Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Meister des Handwerks Brücken für das Mosaik
Anzeigen & Märkte ANZEIGE Meister des Handwerks Brücken für das Mosaik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:02 30.03.2019
Will sich später mit smarter Gebäudetechnik selbstständig machen: Serwet Chiya. Quelle: Jacqueline Steiner
Potsdam

Es lief nicht immer ganz reibungslos für Serwet Chiya auf dem Weg zum topausgebildeten Elektrotechniker. Zuweilen gab es noch Hürden und Hindernisse, die den aus der Türkei aus politischen Gründen geflüchteten Kurden aufhielten, sich als Fachmann in der Region zu etablieren. Dabei werden Fachkräfte wie er dringend gesucht. Manchmal fand er sich vor Schwierigkeiten, sich weiter qualifizieren zu können oder war mit bürokratischen Barrieren und fehlender finanzieller Unterstützung konfrontiert. Probleme blieben auch bei der Anerkennung seiner Schulbildung nicht aus und obwohl er fließend deutsch spricht, fand sich Chiya gelegentlich vor Klippen seines Akzents wegen.

Es geht ihm eigentlich nicht unbedingt um Kritik, aber in manchen Bereichen „könnten mehr Brücken gebaut werden“, sagt er. Zugewanderte Fachkräfte seien meist genauso gut ausgebildet wie einheimische.

Doch inzwischen hat es der 39jährige geschafft. Nach einer zweijährigen Ausbildung auf der Meisterschule des Zentrums für Gewerbeförderung der Potsdamer Handwerkskammer in Götz konnte er im vergangenen Herbst die Meisterprüfung als Elektrotechniker erfolgreich abschließen. „Von den Dozenten dort habe ich viel Unterstützung bekommen“, lobt er die Verhältnisse vor Ort. Mittelfristig will er sich nun im Raum Berlin-Brandenburg mit Serviceleistungen in der smarten Gebäudetechnik für Wohnungen selbstständig machen. Dann kann der Berliner zu dem „Stein im Mosaik“ seiner nicht mehr ganz so neuen Heimat werden, der er immer sein wollte.

Im Jahr 2000 kam Chiya aus dem südanatolischen Mardin nach Berlin, wo schon Geschwister von ihm lebten. Nach einer Anerkennung seines noch in der Türkei gemachten Abiturs wollte Chiya eigentlich Politikwissenschaft und Soziologie studieren. Im Anschluss an Sprachschulungen und gelegentliche Jobs, um den Lebensunterhalt zu finanzieren, nahm er schließlich 2006 das Studium an der Uni in Potsdam auf. „Doch die Jobaussichten in diesen Fächern waren nicht rosig“, erinnert er sich. Allmählich formte sich der Gedanke der beruflichen Umorientierung. Kenntnisse dafür hatte er schon aus Mardin mitgebracht. Dort war er etwa in den Schulferien in vielen Jobs im Bereich Elektrotechnik aktiv. Besonders Beleuchtungstechniken hatten sich als sein Ding erwiesen.

Schließlich nahm er nach einem Job als Helfer in einer Elektrofirma in der Schweiz, wo ein Freund von ihm wohnte, eine Stelle für elektrische Arbeiten in einer Postverteilerzentrale der Region Berlin-Brandenburg an. Mit einem Bonus der Firma startete Chiya schließlich eine Ausbildung als Elektroniker in der Energie- und Gebäudetechnik an der Tüv-Akademie in Berlin.

Nach dem Gesellenbrief 2011 ging es erst einmal wieder in die Schweiz, wo Chiya in einer Elektrofirma für Installationen in Privatwohnungen arbeitete. Es hat wohl auch mit dem „Stein im Mosaik“ zu tun, dass bei ihm die Idee Gestalt annahm, auch die Meisterausbildung zu machen. Für jenen Stein kann eine eigene Firma das Fundament sein. Nicht zuletzt ist die Selbstständigkeit für ihn auch die Voraussetzung, „kreative Ideen umzusetzen“.

Das Zentrum für Gewerbeförderung hat in Sachen Meisterschulung „einen guten Ruf“, weiß er. 2016 war es soweit und Chiya startete in Götz eine zweijährige Teilzeitausbildung am Wochenende zum Meister und arbeitete an den Werktagen in einer Berliner Firma als Industrieelektriker. Für die ist er auch derzeit weiterhin tätig.

Vor der Selbstständigkeit plant Chiya zunächst noch einmal in die Schweiz zu gehen, um „zusätzliche Erfahrungen zu sammeln“, wie er sagt. Er sorgt sich, über seine derzeitige Elektrikerarbeit für Gewerbeansiedlungen und -ausbauten das Wissen in der Wohnhauselektrik zu verlieren. Im Nachbarland könnte er wieder in der smarten Gebäudetechnik arbeiten.

Smarte Eleganz zeigt Chiya gelegentlich auch in der Freizeit. Zusammen mit Freunden legt er öfter in einem Berliner Tanzlokal mit Tradition Swing-Tänze aufs Parkett.

Von Gerald Dietz

Für Joy Kühne hat wohl mit dem Meisterbrief in vielerlei Hinsicht ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Die 25-Jährige plant nach der Auszeichnung nicht unbedingt in ihrem erlernten Beruf weiterzumachen. Für die Potsdamerin hat die zusätzliche Fortbildung die Türen zur Hochschule geöffnet. Sie will Psychologie studieren.

30.03.2019

Gute Bilanz im Bereich der Handwerkskammer Potsdam: Die Zahl der Lehrverträge und die Zahl der Ausbildungsplätze sind im zurückliegenden Ausbildungsjahr gestiegen. Vor allem für kleinere Betriebe wird es aber immer schwieriger, gute Arbeitskräfte zu finden.

30.03.2019

Landmaschinenmechaniker Markus Arndt hat die Ausbildung als Bester seines Gewerks abgeschlossen. Die Technik, die dieser Berufsstand wartet, ist groß, traditionell und hypermodern zugleich.

30.03.2019