Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg „Der Volksaufstand war ein Durchbruch zur Freiheit“
Brandenburg „Der Volksaufstand war ein Durchbruch zur Freiheit“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:58 17.06.2019
17. Juni 1953: Demonstranten werfen in Berlin mit Steinen nach russischen Panzern. Quelle: dpa
Anzeige
Potsdam

In vielen ostdeutschen Städten wird heute (Montag) an den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953 erinnert. Die zentrale Gedenkveranstaltung findet am 66. Jahrestag der Ereignisse erneut auf Einladung der Bundesregierung in Berlin statt. Am Mahnmal für die Opfer auf dem Friedhof Seestraße im Stadtteil Wedding werden unter anderem Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Bundesinnenminister Horst Seehofer sprechen.

Brandenburgs Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) würdigte die historischen Ereignisse als „revolutionäre Bewegung“. Der 17. Juni 1953 sei ein „Schlüsselereignis für die deutsche und die europäische Geschichte“, erklärte Stark am Montag in Potsdam. Der Aufstand, der vor allem von einer drastischen Erhöhung der Arbeitsnormen durch die SED ausgelöst wurde, sei ein „Durchbruch zur Freiheit“ gewesen. Die Erinnerung an die Menschen, „die für ihren Mut und ihre Zivilcourage auf offener Straße erschossen, in Gefängnissen gefoltert und hingerichtet wurden, werden wir wachhalten“.

Anzeige

Gedenken am Ort des früheren DDR-Kreisgerichts

In der Mark erinnert die brandenburgische Generalstaatsanwaltschaft mit einer Gedenkveranstaltung an die Ereignisse. Die Erinnerung an den Volksaufstand und an das Leid der Menschen, die „damals den Mut gefasst hatten, gegen Diktatur und staatliche Willkür aufzubegehren“, müsse wachgehalten werden, erklärte die Generalstaatsanwaltschaft in Brandenburg an der Havel. Zu der Gedenkveranstaltung im Innenhof der Justizbehörde am Ort des früheren DDR-Kreisgerichts wird auch Brandenburgs Aufarbeitungsbeauftragte Maria Nooke erwartet.

ARCHIV - 16.06.2011, Berlin: Kränze liegen an der Gedenkstätte für die Opfer des Volksaufstands in der DDR vom 17.06.1953. (zu "Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des Volksaufstandes des 17. Juni 1953") Foto: Maurizio Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Maurizio Gambarini/dpa

Bei dem Volksaufstand rund um den 17. Juni 1953 gingen rund eine Million Menschen in der DDR auf die Straße. Ausgangspunkt waren Arbeiterproteste auf Ost-Berliner Großbaustellen an der damaligen Stalinallee, die Proteste dehnten sich danach auf mehr als 700 Orte aus. In zahlreichen Landkreisen wurde daraufhin der Ausnahmezustand verhängt, der Aufstand wurde vom sowjetischen Militär blutig niedergeschlagen.

Auch in Brandenburg an der Havel kam es damals zu einem Volksaufstand. Bauarbeiter, Beschäftigte des Schlepperwerkes, Arbeiter des Stahlwerkes und Beschäftigte der Thälmannwerft hätten die Arbeit niedergelegt, hieß es. Tausende seien für Freiheit und gegen Unterdrückung auf die Straße gegangen. Zentraler Ort der Proteste sei das damalige Kreisgericht gewesen, das von den Demonstranten gestürmt wurde. Damit sei die Freilassung von 42 politischen Gefangenen aus der angeschlossenen Untersuchungshaft durchgesetzt worden.

50 Todesopfer

Der Volksaufstand gilt als erster öffentlicher Massenprotest im Machtbereich der Sowjetunion nach 1945. Rund 50 Menschen kamen nach Historikerangaben ums Leben, darunter auch Angehörige der DDR-Sicherheitsorgane. Rund 15.000 Menschen wurden festgenommen. In Westdeutschland wurde der 17. Juni vom Bundestag kurz darauf zum „Tag der deutschen Einheit“ erklärt, der bis zur Wiedervereinigung 1990 gesetzlicher Feiertag blieb.

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur erklärte, der Volksaufstand bleibe ein zentrales Ereignis der deutschen Freiheitsgeschichte. Damals habe sich gezeigt, dass die DDR nur durch Waffengewalt der Sowjetunion und mit eigenen Sicherheitskräften aufrecht erhalten konnte.

Lesen Sie dazu auch:

Von MAZonline/epd