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Meister des Handwerks Unendliche Vielfalt
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00:03 29.03.2019
Carolin Schöttler setzt ihrem Konditormeistertitel in Frankreich noch eins drauf. Quelle: privat
Potsdam

Eins hat sich Carolin Schöttler in ihrer bisherigen Ausbildung zum Grundsatz gemacht. „Ich will immer von den Besten lernen“, sagt die geborene Falkenrehderin (Havelland). Derzeit setzt die Konditormeisterin und Chocolatière das im Rahmen einer Weiterbildung bei Versailles in Frankreich um. Eine entsprechende Qualifizierung zur Spezialistin für Süßspeisen wird in Deutschland als eigener Beruf nicht angeboten.

Der Konditormeistertitel, den sie im vergangenen Jahr in einer Ausbildung am Institut für Getreideverarbeitung in Nuthetal und am Zentrum für Gerwerbeförderung in Götz erworben hat, war der heute 24-Jährigen „noch nicht genug“. Daher entschied sie sich im zurückliegenden Sommer für die Weiterbildung „Mention complementaire“ in Frankreich, wo man in Bezug auf Süßwaren „vieles machen kann“. Dieser „Meister“ des süßen Feingebäcks existiert so in Deutschland nicht. Dabei sei Weiterbildung in diesem Bereich besonders wichtig, wie Schöttler findet: „Ständig neue Techniken und die fast unendliche Vielfalt an Zutaten, lassen keinen Platz für Langeweile.“ Der Beruf verlange nicht nur einen vernaschten Gaumen, sondern auch Kreativität und Improvisationsgabe, so die Pâtissière.

Dass es ihr daran nicht mangelt, zeigte sie während der Ausgestaltung ihrer Konditormeisterstücke zur Prüfung. Kurz vor Ablauf der Zeit zerbrach das Schaustück aus Schokolade. Die Komposition aus in die Höhe ragenden Schokoladenringen kam spontan auch in unplanmäßiger horizontaler Zusammensetzung beim Prüfungsgremium glänzend an.

Schon ihre Pâtissière-Grundausbildung hat Schöttler wegen der „Begeisterung für das süße Handwerk“ ins Nachbarland geführt, nachdem sie sich zuvor in Belgien zur Chocolatiere qualifiziert hatte.

Die derzeitige einjährige intensive Ausbildung zur Meister-Pâtissière, zu der ihr ein Abitur aus der Schullaufbahn Zutritt verschafft hatte, ist dual gestaltet: im wöchentlichen Rhythmus Schule und Arbeit in einem Betrieb für süße Finessen. Eine entsprechende Qualifizierung nimmt in Deutschland in der Regel drei Jahre in Anspruch.

Die heutige Leidenschaft Caroline Schöttlers für den Konditoren- und Pâtissière-Beruf war keineswegs durch die Eltern vorgezeichnet. Zwar erinnert sie sich noch gut daran, wie sie mit der Familie zu unterschiedlichsten Anlässen leidenschaftlich gern Kuchen mitgebacken hat. Allerdings weckte der noch mehr geliebte Gemüsegarten mit Kaninchen und Meerschweinchen in ihr eher den Wunsch, Tiermedizin zu studieren.

Eine Recherche im Netz, bei der die Falkenrehderin zum Film eines Chocolatiers abgeschweift ist, hat sie aber eines Besseren belehrt: „Der Enthusiasmus des jungen Mannes mit seinen Kreationen war endgültig ansteckend.“ Schon zuvor hatte die Schülerin während eines Auslandsjahrs im Fach Home economics (Hauswirtschaft) bei Konditorarbeiten sich der alten Backerfahrungen als Kind erinnert.

In ihrer kostbaren Freizeit in Versailles, sucht Carolin Schöttler gelegentlich Abstand von den süßen Schweinereien. Bei einem sogenannten „mud-run“, einer Art Hindernislauf durch den Matsch, hat sie ihren Freund kennengelernt, mit dem sie mittlerweile seit zwei Jahren zusammenwohnt. Dem mittelgroßen Mischling „Schumi“, den beide aus dem Tierheim geholt haben, wird der Appetit statt Schöttlers Kreationen, zudem wohl eher auf Herzhaftes stehen.

Für ihren weiteren Weg nach dem im kommenden August anstehenden Abschluss eröffnen sich ihr mehrere Optionen. Ihr derzeitiger Ausbildungsbetrieb in Frankreich würde sie gern übernehmen, jedoch lockt noch ein anderes sehr interessantes Angebot eines Bekannten. Dieser hat vor kurzem eine Chocolaterie in Lyon eröffnet und sucht nach Verstärkung für die Produktentwicklung seiner Spezialität: Couvertüren, welche wie Schokolade verarbeitet werden können, jedoch auf natürlicher Weise nach verschiedensten Nüssen und Trockenfrüchten schmecken.

Unvergessen lockt zudem die alte Heimat – „Zuhause bleibt Zuhause“. Hier könnte sich Carolin Schöttler gut vorstellen, den Wunsch zur Selbstständigkeit, zu dem ihr der Handwerksmeistertitel die Tore geöffnet hat, Realität werden zu lassen.

Von Gerald Dietz