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Meister des Handwerks Jubel für Jungmeister
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00:03 30.03.2019
Die Meister des Handwerks hatten allen Grund zum Feiern. Quelle: Jacqueline Steiner
Potsdam

Gänsehaut-Moment im Festsaal des Dorint-Hotels Potsdam: Zum Weltmeister-Song von Andreas Bourani „Auf uns“ und unter großem Jubel und Applaus von Angehörigen und Freunden liefen die Jungmeister der Handwerkskammer Potsdam zu ihrer Meisterfeier ein. „Sie können was, und sie werden überall gebraucht“, sagte der Präsident der Handwerkskammer Potsdam, Robert Wüst, an die Adresse der 241 neuen Meister ihres Faches: „Sie haben in beeindruckender Weise gezeigt, was in Ihnen steckt!“

Unter viel Beifall der rund 800 Anwesenden erhielt jeder einzelne der neuen Meister die Urkunde des Handwerks aus den Händen von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Kammerpräsident Wüst überreicht. „Der Meistertitel ist das Qualitäts-Siegel des Handwerks für Kunden, Partner oder Arbeitgeber“, rief Wüst den Ausgezeichneten zu: „Mit dem Meister-Titel haben sie ihre eigene Leistung und ihre bisherige berufliche Laufbahn gekrönt.“

In seiner Rede begrüßte Wüst, der selbst genau vor zehn Jahren seinen Meisterbrief hier erhalten hatte, dass inzwischen darüber nachgedacht wird, die Novellierung der Handwerksordnung aus dem Jahre 2004 teilweise wieder rückgängig zu machen. „Es ist gut, dass darüber diskutiert wird, die Meisterpflicht in einigen Handwerksberufen wieder einzuführen.“ Einen verbalen Steilpass auf Ministerpräsident Dietmar Woidke spielte Wüst, als er den abgelaufenen Meisterbonus, eine finanzielle Förderung der Fortbildung in Brandenburg, nun auch für die kommenden Jahre einforderte. Woidke nahm „den Ball“ geschickt auf und bestätigte, dass die Landesregierung das Programm nun fortsetzen werde.

Unter großem Applaus der Ehrengäste Wolf-Harald Krüger und Uwe Hoppe (Präsident und Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer HWK Frankfurt/Oder Region Ostbrandenburg), Corina Reifenstein (Vizepräsidentin der HWK Cottbus) sowie von Claus Gröhn (Präsident HWK Leipzig) forderte Wüst dazu auf, berufliche Bildung intensiver zu fördern. „Berufliche Weiterbildungsabschlüsse wie die Meisterausbildung müssen in Zukunft für alle Teilnehmer kostenfrei sein, so wie ein Studium“, sagte Potsdams Kammerpräsident und adressierte diesen Wunsch gleich an die Politiker in der ersten Reihe.

Aus Sicht von Klaus Windeck, dem Ehrenpräsidenten der Handwerkskammer Potsdam, ist die Gleichstellung von beruflicher Ausbildung und Studium überlebensnotwendig für das immer spezieller und komplizierter werdende Handwerk. „Wenn die Gesellschaft das Handwerk weiterhin will, dann müssen wir etwas ändern“, sagte Windeck, der sich über jeden Jahrgang neuer Meister freuen kann – noch so wie beim ersten Mal.

Dietmar Woidke erinnerte in seiner Ansprache daran, dass es das Handwerk war, das Brandenburg nach der Wende der 1990er-Jahre mit aufgebaut hat. Er wünschte sich daher, dass die hier geehrten und ausgezeichneten jungen Meisterinnen und Meister in Zukunft auch ihren Weg in der Mark weiter gehen sollten: „Sie sind das Rückgrat der Wirtschaft Brandenburgs.“ Das Handwerk sei gefragt wie nie, Fach- und Führungskräfte würden dringend im Lande gebraucht: „Deshalb werfen sie ihr Wissen und Können in die Waagschale und gestalten Brandenburgs Zukunft aktiv mit.“

Mit Meistertiteln kennt sich Festredner Bernd Schröder aus, der mit zwölf Meistertiteln, drei Pokalsiegen und zwei Europapokalsiegen der erfolgreichste Frauenfußballtrainer Deutschlands und einer der erfolgreichsten Fußballtrainer der Welt ist. Als Bauschlossermeister, der an der Bergakademie Freiberg (Sachsen) „durch den Stollen kroch“, weiß er auch, was Handarbeit bedeutet. „Das waren harte Jahre“, erzählte Bernd Schröder. In seiner Ansprache für die Meister ging es um den Sinn von Werten, die einen gut durch das Leben bringen können. „Aber da ist leider schon einiges durcheinandergeraten“, meinte Schröder, 77 Jahre, der den Zusammenhang von Leistung und Bezahlung anhand der astronomischen Gehälter von Fußball-Profis wie Messi und Özil analysierte.

Mit launigen Geschichten aus seinem Leben als Fußballtrainer von Turbine Potsdam und Manager erklärte er, was es heißt, Vorbild für andere in einer Leitungsfunktion zu sein und wie wichtig dies für den Erfolg wäre. „Zum Vorbild sein gehört Disziplin“, sagte Schröder dann ernst. Er hatte zeitweise mehr als 200 Mitarbeiter als Abteilungsleiter der VEB Energieversorgung Potsdam geführt sowie 200 Fußballerinnen angeleitet. An die künftigen Führungskräfte des Handwerks gewandt, ergänzte er: „Und ein Wort ist dann auch ein Wort.“

Die durch den Vormittag führende RBB-Moderatorin Carla Knie-stedt bat nochmals die drei Redner Wüst, Woidke und Schröder auf die Bühne – es galt, den Besten der Besten zu ehren: Elektrotechnikermeister Steffen Bonin. Ebenfalls lobend erwähnt wurden Markus Arndt als frisch gebackener Landmaschinenmechaniker und Joy Kühne, die sich mit ihrer Meisterqualifikation die Tür zum Studium geöffnet hat. Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Kammer, war es vorbehalten, den Meisterjahrgang 2019 zu verabschieden: „Feiern Sie kräftig und genießen Sie den Tag – Sie haben es sich verdient!“ Und mit Bouranis Meister-Song auf den Lippen „Ein Hoch auf das, was vor uns liegt, dass es das Beste für uns gibt . . .“ ging es hinaus für 200 Handwerksmeister und 41 -meisterinnen – in einen neuen beruflichen Lebensabschnitt.

Von Ulrich Hansbuer

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