Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Meister des Handwerks Unvorstellbar: -220 Dioptrien
Anzeigen & Märkte ANZEIGE Meister des Handwerks Unvorstellbar: -220 Dioptrien
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:03 30.03.2019
Peter Kaps, Augenoptikermeister, Rathenow Quelle: Jaqueline Steiner
Rathenow

Normal gibt es schon. Deswegen ist das Motto von Peter Kaps: Ab einer Brillenglas-Stärke von minus oder auch plus zwölf Dioptrien, wenn andere Hersteller raus sind – „ab da wird es für uns interessant“. Der Rathenower hat im November 2017 im Alter von 26 Jahren seine eigene Firma gegründet. Die Kaps Vision Brillenglas GmbH produziert in der Stadt der Optik Brillengläser für Menschen, die unter starken Sehbehinderungen leiden. „Wir sind in einer Nische tätig“, erklärt Peter Kaps. Er kümmert sich um individuelle Anfertigungen, die sich für Produzenten von Brillengläsern in hohen Stückzahlen nicht lohnen.

Er erinnert sich noch ganz genau an seinen außergewöhnlichsten Auftrag: Brillengläser mit einer unvorstellbaren Stärke von -220 Dioptrien. Sie sollten einem Patienten helfen, dessen Augen bei einem Unfall gequetscht wurden und der zusätzlich noch an einer Augenkrankheit litt. „Wir haben zwei Gläser zusammengeklebt, um die Konfiguration hinzubekommen“, sagt Kaps. Und es hat geklappt. Der Patient konnte sich mit dieser Brille zumindest in seinem Umfeld orientieren.

Die Anfragen für die Sehhilfen stellen in den meisten Fällen Augenoptiker. „Das sind unsere Kunden“, sagt der Firmenchef. Genau deswegen hat der heute 27-Jährige auch seinen Meister gemacht – um mit den Kunden eine gemeinsame Sprache zu sprechen und um das Handwerk mit der Industrie zu verknüpfen. Peter Kaps hatte in Berlin seine Augenoptiker-Lehre absolviert. Bei einem Low Vision Spezialisten, der sich um Menschen mit Sehbehinderungen kümmert. Als Lehrling in Berlin hatte der Rathenower einen Sonderstatus. Die Theorie durfte er in Rathenow lernen, im Oberstufenzentrum Havelland. Seine späteren Meisterkurse hat er ebenfalls in der Stadt der Optik absolviert: im Bildungszentrum der Augenoptiker- und Optometristen-Innung des Landes Brandenburg.

Seiner Heimatstadt ist Peter Kaps auch bei seiner Firmengründung treu geblieben. Unterstützt wird der Jungmeister und Unternehmer von seinen Eltern. Beide haben jahrzehntelange Berufserfahrung in der optischen Industrie. Seine Mutter ist Verfahrensmechanikerin, sein Vater Ingenieur. Im Familienunternehmen packt jeder mit an, um aus 3D-Entwürfen am Rechner reale Brillengläser für Kunden werden zu lassen. Rund 10.000 Werkzeuge sind in der Produktionshalle der Kaps Vision Brillenglas GmbH gelagert, um Gläser für jeden noch so speziellen Wunsch in die richtige Form und vor allem Stärke bringen zu können.

Das Unternehmen hat nicht nur Kunden in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, in Slowenien und Kroatien. Im Januar hat sich der junge Familienbetrieb auf der Opti – der internationalen Messe für Optik und Design – in München gezeigt. „Die Resonanz war sehr gut“, wie Peter Kaps berichtet. Man habe auch gute Kontakte zu industriellen Firmen knüpfen können.

Peu à peu wächst das Unternehmen von Peter Kaps. Aber leicht ist es nicht – trotz finanzieller Unterstützung. Der Jungmeister hat sowohl den Meisterbonus als auch die Meistergründungsprämie beantragt. Vom Brandenburger Förderprogramm „Gründung innovativ“ profitiert der Augenoptiker ebenfalls. Mit dem Fördergeld finanziert er die technische Ausstattung seiner Firma. Denn für seine Spezialanfertigungen ist er auf Spezialgeräte angewiesen. Zum Beispiel zur Herstellung von neuen Produkten für Kinderbrillen, die die Firma Kaps Vision Brillenglas ins Programm genommen hat.

Auch wenn die Selbstständigkeit Peter Kaps so manche schlaflose Nacht beschert hat, steht für ihn fest: „Ich bereue es nicht, diesen Schritt gegangen zu sein.“ Schon allein wegen dieser Momente, in denen ein Patient mit seiner neuen Sehhilfe seine Umwelt besser wahrnimmt und mehr Lebensqualität erfährt. Die sind für Peter Kaps unbezahlbar.

Von Ute Sommer

Ramona Pachal machte vor 25 Jahren ihren Meister. Sie wollte nach der Wende nicht arbeitslos werden. Wellenlegen, Toupieren und Tricks, wie aus wenig viel gemacht werden kann: „Meine DDR-Kenntnisse kamen mir zugute.“ Sie musste aber auch erfahren, wie wichtig Unterstützung ist.

30.03.2019

Die Actionkomödie „Manta, Manta“ mit Til Schweiger aus den 1990er Jahren brachte Sven Löser letztlich zum Lackiererberuf. Nach mehreren Jahren im Ruhrgebiet kehrte er in seine Heimat Nuthetal zurück und entschied sich, eine Meisterausbildung zu machen.

30.03.2019

Steffen Bonin aus Velten (Oberhavel) ist es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen. Der 28-jährige Elektrotechnikmeister, der seine Prüfung als Jahrgangsbester aller Gewerke abgeschlossen hat, arbeitet als Projektleiter in einem Unternehmen, das Lösungen für die unterbrechungsfreie Stromversorgung anbietet. Auch seine Weiterbildung zum Betriebswirt hat er bereits begonnen.

30.03.2019