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Meister des Handwerks Vom volkseigenen Salon in die Selbstständigkeit
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00:03 30.03.2019
Goldene Schere und Kamm: Zum 25. Meisterjubiläum bekam Ramona Pachal von ihrer Familie ein Andenken geschenkt. Quelle: privat
Pritzwalk

Hochschwanger vor dem Start der lang ersehnten Ausbildung, die eigene Mutter gerade verstorben und die Berufsschule über hundert Kilometer weit weg. Manch andere hätte unter weniger schwierigen Umständen bereits das Handtuch geschmissen. Nicht so Ramona Pachal, der bereits zu Schulzeiten klar war: „Ich muss Friseurin werden.“

Die heute 54-Jährige begann am 1. September 1981 ihre Ausbildung im volkseigenen Friseurgeschäft des Ehepaars Sandring in Wittstock. „Wir lernten damals noch alle Aspekte des Berufs – von der chemischen Umformung, also den Dauerwellen, bis hin zur Farbenlehre“, erinnert sich Ramona Pachal. Bevor sie so richtig loslegen konnte, kam Tochter Susan auf die Welt, genau 55 Tage nach Ausbildungsbeginn. „Die gesetzlich vorgeschriebenen zehn Wochen Mutterschutz musste ich nehmen, aber danach erfüllte ich mir meinen Berufstraum“, erzählt sie. 1983 machte sie ihren Facharbeiter, ein Jahr später begann sie bei der Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) in Pritzwalk.

1988 heiratete sie Gerald, den Vater ihrer Tochter, und ahnte nicht, dass sie bald ihre eigene Chefin sein würde. Denn die politische Wende eröffnete Ramona Pachal eine ganz neue Möglichkeit – die Selbstständigkeit. Eins stand für sie fest: „Arbeitslos wollte ich nie werden.“ Durch Unterstützung von Verwandten in den alten Bundesländern begann sie, Fortbildungen zu besuchen.

Meisterarbeit zum Friseurhandwerk im Wandel der Zeiten

Besonders den Mitarbeitern eines in Hamburg ansässigen Studios, das weltweit Haarpflege- und Friseurbedarf vermarktet, war sie sympathisch. „Ich war das erste Mädchen aus dem Osten, das sie kennenlernten. Dass ich den Drang verspürte, mich selbstständig zu machen, begeisterte sie. So entstand eine Freundschaft und sie halfen mir, wo es ging. Ich war wohl ihr kleines Projekt“, berichtet Ramona Pachal und lacht.

Nach der intensiven Vorbereitungszeit war es ihr mit einer Ausnahmeregelung und einem Bankkredit am 12. März 1991 möglich, ihren ersten Salon in Pritzwalk zu eröffnen: das Top-Hair Studio. Fehlte nur noch der Meisterbrief. „Teil drei und vier, also im Wesentlichen die Betriebswirtschaft, absolvierte ich zuerst. Die Handwerkskammer bot damals einen Kurs in der Volkshochschule Pritzwalk an. Es war jedoch nicht immer ganz einfach, nach der Arbeit von 17 bis 21.30 Uhr zu pauken“, so Pachal, die einige Prüfungen mit dem Prädikat „sehr gut“ abschloss. Weil Teil eins und zwei noch einmal eineinhalb Jahre in Anspruch genommen hätten, entschied sie sich für einen vierteljährigen Crashkurs bei einer privaten Meisterschule bei Düsseldorf. Wellenlegen, Toupieren und Tricks, wie aus wenig viel gemacht werden kann: „Meine DDR-Kenntnisse kamen mir zugute.“ Die Lehrer staunten und ermunterten sie, ihre schriftliche Meisterarbeit zum Thema „Friseurhandwerk im Wandel der politischen Zeiten“ unter besonderer Berücksichtigung der DDR zu schreiben. Am 7. März 1994 hielt sie ihre Meisterurkunde in den Händen.

Zu Spitzenzeiten Chefin von zwei Salons

Zu Spitzenzeiten betrieb Pachal zwei Salons mit insgesamt über zehn Beschäftigten und bildete selber aus: „Eine Zeit, die ich nicht missen möchte, wenn auch die Freizeit etwas kurz kam.“ Seit rund fünf Jahren betreibt sie zwei kleine Friseurläden, in einem davon werden zusätzlich Kosmetikbehandlungen angeboten. „Kleine Salons liegen wieder im Trend. Dort können wir uns individuell um die Kundenwünsche kümmern“, sagt die Friseurmeisterin. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie nie bereut, „aber ohne die Unterstützung von meiner Familie und meinen Mitarbeitern hätte ich es nicht geschafft.“ Zum 25. Meisterjubiläum versprachen ihr Mann, der die Buchhaltung macht, und ihre Tochter, die emotional unterstützt: „Das rocken wir weiter.“

Von Claudia Braun

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