers aus Kleinmachnow und Antje Aurich-Haider aus Teltow (Potsdam-Mittelmark) das Fest haben. Die Antifluglärmaktivisten sammeln neben dem Landtag Stimmen gegen den Bau einer dritten Startbahn, bis sie von der Landtagsverwaltung des Platzes verwiesen werden. Erst nachdem die Abgeordneten Christoph Schulze (Freie Wähler) und Axel Vogel (Grüne) bei Britta Stark intervenieren, dürfen sie weitermachen.

Etwa 65.000 Besucher kommen bis zum Abend, es bleibt eine friedliche Party, die ohne Alkoholleichen über die Bühne geht, was womöglich auch an den gehobenen Bierpreisen lag.

Zufrieden mit den Brandenburgern ist Lothar Ploew. Er kommt aus Essen, ist als Botschafter des Partnerlands Nordrhein-Westfalen hier und brät scharfe Currywürste. Beim Aufbau des benachbarten NRW-Standes, der für Reisen in die Ruhrregion wirbt, habe es Probleme gegeben, berichtet er. „Die können es einfach nicht. Da musste ich helfen.“ Haben die Brandenburger immer noch Aufbauhelfer aus NRW nötig? „Nein“, wehrt Ploew ab. „Nicht die Brandenburger. Die NRW-Truppe.“

Von Torsten Gellner

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