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Meister des Handwerks Nachfolger verzweifelt gesucht
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00:06 30.03.2019
Michael Burg und seine Kollgen beraten Menschen, die altersbedingt ihre Firma abgeben möchten und kennen alle Fallstricke. Quelle: privat
Potsdam

Michael Burg, Abteilungsleiter Betriebsberatung und Wirtschaftsförderung bei der Handwerkskammer Potsdam, ist einer von sieben Fachberatern, die unter anderem den Meister an den Betrieb bringen. Oder anders gesagt: Sie helfen Handwerksbetrieben, einen Nachfolger zu finden und auftretende Schwierigkeiten zu umgehen.

In der Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge sehen Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, und Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig eine der großen Herausforderungen in den kommenden Jahren. Haben Sie aktuelle Zahlen, wie viele Unternehmen in der Region Nachfolger suchen?

Michael Burg: Wir gehen davon aus, dass sich etwa 25 Prozent der Betriebe mit dem Thema beschäftigen sollten – Tendenz steigend. Wir wissen, dass der Übernahmeprozess – je nach Branche – von einem Jahr bis zu zehn Jahre andauern kann. Also schauen wir, wer jetzt 55 Jahre und älter ist. Das betrifft jeden vierten, in einigen Gegenden sogar jeden dritten Geschäftsinhaber. Sie sind entweder schon dabei, ihre Unternehmensnachfolge zu regeln, beschäftigen sich damit oder benötigen Hilfestellung, um ihr Leistungsangebot übergabebereit zu machen.

Woran liegt es, dass junge Meister offenbar zögern, wenn ihnen eine Unternehmensführung angeboten wird?

So paradox es klingen mag: Es hängt häufig mit der guten Konjunktur zusammen, die wohl auch noch anhalten wird. Wer einen guten Job hat, der braucht kein Risiko einzugehen, wenn die Auftragslage brummt. Notgründungen kommen so gut wie gar nicht vor. Besteht aber die Sorge, dass Fachkräfte fehlen, dann können sich die Angestellten die besten Angebote aussuchen.

Sie als Fachmann haben zahlreiche Unternehmensübernahmen begleitet. Was muss stimmen, damit es klappt?

Das Gespann Inhaber/Meister muss gut funktionieren. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, ob das Unternehmen innerhalb der Familie oder an einen langjährigen Mitarbeiter und Meister weitergegeben wird. Ich sage immer: Es ist egal, ob das Wasser kalt oder warm ist, nass wirst du sowieso. Klar tauchen während der Übernahmephase auch Diskrepanzen auf, aber die kann man immer ausräumen.

Dauern deshalb viele Übernahmen so lange?

Ich glaube, das liegt daran, dass eine Unternehmensnachfolge zu 90 Prozent Psychologie ist. Schließlich geht es um Lebenswerke und nicht um Bilanzen. Es sind Menschen, die miteinander Vereinbarungen treffen, sich austauschen und so weiter. Einige ehemalige Inhaber können nicht loslassen. Dabei ist es für beide Seiten hilfreich, irgendwann auch auf Abstand zu gehen. Der oder die Neue darf ruhig auch mal einen Fehler machen. So war es bei einem selbst am Anfang sicher auch. Die Betriebsberater der Handwerkskammer stehen Gewehr bei Fuß und können auch zwischen den unterschiedlichen Positionen und Interessen vermitteln. Besonders freut es mich, wenn Betriebe positives Feedback geben und uns sagen, wie gut es war, dass wir dabei waren.

Von Claudia Braun

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