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Meister des Handwerks Holzwurm und Wasserratte
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00:03 30.03.2019
Julien Norman Melke restauriert nicht in seiner eigenen kleinen Werft, Service rund um Boot bietet er auch direkt am Steg an. Quelle: Jacqueline Steiner
Potsdam

Mit viel Sorgfalt hobelt Julian Norman Melke über eine Abschlussleiste des Holzdecks. Der Bootsbaumeister restauriert gerade in seiner kleinen Werft im Potsdamer Süden einen bald 60 Jahre alten Langkieler. Mit dem Besitzer des in Hamburg gebauten Segelbootes hat er ausgemacht, dass die Aufarbeitung in der neuen Halle etwas Zeit in Anspruch nehmen wird. Der Potsdamer ist stolz auf seinen neuen Firmensitz.

Sein Markenzeichen indes, mit dem der 25-Jährige, wohin er auch kommt, immer wieder auffällt, ist etwas anderes. Der Yachttechniker gilt in aller Regel als der „Bootsbauer mit der Feuerwehr“. Zu seinen Einsätzen vor Ort rückt er mit einem ursprünglich aus Österreich stammenden roten, ausrangierten Löschtransporter an, den er sich mit einem Mikrokredit bei einem deutschen Oldtimerhändler besorgt hat. „Das fällt natürlich auf“, sagt Melke zu seiner Werkstatt auf Rädern, mit der er auch schon per Hänger Boote in seine Werft und wieder zurück transportiert hat.

Zu seiner beruflichen Existenz als niedergelassener Boots- und Schiffbaumeister, der schon heute „mindestens bis Mitte 2020 ausgebucht“ ist, haben außer dem Darlehen noch weitere öffentliche Förderungen beigetragen: Melke erhielt neben einem vom Land finanzierten Meisterbonus in Höhe von 1500 Euro nach Abschluss der Meisterschule die sogenannte Meistergründungsprämie für Handwerker, die sich mit dem Meisterbrief innerhalb von drei Jahren selbstständig machen und einen Betrieb gründen. 8700 Euro beträgt die ebenfalls aus Landes- und zusätzlich EU-Mitteln finanzierte und von der Investitionsbank des Landes (ILB) ausgezahlte Prämie. Im Falle eines zusätzlichen im neuen Betrieb geschaffenen Arbeitsplatzes gibt es noch einen Bonus obendrauf.

Auch den wird Melke wohl noch erhalten. Ab März will er wegen der guten Auftragslage in der Region einen zusätzlichen Bootsbaumeister einstellen und absehbar bald auch Nachwuchs ausbilden. „Dieser Beruf ist mein Leben“, bringt er es kurz auf den Punkt.

12 000 Euro Prämie möglich

Seit Ende 2015 wird in Brandenburg die aus Landes- und EU-Mitteln finanzierte Meistergründungsprämie gewährt. Mit ihr soll die Gründung eines Betriebs, also die Selbstständigkeit, gefördert werden. 8700 Euro erhalten ausgebildete Meister, die in Brandenburg erstmals ein Gewerbe gründen.

Mehr als 250 Existenzgründer haben die Prämie bisher beantragt – nach Angaben der Potsdamer Handwerkskammer (HWK) ein Fünftel der seither ausgebildeten Meister insgesamt.

Wird innerhalb von drei Jahren nach der Gründung für mindestens zwölf Monate zusätzlich ein Arbeits- oder Ausbildungsplatz geschaffen, kommen noch 3300 Euro Förderung hinzu.

Als inzwischen gut „eingespielt“, bezeichnet der HWK-Abteilungsleiter Wirtschaftsförderung Michael Burg die Prämie.

HWK-Betriebsberatung: 0331/3703300 Die Kammer berät und unterstützt bei der Beantragung.

Ein „Holzwurm“ und auch eine „Wasserratte“ sei er ja schon immer gewesen, sieht Melke sich geradewegs als Bootsbauer prädestiniert. Seine Mutter stammte aus einer Schreiner-Familie und schon als Schüler hatte er während eines Schulpraktikums Bekanntschaft mit einer Bootswerft gemacht. Dass er 2004 nachdem die Familie nach Berlin gezogen war in den Ruderverein Wannsee eintrat und der Freund seiner Mutter selbst ein Holzsegelboot hatte, tat ein Übriges.

Weil er so schon frühzeitig wusste, was er wollte, fing Melke gleich nach dem Realschulabschluss bei der Lachmann-Werft in Schwielowsee als Auszubildender im Bootsbau an. Er entschied sich als einer von 17 Bootsbau-Lehrlingen in ganz Deutschland die neue Fachrichtung als Yachttechniker zu absolvieren. Den Gesellenbrief überreichte ihm sein Berufsschullehrer 2015 mit dem Tipp, möglichst schnell selbst den Meister zu machen, da der im Bereich Yachttechnik derzeit aufgrund seiner Seltenheit sehr gefragt ist. Das Problem war, dass Meisterkurse in der Bootsbau-Schule in Travemünde nur alle zwei Jahre angeboten wurden.

Melke arbeitete zwischenzeitlich übergangsweise als Bootsmotorreparateur, mit Nähe zum Holz in der Möbelbranche und machte sich sogar mit allerlei Serviceangeboten rund ums Boot selbstständig. „Dass ich selbst mobil zu den Bootshaltern kam, fand viel Zuspruch“. Daher besorgte er sich umgehend nach der Meisterprüfung im Frühjahr 2018 den Feuerwehrwagen. Die eigene Halle, in der er jetzt nicht nur in längerfristigen Aufträgen Boote restauriert, sondern auch Teile wie etwa bestellte neue Bootsdecks vorfertigt, kam erst im vergangenen November hinzu.

Oberhalb des Langkiel-Seglers, den er derzeit aufarbeitet, steht gut sichtbar über dem Sanitärabteil noch eine kleine Konstruktion, die ein wenig wie eine Holzschaukel wirkt. Hin und her schwingen kann das aufgehängte Boot darin sehr wohl. Der junge Bootsbaumeister baute sie parallel zu seinem Vollzeit-Meisterkurs in Travemünde, kurz bevor seine Tochter geboren wurde. Die mittlerweile knapp eineinhalb Jahre alte Frieda verbrachte in der von ihm gebauten Bootswiege die ersten Wochen ihres Lebens.

Von Gerald Dietz

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