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Brandenburg 45 Menschen sterben 2018 auf Berliner Straßen
Brandenburg 45 Menschen sterben 2018 auf Berliner Straßen
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18:14 11.03.2019
Radler gehören zu jener Gruppe von Verkehrsteilnehmern, die wenig Schutz im Straßenverkehr haben. Quelle: Daniel Naupold/DPA
Berlin

Berlin wächst, es gibt mehr Autos, Radfahrer und Fußgänger – und auch etwas mehr Verkehrsunfälle und Verletzte. Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik betonten am Montag bei der Vorstellung der Unfallstatistik, die Polizei gehe verstärkt gegen die Verkehrssünder vor, die Stadt sei weiterhin sicher.

Unfallzahlen:

144 325 Unfälle im Straßenverkehr registrierte die Polizei 2018. Das waren 901 Unfälle (0,6 Prozent) mehr als 2017. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Einwohner Berlin um 36 000 Menschen (ein Prozent) auf 3,75 Millionen. Der Plus bei den Unfällen ist im Verhältnis etwas geringer. In 34 000 Fällen beging ein Beteiligter Unfallflucht. Das betraf ungefähr 23 Prozent der Unfälle.

Verletzte und Tote:

Bei etwa jedem achten Unfall (13 Prozent) wurde jemand verletzt. 2542 Menschen erlitten schwere und 15 630 Menschen leichte Verletzungen. 45 Menschen starben. Das waren jeweils etwas mehr als 2017. Eine Rolle spielte dabei der warme Sommer, weil mehr Menschen Fahrrad und Motorrad fahren, wie Slowik sagte. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat Berlin sehr wenig Verkehrstote: 12 pro einer Million Einwohner. Nur Bremen hat weniger. In Sachsen-Anhalt und Brandenburg gibt es dagegen 63 und 57 Tote pro Million Einwohner.

Raserei und Radarkontrolle

829 000 Verstöße wegen zu hoher Geschwindigkeit wurden erfasst.

Zehn neu aufgestellte Blitzgeräte trugen dazu bei. 32 feste Blitz- und Messgeräte an Ampeln und anderen Stellen gibt es inzwischen.

Bis zum Sommer testete die Polizei zwei mobile Radarfallen in großen Anhängern, die tageweise an Straßen gestellt werden können und dort selbstständig funktionieren. Durch diese Technik spart die Polizei Personal. Rund 43 000 Mal wurde das Überfahren von roten Ampeln bestraft.

279 Ermittlungsverfahren wegen illegaler Rennen gab es. 164 Autos wurden beschlagnahmt und 130 Führerscheine eingezogen.

Beteiligung:

Die größte Gruppe der Verkehrsteilnehmer sind die Autofahrer, entsprechend sind sie an knapp 75 Prozent der Unfälle beteiligt. Verhältnismäßig oft verletzt werden dagegen Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer, weil sie weniger geschützt sind. Das betraf 5629 Radfahrer, 2316 Fußgänger und 2198 Motorrad- oder Rollerfahrer.

Risikogruppen:

Auffällig oft verursachen Rentner Unfälle. Ihre Zahl und Lebenserwartung steigt, sie sind aber oft weiterhin Autofahrer oder Fußgänger. So wuchs die Zahl der Unfälle mit Senioren auf knapp 17 000. Der Zuwachs war in den vergangene Jahren überproportional groß. In zwei Dritteln der Fälle waren die Rentner an ihren Unfällen ganz oder teilweise Schuld. Die meisten Unfälle passieren beim Wechseln der Fahrspur, beim Abbiegen und beim Einfahren in den fließenden Verkehr: Drei Situationen, bei denen man sich umdrehen und hinter sich sehen muss – was älteren Menschen oft schwerer fällt.

Ursachen:

Die häufigste Unfallursache war mit großem Abstand das falsche Verhalten beim Abbiegen. Dann folgten Nichtbeachten der Vorfahrt und zu schnelles Fahren. Den höchsten Geschwindigkeitsverstoß lieferte ein Autofahrer, der mit Tempo 196 bei einem Limit von 80 auf der Stadtautobahn fuhr. Am Treptower Park wurde ein Fahrer mit 158 Kilometern pro Stunde statt der erlaubten 50 geblitzt.

Fahrrad:

Die Polizei baut ihre Fahrradstaffel in den nächsten Jahren weiter aus. Bisher arbeiten 20 Polizisten mit. Genaue Zahlen für die Zukunft wollte Innensenator Geisel nicht sagen. Künftig sind die Polizisten auf Rädern nicht nur in Mitte, sondern auch in Friedrichshain-Kreuzberg unterwegs.

Touristen:

Statistisch auffällig sind Touristen, die auf Leihrädern unterwegs sind, bei Unfällen nicht. Der Chef der Verkehrspolizei, Frank Schattling, sprach aber trotzdem von „wackeligen“ Fahrern in Touristengruppen, die in der Stadt überfordert seien und manchmal „besser das Fahrrad schieben sollten“.

Mietautos:

Zu der Frage, ob Fahrer, die mit Mietautos von Car-Sharingfirmen unterwegs sind, wegen der laufenden Kosten zu schnell fahren und mehr Unfälle verursachen, sagte Schattling: „Wir haben diesen Verdacht auch. Aber das ist nicht mehr als ein Bauchgefühl.“ Möglicherweise führe der „gefühlte Zeitdruck“ des Fahrers auch zu Unfällen. Die Polizei erfasse das aber nicht statistisch und komme an die Daten der Versicherungen nicht heran.

Elektrische Tretroller und Skateboards:

Diese Fahrzeuge sollen demnächst erlaubt werden. „Wir sehen das mit sehr gemischten Gefühlen“, sagte Schattling. Auf Radwegen und Bürgersteigen werde es „enger als es jetzt schon ist“. Das müsse dann wegen der Unfallgefahr zusätzlich überwacht werden. Verkehrs-Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne) kündigte besondere Regelungen zum Schutz der Fußgänger an.

Von MAZonline